Investitionsbank

Berlin bleibt Deutschlands aktivste Gründermetropole

Die Beteiligungstochter der IBB investiert zwölf Millionen Euro in 47 Start-ups. Die Summe ist zwar niedrig, doch die Bank ist damit in absoluten Zahlen aktivster Venture Capitalist in Deutschland.

Foto: Jürgen Stüber

Zwölf Millionen Euro hat die Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin (IBB) 2012 in Start-ups investiert. Davon waren 13 Erstinvestments und 34 Finanzierungsrunden, bei denen zusammen mit anderen Kapitalgebern eine Investitionssumme von 63 Millionen Euro generiert wurde. Auch das Jahr 2013 sei gut angelaufen, sagte Marco Zeller, Geschäftsführer der IBB Beteiligungsgesellschaft bei der Präsentation des Jahresberichts. Bislang habe die IBB in 21 Finanzierungsrunden sieben Millionen Euro investiert – überwiegend Folgefinanzierungen.

Die IBB Beteiligungsgesellschaft hat zwei Fonds, den mit 52 Millionen Euro dotierten Technologiefonds und den Kreativfonds mit 30 Millionen Euro. Diese Volumina sollen auf 100 Millionen Euro aufgestockt werden, sagte IBB-Vorstandsvorsitzender Ulrich Kissing.

„Was tut man lieber, als Positives zu verkünden“, sagte die Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer. „Berlin bleibt Gründungsmetropole. 10.000 neue Unternehmen gibt es seit Jahresbeginn“, sagte die Senatorin. Berlin könne auf die größte Gründungsdynamik unter allen Bundesländen verweisen. Und das liege mit am breiten Spektrum an Förderinstrumenten. „In der Zahl der Investments ist Berlin gleichauf mit Bayern“, sagte Geschäftsführer Marco Zeller. Auf diese Länder entfallen jeweils 22 Prozent aller Investments in Deutschland.

Aktivster Venture Capitalist in Deutschland

„Trotz der Beschränkung auf Berlin ist die IBB durch die Anzahl seiner Investments der aktivste Venture Capitalist in Deutschland“, sagte Ulrich Kissing. Seit 1997 hat die IBB Beteiligungsgesellschaft 116 Millionen Euro investiert, was gemeinsam mit Dritten zu Investments in Höhe von 850 Millionen Euro für 152 Unternehmen führte.

Die IBB Beteiligungsgesellschaft verstehe sich mehr als Förder- denn als Investitionsbank, sagte Ulrich Kissing. So sieht es auch die Wirtschaftssenatorin: „Große Tickets können nicht Aufgabe der öffentlichen Hand sein“, meinte sie. „Berlin braucht das Privatkapital, sagte Kissing. Auch wenn sein Haus nur vergleichsweise kleine Beträge investiere, sei dessen Expertise bei den internationalen Kapitalgebern gefragt.

69 junge Unternehmen im Portfolio

Das Portfolio der IBB Beteiligungsgesellschaft umfasst 69 Unternehmen, die im Jahr 2012 einen Umsatz von 164 Millionen Euro erzielten und 1700 Mitarbeiter beschäftigten. Davon entfallen 27 Prozent auf Informations- und Kommunikationstechnik, 19 Prozent auf Life Sciences, 16 Prozent auf Technologie und 38 Prozent auf die Kreativ-Industrie.

Als Portfoliounternehmer hatte die IBB Beteiligungsgesellschaft die Gründer der Berliner Start-ups Babbel und Outfittery zur Präsentation ihres Jahresberichts eingeladen. Markus Witte, der 2007 die Sprachlernplattform Babbel gründete, zeigte eine exponentiell ansteigende Wachstumskurve. Seine App wurde zehn Millionen Mal heruntergeladen. Die Plattform hat neun Millionen aktive Nutzer.

Zehn Millionen Euro in zweiter Finanzierungsrunde

Babbel bietet Online-Sprachkurse in 13 Sprachen an. Das Unternehmen schloss kürzlich unter IBB-Beteiligung eine Finanzierungsrunde über zehn Millionen Euro ab. Der Babbel-Gründer lobte die Zusammenarbeit mit der IBB Beteiligungsgesellschaft. „Was ein Unternehmer nicht braucht, ist ein Investor, der ständig reinregiert und bei kleinsten Erschütterungen Panik kriegt. Wichtig ist ein echter Partner, dass man nicht den Eindruck hat betteln zu gehen“, sagte Witte.

Julia Bösch, Gründerin des Shoppingdienstes Outfittery für Männer, berichtete von 50.000 Kunden, die ihr Unternehmen in einem Jahr gewonnen habe. Outfittery hat Ende Januar 2013 seine erste Finanzierungsrunde in Höhe eines mittleren siebenstelligen Betrags abgeschlossen. Lead-Investoren dabei waren Mangrove Capital und RI Digital Ventures.

Senat will Anforderungen vereinfachen

Die Wirtschaftssenatorin kündigte an, trotz aller Erfolge die Programmstrukturen neu zu justieren und zur nächsten Runde des EU-Förderprogramms Efre 2014 die bürokratischen Anforderungen zu vereinfachen. Hier scheint Berlin trotz häufiger Kritik relativ weit zu sein. „Es ist einfacher, einen indischen Programmierer nach Berlin zu holen als ins Silicon Valley“, sagte Julia Bösch.