Wie lassen sich Innovationen für Deutschland besser realisieren? Diese Frage wollen die Deutsche Bank, das Berliner Gründerzentrum Factory, der Internet-Konzern Google und der Energieriese Shell gemeinsam beantworten. Gesucht werden bahnbrechende Ideen und mutige Projekte in zehn Themenfeldern: von Bildung und Entrepreneurship bis zu Infrastruktur und Mobilität. „Berlin Innovation ConSensus“, ist das Projekt überschrieben.

Auf der neuen Internetplattform www.innovationconsensus.de sollen diese Ideen gesammelt und diskutiert werden. Die zukunftsträchtigsten Vorschläge und Projekte dienen als Grundlage für einen Gipfel mit 30 Vordenkern aus Großunternehmen, Mittelstand, Start-ups, Kultur und Wissenschaft am 31. August und 1. September auf dem Start-Up-Campus „Factory“ in Berlin. Bei diesem Treffen werden die zehn besten Ideen formuliert und der Politik übergeben. Im Idealfall sollen daraus Projekte werden, die Start-ups in der Factory umsetzen können.

Harald Eisenach, der Vorsitzend der Geschäftsleitung der Deutschen Bank in Berlin begründet das Engagement seines Hauses mit Schwächen bei Unternehmensgründungen: „Es gibt noch viel Handlungsbedarf und viele Herausforderungen“, sagte er in Berlin. Die Deutsche Bank suche Partnerschaften, die sich ergänzen. „Solches Denken zu fördern, macht Sinn“, sagt der Banker.

Innovation sichtbar machen

Er bezeichnete den seit 2006 stattfindenden Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ als gutes Beispiel. „Die im Rahmen des Wettbewerbs vorgestellten 2500 Projekte haben Innovation sichtbar gemacht. Das hat sich gut etabliert.“

Wieland Holfelder, Entwicklungschef von Google Deutschland, bezeichnete Innovation als die DNA des Internetkonzerns Google. „Wir brauchen mehr Moonshots“, sagte er und meinte damit mehr bahnbrechende Ideen, die zuvor niemand gedacht habe. Als Beispiel nannte er das Google-Forschungsprojekt Loon: Ballons mit eingebauten Internet-Hotspots, die in die Stratosphäre aufsteigen und Länder ohne technische Infrastruktur mit Internet versorgen können. Die besten Ideen sollen nach dem Innovationsgipfel im August in die Wirtschaft gestreut und mit Hilfe von Investoren umgesetzt werden. „Herausragende Projekte werden Teil des Factory Förderprogramms“, sagte Holfelder.

Auch Kultur des Scheiterns aufarbeiten

Holfelder nannte als denkbare Beispiele für solche innovativen Ideen eine Internet-Plattform für das Teilen von Essen (Foodsharing), das Teilen von Lehrmaterialien in Schulen (Open Education Ressources) oder auch akademische Projekte, „die die Kultur des Scheiterns aufarbeiten, die in Deutschland nicht wirklich gelebt wird“, wie Holfelder sagte.

Peter Blauwhoff, der Deutschland-Chef des Mineralölkonzerns Shell, hofft auf Innovationen für den Energiesektor. „Wir brauchen neue Wege zu Innovationen und da kommt der Berlin Innovation ConSensus zur rechten Zeit“, sagte er. „Die Energienachfrage wird sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Erneuerbare Energien und Effizienzgewinne werden nicht reichen, um diesen Bedarf abzudecken“, sagt er.

Hoffen auf die Welle neuer Ideen

Auch er bezeichnete Innovation als DNA seines Unternehmens. „Jährlich fließen eine Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung. Und wir haben mehrere 100 Millionen Euro in Start-ups investiert“. Als Beispiel nannte er eine Animationstechnologie, mit der sich seismische Boden-Untersuchungen visualisieren lassen. „Die bei einer solchen Untersuchung anfallende Datenmenge entspricht einem Viertel der Daten, die das Hubble-Teleskop bislang zur Erde gefunkt hat“, sagte er.

„Ich hoffe, dass der Innovation ConSensus eine Welle von Ideen hervorbringt und etwas lostritt, das nicht mehr zu stoppen ist und den globalen Innovationsprozesss weiter vorantreibt. Wir brauchen alle guten Ideen und Talente“, sagte der Shell-Chef.

Berlin soll nicht mehr „arm, aber sexy“ sein

Simon Schaefer, der Gründer und Gesellschafter des Start-up-Campus Factory in Berlin-Mitte, hofft auf Synergien zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups. „Je mehr Innovation wir schaffen, um so erfolgreicher wird Deutschland sein“, sagte er. „Wir sind gut mit der Start-up-Szene und Investoren verbandelt“, sagte er. Das Berlin der Zukunft dürfe nicht das Image „arm, aber sexy“ behalten.

Die innovativen Ideen werden zunächst auf der offenen Internetplattform www.innovationconsensus.de gesammelt, sortiert und ausgewertet. Dafür ist das Berliner Consultingunternehmen Ignore Gravity zuständig. Deren Mitgründer Jonathan Imme wird die Beiträge der Ideengeber moderieren und den Innovationsgipfel vorbereiten.