Die Berlin.Macher

So macht Media Peers den Vertrieb von Filmrechten leicht

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Paul Hertzberg

Foto: Sven Lambert

Das Berliner Unternehmen Media Peers bietet eine neue Vertriebssoftware für Filmstudios und TV-Sender. Rechteinhaber nutzen das Angebot, um ihren Kunden einen Überblick über ihr Angebot zu verschaffen.

Holger Hendel und Moritz Viehweger sind nicht unbedingt die klassischen Start-up-Macher. Hendel ist „gerade noch 41“, Viehweger 42 Jahre alt, beide sind promoviert, beide haben Kinder. Mit anderen Worten: Die Gründer von Media Peers entsprechen nicht dem Klischee der jungen, wilden Gründer der Start-up-Hauptstadt Berlin. Für die Branche untypisch ist auch das Büro in dem die 2007 gegründete Firma residiert.

Der Boden knarzt leicht, wenn man darüber geht, helles Sonnenlicht scheint auf die hohen weißen Wände und vor den Fenstern fallen die Kastanien auf die neue Wache. Media Peers hat seinen Hauptsitz im zweiten Stock des Palais am Festungsgraben. „Weiter hinten im Büro herrscht aber etwas mehr Gründeratmosphäre“, sagt Viehweger. Dort sitzen die 14 Mitarbeiter von Media Peers. In zwei Räumen stehen mehrere Rechner, im Flur ist der obligatorische Tischkicker.

Also doch ein Start-up. Es gibt noch einen Angestellten, einen, der nicht in Berlin sitzt, sondern in den USA Kontakte knüpft. Denn wie kaum eine andere Ecke der Welt ist der Westen Amerikas bedeutend für das Unternehmen, das Viehweger und Hendel 2007 mit dem Informatiker Torsten Graf-Oettel gründeten. Schließlich geht es dabei um Filme. Um Serien, um das bewegte Bild oder wie Hendel es professionell ausdrückt: „um die Rechte und den Vertrieb audiovisueller Inhalte“.

Media Peers ist Entwickler einer Software, die es Produktionsstudios erlaubt, ihre Filme ohne größeren Aufwand an ihre Kunden zu vertreiben. Vor der Entwicklung dieses Programms bedeutete das eine Menge Arbeit. Wollte ein Fernsehsender die Aufführungsrechte an einer Produktion erwerben, mussten Probe-DVDs hin und her geschickt werden, Absprachen getroffen werden und, kam es zu einer Einigung, die Filmrollen teils quer durch die Welt verschickt werden.

Ein digitales Schaufenster für Filmrechte

Das Produkt, das Media Peers seinen Kunden anbietet, ist eine Vertriebssoftware. Ein digitales Schaufenster, das Inhaber von Filmrechten nutzen, um ihren potenziellen Kunden einen Überblick über ihr Angebot zu verschaffen. Filme und Serien werden aufgelistet, zu jeder Produktion sind Trailer und Ausschnitte verfügbar und je nach Wunsch des Kunden vereinfacht es das Programm dem Verkäufer, ganze Angebotspakete zu schnüren.

Zum Teil fordern Fernsehsender zu den Rechten an einer Serie Listen der verwendeten Filmmusik an, Schauspielerlisten und Kostenberechnungen. Mietet eine Firma diese Software, wird eine Maske aufgelegt und das Design an ihre Wünsche angepasst. Ihr Logo prangt auf der Seite, die Plattform ist in ihren Farben gehalten, im Hintergrund läuft der ganze Prozess aber über die Programmierung, die das Team um die drei Gründer entwickelt hat.

Mit den Kunden der Studios, mit den Fernsehsendern und Käufern von Filmrechten hat Media Peers also nichts zu tun. „Das ist ein klassisches B to B Konzept“, betont Hendel. Business to Business, das heißt, zwei Unternehmen kommen miteinander ins Geschäft. Das hat zur Folge, dass es den Gründern nicht um möglichst viele Aufträge geht.

Sie müssen keine Werbung machen, um die Massen zu begeistern, nicht im großen Stil Einzelpersonen von sich überzeugen. Das wäre auch gar nicht möglich. „Letztendlich bieten wir ein spezialisiertes Produkt für eine kleine Zielgruppe an“, sagt Viehweger. Doch innerhalb dieser Zielgruppe mischt Media Peers inzwischen ganz oben mit.

Jeder kennt wohl Metro-Goldwyn-Meyer, die berühmte Filmproduktionsgesellschaft aus Los Angeles, mit dem Firmenlogo des Unternehmens im Kopf. Ein goldener Löwe, der dann brüllend seinen Kopf hebt. Auch MGM, wie sich die Produktionsfirma abkürzt, benutzt die von Media Peers bereit gestellte Plattform zum Vertrieb ihrer Filme. „Das war eine Menge Arbeit“, erzählt Vieweger. Dutzende Firmen hatten sich um die Gunst der Firma bemüht, doch am Ende entschied sich der Produktionsriese für das kleine Start-up aus Berlin. „In dieser Zeit sind wir sicher zehn Mal zwischen Berlin und L.A. hin und hergeflogen.“

Internationale Kundschaft

Die Kundschaft des Berliner Start-ups ist international. Europäische Sender wie ORF nutzen den Dienst genauso wie amerikanische Studios. Der deutsche Markt macht „vielleicht ein Viertel des Geschäfts“ aus, schätzt Viehweger.

Das Produkt dient nicht dazu, Filme vorzustellen. Interessiert sich ein Käufer für eine Produktion, schalten die Verkäufer die gewünschten Inhalte für eine Zeit für eben diesen Interessenten frei. Kommt es danach zu einem Geschäftsabschluss, bietet der Service, den Media Peers bereitstellt, noch eine Option. Trotz der gigantischen Datenmengen können ganze Filme in Kinoqualität online zu versenden.

„Das wird immer häufiger der Fall sein“, schätzt Hendel, vor allem da der Versand von Filmrollen gewisse Risiken beinhaltet. „Es gab eine Zeit“, erzählt der Gründer, „da war der russische Zoll so korrupt, dass Filmrollen einbehalten wurden, bis Käufer einen Sonderzuschlag zahlten.“ Verschicke man Filme künftig immer häufiger über das Internet, sei diese Gefahr gebannt.

Nur eines kommt bei den Gründern zu kurz: der Film selbst. Neben der Arbeit, den Kindern und der Kontaktpflege bleibe für die Gründer kaum Zeit, sich Filme anzuschauen. „Bei uns zu Hause wird noch nicht einmal Fernsehen geschaut“, sagt Viehweger. Und: „Dass ich das letzte Mal im Kino war, ist sicher über ein Jahr her.“