Die Designhandelplattform FAB zentralisiert seine Aktivitäten in New York und streicht in Berlin zum Jahresende mehr als 100 Stellen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in der Hauptstadt 250 Mitarbeiter. Das teilte Gründer Jason Goldberg auf seinem Blog mit. Die Mitarbeiter seien am Dienstag von Goldberg über die geplanten Veränderungen informiert worden, sagte Unternehmenssprecherin Katja Meincke.
Die Webplattform Fab.com bietet Designprodukte nach eigenen Angaben „bis zu 70 Prozent unter Marktpreis“ an. Um die Übersicht zu behalten, gibt es auf der Website unterschiedliche Shops: Damen- und Herrenmode, Möbel, Haushalts-Accessoires, Vintage, Schmuck, Kunst, Tierbedarf, Lebensmittel und Fun-Artikel. Die Produkte können auf der Plattform online bestellt werden.
„Fab bleibt zu 100 Prozent auf den europäischen Markt und das Berliner Büro wird weiterhin unsere wachsende Präsenz in Europa unterstützen“, schreibt Goldberg. Er verspricht den Kunden, sie würden keine Änderung des Service bemerken und begründet die Konzentration auf New York mit dem „Abbau von Redundanzen“. Die Entscheidung werde „von den Investoren unterstützt“, was im Klartext „gefordert“ heißen könnte.
Neues Geschäftsmodell angepeilt
Goldberg spricht von einer Änderung des Geschäftsmodells – weg von den Aktionsangeboten (Flash Sales) und hin zu einem umfassenden Online-Lifestye-Shop mit einer höheren Planungssicherheit. Er kündigt ferner die Expansion in asiatische Märkte an. Die Flash Sales seien bislang parallel in Europa und den USA betrieben worden. Das habe zu großen Überschneidungen auf der Händlerseite geführt.
Zuletzt hatte das Unternehmen mit der Nachricht für Aufsehen gesorgt, in Berlin Möbel zu produzieren. Dazu hatte das New Yorker Unternehmen das Start-up Massivkonzept übernommen. Die Angebote sind auf der Website unter der Rubrik „Designed by You“ zu finden. Kunden finden dort Regalsysteme, Tische und Sofas.
3,5 Millionen Kunden in Europa
Fab betreut von Berlin aus das gesamte Europageschäft. Die Zahl der europäischen Kunden war im Februar mit 3,5 Millionen beziffert worden, das Wachstum mit 40 Prozent in einem Jahr. 30 Prozent des Gesamtumsatzes werden in Europa erwirtschaftet.
Fab gilt damit als die wohl am schnellsten wachsende Onlinehandelsplattform. Das im Jahr 2011 gegründet Unternehmen hat im vergangenen Jahr mit zwölf Millionen Kunden 150 Millionen Dollar Umsatz erzielt. Die Unternehmensziele für 2013 wurden mit 300 Millionen Dollar beziffert. Das Unternehmen, das im Juni eine Finanzierungsrunde über 150 Millionen Dollar bekannt gegeben hatte, wird inzwischen auf eine Milliarde Dollar bewertet.
Mit eigenem Klon in Berlin gestartet
Fab hatte Anfang des Jahres 2012 das Berliner Start-up Casacanda übernommen, damals ein Klon der Fab-Idee, und mit diesem Personalstamm seine Europazentrale aufgebaut. Angeblich sollen für diesen Deal elf Millionen US-Dollar gezahlt worden sein.
Goldberg zerstreut in seinem Blog Vermutung über eine Krise des Unternehmens. Zur Zeit gebe es 70 offene Stellen. 30 Berliner Mitarbeitern sei angeboten worden, in die New Yorker Zentrale zu wechseln. Die bisherige Europachefion Maria Molland sei in die USA zurückgekehrt und wolle in San Francisco ein eigenes Start-up gründen, sagte Katja Meincke.
Warnung vor der nächsten E-Commerce-Blase
Branchenexperte Alexander Graf stellt in seinem Blog „Kassenzone“ die Frage nach der „Fab.com-Blase“. Er sieht das Unternehmen in einer Reihe mit Shoppingclubs und Rabattplatformen wie Groupon, bemängelt das mehrfach geänderte Geschäftsmodell, bezweifelt die grenzenlose Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und findet die Unternehmensbewertung „abenteuerlich“.





