Mobile Anwendungen sind die Zukunft. Sie sind Futter für die Milliarden Smartphones und ein Marktplatz, den ihre Nutzer bevölkern. Die Mobilbranche ist der Wachstumsmarkt schlechthin und deshalb hart umkämpft. Viele Start-ups wollen hier Fuß fassen – gerade in Berlin. Doch die Konkurrenz ist hart – und die Zeit der Nutzer ist knapp. Apps, die nicht massenhaft die Startbildschirme der Smartphones erobern und dort immer wieder angeklckt werden, haben es schwer. Dies ist eine kommentierende Auswahl der interessantesten iPhone-Apps, die in Berliner Unternehmen entwickelt wurden.

50Hours

Jeden Tag fünf bis zehn Konzerte in Berlin, die in den nächsten 50 Stunden stattfinden, schlägt die 50hours-App ihren Nutzern vor. Unter einem Foto der Location oder des Künstlers liest der Nutzer eine kurze Beschreibung des Events. Direkt aus der App heraus lassen sich Tickets buchen, die an der Konzertkasse nur noch vorgezeigt werden müssen. Durch die Integration sozialer Netzwerke ist es möglich, seine Freunde auf das Event hinzuweisen. Die für den Verbraucher kostenfreie App bietet dem Veranstalter die Möglichkeit, Restkarten zu verkaufen.

Babbel

Aus dem Bergmannkiez in die weite Welt: Mit seinen erfolgreichen Apps zum mobilen Sprachenlernen hat das Sprachlerntool Babbel die Rekordmarke von 10 Millionen Downloads erreicht. Die Apps sind in über 190 Ländern erhältlich und vor allem in Ländern wie Deutschland, Frankreich und die USA beliebt. Für das iPhone haben sie Berliner mehrere Vokabeltrainer im Programm – zum Beispiel diesen für Englisch. Vorsicht: Zum Download der mehrere Hundert MB großen Daten ist Wlan erforderlich. Dafür kann man im Urlaub offline und ohne Roaming-Gebühren darauf zugreifen. Gründer Markus Witte plant, weitere Lernprogramme aufs iPhone und iPad zu bringen.

Barcoo

Testberichte, Preisvergleiche, Öko- und Gesundheitsinformationen liefert die App Barcoo. Der Nutzer scannt einfach den Barcode eines Produktes ein und schon wirft die App die gewünschten Informationen aus – egal ob es sich um Lebensmittel, Kosmetika, Spielzeug oder Produkte aus dem Baumarkt handelt. Ganz aktuell: Die App ist auch ein mobiler Helfer für die Grillparty und vergleicht Würste, Soßen und Bier. Die erforderlichen Informationen werden von Verbraucherverbänden geliefert. Das Start-up bezeichnet sich als größter Produktguide Europas. Wenn ihm nach mehr als vier Jahren jetzt noch ein Geschäftsmodell einfällt, dürfte ihm eine rosige Zukunft beschieden sein. Ein Muss für den umwelt- und gesundheitsbewussten Verbraucher.

Berliner Mauer

Eine App für Geschichtsinteressierte – egal ob sie als Touristen die Stadt besuchen oder hier leben. Sie wurde im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelt und zeigt mit multimedialen Inhalten, wo einst die Mauer verlief. Sie enthält eine interaktiven Karte, Fotos, Audio- und Videoclips. An 40 Orten wird mit etwa 200 Fotos, 40 O-Tönen, 20 Filmen und zahlreichen Texten die Geschichte des Bauwerks dokumentiert. Für Touristen werden Mauertouren vorgeschlagen. das Programm wurde von exozet interact, einer Agentur für digitale Kommunikation, entwickelt.

Blinkist

Warum ganze Bücher lesen, wenn es gute Zusammenfassungen gibt? Darauf hat sich das Blinkist-Team spezialisiert. Im Angebot der App sind Sachbücher, die zu einer überschaubaren Zahl von Kapitel-Zusammenfasungen (so genannte Blinks) destilliert werden. Die Themen reichen von Politik über Business bis hin zu Gesundheit. Einzelne Blinks sind in wenigen Minuten gelesen. Neue Nutzer erhalten drei Bücher kostenfrei. Vom vierten Buch an wird das Angebot kostenpflichtig. Pro Buch werden 1,79 Euro fällig.

EyeEm

Diese App ist schon kein Geheimtipp mehr, gehört aber trotzdem in diese Liste. Schätzungsweise zehn Millionen Foto-Fans nutzen sie. Man schießt mit der Smartphonekamera ein Foto, kann es wie bei Instagram mit einem Filter verfremden. Die App ergänzt den Ort, wo es aufgenommen wurde. Der Nutzer kann ein Thema auswählen, mit dem er das Bild beschreibt und ergänzt, wenn er es will, einen Kommentar. Nach Ort und Thema getaggt wird das Foto einem Album zugewiesen. Der Betrachter kann sich wahlweise Alben ansehen oder die Fotostreams von Nutzern betrachten, denen er ähnlich wie bei Twitter folgt. EyeEm will eine Fotodatenbank aufbauen und Bilder mit Zustimmung der Fotografen verkaufen. EyeEm rockt.

DotDotDot

Die App mit den drei Punkten ist eine Leseanwendung für Webtexte – egal ob es sich um E-Books oder andere Dokumente aus dem Internet handelt. Dotdotdot will eine digitale Leseplattform sein, auf der die Nutzer Texte, die sie im Web entdecken und für interessant befinden, an einem zentralen Ort sammeln können, um sie später zu lesen. Die Texte werden verschlagwortet, so dass sie sich später leichter finden lassen. Nutzer können Texte, die andere Leser gesammelt und freigegeben haben, einsehen und sich darüber austauschen. Zitate lassen sich in soziale Netzwerke teilen, kommentieren und versenden. Anders als Readmill (siehe unten) konzentriert sich das vom HighTech-Gründerfonds unterstützte Unternehmen nicht auf E-Books.

Howdo

Do-it-Yourself steht im Mittelpunkt von Howdo. Nutzer laden mit der App praktische Anleitung in Bildsequenzen, die mit einem gesprochenen Text unterlegt werden, auf die Plattform. Es gibt eine aktuelle Tagesübersicht sowie thematische Gruppen für Beiträge – von handwerklichen Tipps („So repariere ich einen Ikea-Stuhl“) über Kochrezepte („So brate ich Spiegeleier“) bis hin zu lebenspraktischen Hilfen („So schäle ich eine Banane“). Die App zeigt viel Kurioses – der praktische Nutzen hält sich mitunter in Grenzen. Der Besucher sieht aber ein facettenreiches Bild über die wahren Probleme der Berliner Hipster-Szene. Wellington Partners, die auch in EyeEm und Readmill Geld gesteckt haben, war die Idee ein Investment wert.

iLiga

An dieser App kommt kein Fußballfan vorbei. Sie zeigt die Begegnungen der ausgewählten Ligen an, bietet Live-Ticker, Statistiken und Spielberichte. Fans erhalten hier zudem Informationen über ihre Mannschaften. Das Start-up verzeichnete bereits mehr als zwölf Millionen Downloads. Die App hat monatlich 3,5 Millionen aktive Nutzer. Ein Investment von Earlybird unterstützt den globalen Ausbau der Plattform.

Mentor

Die neue Motivations-App Mentor aus dem Start-up-Campus Factory ist ein Programm für gute Vorsätze. Nutzer teilen diese der App-Community mit und spornen sich an, das angestrebte Ziel zu erreichen – sei es eine sportliche Leistung, ein Diätplan oder die Absicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Das Teilen der Vorsätze auf Facebook erhöht den Druck. Kommentare und Likes anderer Nutzer ebenso. Besonders originell ist die Idee nicht: Es gibt bereits ähnliche Apps wie DidThis, Lift, Ritual, die Diabetes-App MySugr oder SponsoRun. Amen-Gründer Felix Petersen unterstützt das Projekt mit seinem Seed-Investment. Ob er auf Mentor Ziele für sein havariertes Hipster-Start-up formuliert hat, ist nicht überliefert.

Moovel

Diese App ist nur zum Teil einer Berliner Erfindung. Denn eigentlich steckt die Daimler AG dahinter. Aber sie wurde in Berlin und für Berlin konzipiert. Sie zeigt dem Nutzer die schnellste Verbindung zwischen zwei innerstädtischen Orten an: mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Taxi und mit Mietwagen aus Daimlers Carsharing-Flotte Car2Go. Mietwagen und Taxen können direkt aus der App heraus gebucht werden. Hinsichtlich Design und Funktionalität eine der besten Apps, die in Berlin erfunden wurden.

Moped

Die App Moped will die SMS neu erfinden. Nutzer schicken sich Kurznachrichten, die auch Fotos, Hyperlinks und Geotags enthalten können. Es lassen sich auf Dienste anderer Anbieter wie beispielsweise IFTTT oder Dropbox integrieren. Die App ist vor allem für Arbeitsteams und Unternehmen gedacht, aber auch für die private Nutzung geeignet. Kontakte (aus dem Smartphone-Adressbuch) können zu Gruppen zusammengefasst werden. Dadurch wird Moped zum Transportmittel für Informationen bei der Teamarbeit. Dem Investor Earlybird war diese Idee eine Million Dollar wert.

Readmill

Der E-Book-Reader fürs iPhone (und iPad) kommt von Readmill. Nutzer können darauf nicht nur Bücher im ePub- oder PDF-Format lesen, sondern auch Zitate teilen, neue Bücher entdecken und ihre eigene Bibliothek aufbauen. Einige Bücher können kostenfrei gelesen werden. Zahlreiche Online-Buchhändler sind mit der Plattform verknüpft. Das Log-in erfolgt über Facebook. Zu den Investoren zählen Wellington Partners, Index Ventures und Passion Capital (Stefan Glänzer) sowie die Gründer des Berliner Audiostreamingdienstes Soundcloud.

Stylemarks

Wohin mit den Klamotten, die man nicht mehr tragen will? Stylemarks ist ein mobiler Marktplatz für Vintage und Second Hand-Design. In letzter Zeit findet sich auch verstärkt Neues auf der Seite. Die Design- oder Modestücke können auf der Plattform gehandelt werden. Wer die App öffnet, sucht sich eine von vier Abteilungen aus – je nachdem, was ihm oder ihr gefällt. Frauen, Männer, Möbel oder Design. Wer sich für eine Abteilung entschieden hat, sieht eine Fotosammlung mit den verschiedenen Angeboten. Ein weiterer Klick führt zum Anbieter, wo das Stück dann online gekauft wird. Styemarks ist eine Art Pinterest für Vintage.

Tripventure

Das Unternehmen entwickelt ortsbasierte Spiele und Reiseführer – unter anderem „Mission Mauerfall“ (2,69 Euro). Dabei geht es um die Flucht einer Familie im Jahr 1962 durch einen Tunnel unter dem Eisernen Vorhang. Dabei wurde der DDR-Volkspolizist Reinhold Huhn erschossen. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Reporters, der den Tod des Polizisten aufklären will. Echte Schauplätze werden mit Hilfe von Augmented Reality mit historischen Ereignissen spielerisch und didaktisch verbunden. Sprylab, das Mutterunternehmen von Tripventure, hat dieses Spiel gemeinsam mit dem Bildungswerk des DGB entwickelt. Auf der App werden weitere Games von tripventure verkauft.

Vamos

Die Event-App für den vernetzten Berliner Partygänger, der sich per Facebook einloggt und wissen will, was angesagt ist und wo sich seine Freunde rumtreiben. Die Startseite zeigt die bei Facebook gelisteten aktuellen Veranstaltungen, die dort veröffentlichten Fotos und die Anzahl der auf Facebook angeklickten Zusagen. Eine weitere Seite zeigt die Empfehlungen von Freunden, favorisierte Events und die eigenen Zusagen.

Views

Das Unternehmen hat mehr als 70 Berliner Szeneboutiquen unter Vertrag, die in der App ihre Stücke im Pinterest-Stil anbieten. Eine Karte zeigt, wo der Laden des Anbieters ist. Ein weiterer Button mit der Aufschrift „Want“ ist eine Shoppingliste. Vorsicht: das ausgewählte Produkt wird ungefragt auf Facebook veröffentlicht, falls man sich über das soziale Netzwerk eingeloggt hat. Per Tap auf das Foto werden weitere Produkte des gleichen Anbieters gezeigt. Die Gründer wollen ihre Plattform zu einem Dashboard für das Inventurmanagement der Boutique mit Online-Shop-Funktion ausbauen. Doch bis dahin müssen sie wohl noch die eine oder andere Zeile Code schreiben und ihre Hausaufgaben machen.

Wooga

Wooga entwickelt in Berlin Spiele fürs Smartphone: Bubble Island, Diamond Dash, Monster World und Pocket Village sind unter anderem als iPhone-Apps erhältlich – einige mehr sind als Social Games für Webanwendungen konzipiert. Das von Jens Begemann 2009 gegründete Unternehmen beschäftigt 250 Angestellte aus 40 Nationen. Mehr als 50 Millionen Spieler greifen monatlich zu den Spielen, die in der Backfabrik in Prenzlauer Berg erfunden werden.

Wunderlist

Der ToDo-Manager Wunderlist aus Berlin hilft Einzelpersonen und Teams, Leben und/oder Arbeit zu organisieren. Die App ist in einer kostenfreien Basis- und einer kostenpflichtigen Profiversion mit erweiterten Funktionen verfügbar. Der Nutzer erstellt eine Aufgabe, die er erledigen muss oder nicht vergessen darf. Unteraufgaben können ergänzt werden. Man kann eine Frist einstellen, eine Erinnerungsfunktion aktivieren und andere Personen zu Projekten einladen. Ferner gibt es Smart Lists: Das sind Ordner, in denen sich Aufgaben thematisch gliedern lassen. Die Synchronsation mit PC und Tablet sind möglich. Ideal beispielsweise als Ersatz für Einkaufszettel in Mehr-Personen-Haushalten.

Dingdong

So ein Ärger: Die stylische Messaging-App ist ist plötzlich aus dem iTunes-Store verschwunden. Dabei ist sie eines der Highlight, das im ersten Halbjahr 2013 von Start-ups in Berlin entwickelt wurde. Freunde laden sich gegenseitig zu DingDong ein, um ohne Worte zu kommunizieren. Dazu schicken sie sich gegenseitig Fotos. Die Schnappschüsse mit der Smartphone-Kamera zeigen, was der Freund gerade macht und wie es ihm geht – getreu dem Motto: Ein Wort sagt mehr als 1000 Worte. Es bleibt zu hoffen, dass die Dingdong-Macher diesem Motto treu bleiben und nicht doch noch Text-Messaging ergänzen. Besucher der Website können derzeit Beta-Accounts beantragen.