Halb Festival, halb Konferenz: Die Berliner Start-up-Szene traf sich zum Tech-Open-Air in der Szene-Location Kater Holzig. Die Veranstaltung mit zahlreichen Satelliten-Events in der Stadt dauert bis Freitag Abend an. Der Organisator zählt 800 Gäste – 150 mehr als im vergangenen Jahr.

Internet- und Start-up-Events finden gewöhnlich in fensterlosen Sälen von Kongresszentren statt. Vorne zeigt einer Powerpoint-Folien und im Publikum sitzen Hunderte und hören zu. Das Tech Open Air ist anders. Allein das Ambiente: Eine verwinkelte Szene-Location voller Kunstinstallationen, der Charme der Ruine, Holzterrassen am Ufer der Spree. Das Programm passt zur Location: DJ, Livemusik, Barbecue und Performances stehen ebenso auf dem Programm die Vorträge von prominenten Sprechern aus der Start-up-Szene. Der hub:raum-Accelerator der Telekom hat sogar ein Floß gechartet, auf dem sich Start-ups präsentieren und dabei die Spree rauf und runter schippern konnten.

Veranstalter und Gründer Nikolas Woischnik sieht das Tech Open Air als multidisziplinäres Event. „Wir wollen Brücken schlagen und zum Dialog anregen“, sagt er am Rande der Veranstaltung. Auf der einen Seite gebe es in Berlin die Kunst- und Musik-Communities, auf der anderen Seite die Start-up-Szene, welche die Stadt prägen. „Techologie beeinflusst uns alle. Sie ist der gemeinsame Nenner für Transformation“, sagt Woischnik.

Insprirationsquelle für die Szene

Dass das Tech-Open-Air inzwischen mit der US-Konferenz SXSW in Austin (US-Bundesstaat Texas) verglichen wird, ehre den Veranstalter sehr, wie Woischnik sagt. Beim SXSW wurden Plattformen wie Twitter und Foursquare gelauncht. „Solche Veranstaltungen sind Inspirationsquelle“, sagt Woischnik. Allerdings hinkt der Vergleich: Zum SXSW-Event in diesem Frühjahr kamen 300.000 Besucher.

Bei der Diskusssion zum Auftakt der Veranstaltung versuchten Jens Begemann, der Gründer des Spieleentwicklers Wooga, und Ciaran O’Leary, Pertner des Investors Earlybird, die Berliner Start-up-Szene einzuordnen. „Berlin braucht noch drei bis vier Jahre“, sagte O’Leary. Das Silicon Valley könne auf eine zehn bis 15-jährige Geschichte zurückblicken. Da stimmte ihm Cilli Cegla, Entrepreneur aus Tel Avis, bei einer anderen Diskussion zu: „In drei Jahren werden wir in Berlin ein Ecosystem sehen“, sagte er.

Erster großer Exit in zwei Jahren

O’Leary erwartet, dass noch zwei Jahre vergehen werden, bis es in Berlin den ersten großen Verkauf eines Start-up gebe. Und Jens Begemann sagte, die Berliner Top-Start-ups wären im Silicon Valley relativ uninteressant. Bei seinem eigenen Unternehmen denke er nicht an einen Exit, sagte er. „Wir wollen nur einen guten Job machen.“

Im Vortrag von Florian Meissner, dem Gründer der Foto-App EyeEm, ging es um die Frage des Aufgebens. „Start-ups müssen sich von Zeit zu Zeit die Frage stellen, ob sie ihre selbst gesteckten Ziele erreichen“, sagte er. Er weiß, wovon er spricht. Und anscheinend hat er genau diese Frage stets zur richtigen Zeit gestellt, wie der Erfolg seiner Plattform beweist.

Wie Fingerfood bei einer Party

Das Tech Open Air ist wie Fingerfood bei einer Party. Man nascht hier und da, geht weiter, nimmt vom nächsten Tablett einen Drink. Die Besucher flanierten von Vortrag zu Vortrag. Ein Event zum Netzwerken – die Lieblingebeschäftigung der Berliner Start-up-Szene. Die Events im Beichtstuhl an den Docks zur Spree, wo Besucher in Einzelgesprächen Rat von Experten suchen konnten, waren dagegen nicht so begehrt.

Am Freitag wird die Veranstaltung fortgesetzt – mit 50 Satelliten-Events in der ganzen Stadt. Die erste große Party in der Factory dürfte als eine Art inoffizielle Eröffnung des neue Start-up-Campus gelten.