Crowdinvestments

Bei 5cups mischt jeder Kunde seinen individuellen Tee

Im Online-Shop „5cups and some sugar“ mischt jeder Kunde seinen individuellen Tee. Diese Idee begeistert nicht nur Freunde des belebenden Getränks, sondern auch Investoren aus der Internetcrowd.

Foto: 5cups

Sie wollen Tee zum individuellen Erlebnis machen: Die fünf Gründer des Berliner Start-up „5cups and some sugar“ bieten 50 verschiedenen Zutaten an, aus denen sie nach Kundenwünschen das Produkt in ihrer Manufaktur mischen, in ihrem Online-Shop verkaufen und in personalisierten Verpackungen liefern.

Sie suchen Kapital und sind zur Zeit auf der Crowdinvestment-Plattform Companisto erfolgreich: Innerhalb einer Woche haben 450 Mikroinvestoren 181.000 Euro in das Unternehmen investiert. 5cups strebt eine Summe von 300.000 Euro an und hat noch drei Wochen Zeit, um dieses Ziel zu erreichen.

Die Idee des Crowdinvesting stammt aus den USA, machte mit Erfolgen Schlagzeilen und schwappte im Jahr 2011 nach Europa herüber. Plattformen wie Seedmatch und später auch Companisto entdeckten Mikro-Investments als Geschäftsmodell.

Crowdinvesting ist in Mode gekommen

Kapitalanleger, die ihr Geld nicht mehr zur Stadtsparkasse tragen wollten, griffen nach diesen Angeboten und halfen den Plattformen für Schwarminvestoren zum Durchbruch. Crowdinvesting ist in Mode gekommen. Die Geldgeber sehen sich nicht nur als Kapitalanleger, sondern auch gerne als Philanthropen: tun etwas Gutes, fördern Innovation und schaffen Arbeitsplätze.

Für Start-ups bietet Crowdinvesting die Chance, Kapital zu sammeln, wenn Banken das Risiko eines Kredits scheuen oder herkömmliche Wagniskapitalgeber nicht zur Verfügung stehen.

Investment als Katalysator für Unternehmen

So auch im Fall von 5cups: „Crowdinvesting ist ein Super-Katalysator für unser Unternehmen“, sagt Patrick Ulmer, der Chef des monatlich um einige hundert Kunden wachsenden Projekts. Mehr als 1500 Kunden hat das junge Unternehmen bereits. „Bei unserem Geschäftsmodell des individuellen Tees ist es nur konsequent, den Kunden auch an dem Unternehmen zu beteiligen.“

Seit 2008 ist Ulmer im Teegeschäft unterwegs. 2011 haben er und seine Mitgründer die Geschäftsidee überarbeitet. „Unsere Kunden sollen Tee neu entdecken“, sagt er. Auf der Website des Online-Teeladens wählen Kunden die Zutaten (Tee, Kräuter, Früchte, Büten) aus. Ferner können sie Aromen und Gewürze hinzufügen. Sie legen mit einigen Klicks das Mischungsverhältnis fest und senden die Bestellung ab. 100 Gramm kosten 7,50 Euro.

Gründer wollen Tee zum Trendgetränk machen

Das Cuvée wird in der Manufaktur hergestellt und auf Wunsch in individuell gestaltete Tüten verpackt. „Damit können wir auch Firmenkunden eigene Produkte anbieten“, sagt Ulmer.

Der Gründer glaubt, dass Tee das nächste Modegetränk wird, wie in den vergangenen Jahren der Kaffee. „Starbucks und auch Nestlé sind auf diesem Markt aktiv“, sagt der Gründer. Starbucks hatte Ende 2012 die Teekette Teavana für 620 Millionen US-Dollar erworben.

25 Millionen Teetrinker in Deutschland

„In Deutschland werden mit Tee jährlich 2,7 Milliarden Euro umgesetzt, davon 110 Millionen im Onlinehandel, der jährlich um 20 Prozent wächst“, zitiert Ulmer aus seinem Businessplan. 25 Millionen Menschen in Deutschland trinken regelmäßig Tee.

Er erwartet für das Jahr 2015 schwarze Zahlen bei einem Umsatzziel von 2,5 Millionen Euro. „Dazu ist nur ein Marktanteil von zwei Prozent erforderlich“, rechnet Ulmer vor, der das Potenzial des Unternehmens aber bei einem Marktanteil von fünf Prozent sieht.

Neue Produkte und Designverpackungen

Mikroinvestoren sollen dem Start-up nun beim Wachstum helfen. „Wir müssen unsere Produktionskapazitäten erweitern. Dann wollen wir neue Produkte und neue Verpackungen entwickeln“, blickt Ulmer in die Zukunft.

Companisto ging im Juni 2012 an den Start. Dort haben 6000 Investoren bislang insgesamt 1,5 Millionen Euro in 14 Start-ups investiert. Die Plattform finanziert sich über Provisionen: Neun Prozent der Investitionssumme müssen die Start-ups an die Sammelplattform zahlen.

Branche mit zweistelligen Wachstumsraten

Auch Seedmatch ist – neben Companisto und einigen anderen Anbietern – seit August 2011 auf dem Markt und mit mehr als 15.000 Nutzern der Marktführer unter den Crowdinvesting-Angeboten in Deutschland. Die Plattform verzeichnete im ersten Quartal 2013 zweistellige Wachstumsraten: plus 31 Prozent bei den Investoren, plus 38 Prozent bei den Investments, plus 43 Prozent beim investierten Kapital.

Bei Seedmatch läuft unter anderem eine Investitionsrunde für die Berliner Solarmodul-Plattform Changers. 95.000 Euro wurden eingesammelt, 250.000 Euro sind angepeilt. Das Investment der Lernspielzeug-Plattform Tollabox der Serienerfinder Béa und Oliver Beste wurde gerade abgeschlossen. Die Resonanz von Investoren auf die Tollabox-Kampagne war so groß, dass die Investitionssumme in zwei Schritten auf 600.000 Euro verdoppelt wurde.

Es sind vor allem Kleinanleger, die Renditechancen im Crowdinvesting sehen: Mehr als drei Viertel der Seedmatch-Investments waren kleiner als 500 Euro. Die Investitionssumme der Plattform insgesamt beläuft sich auf 6,9 Millionen Euro. Insgesamt wurden 42 Finanzierungsrunden (Stand: Juni 2013) erfolgreich abgeschlossen.

Provisionen für Investmentgesellschaften

Auch die Plattform Seedmatch finanziert sich durch Provisionen: Nach einem erfolgreichen Crowdinvesting zahlt das Start-up der Funding-Plattform fünf bis zehn Prozent der generierten Summe.

Investoren können bei Seedmatch mit einem Mindestbetrag von 250 Euro einsteigen (bei Companisto fünf Euro), gewähren dem Start-up ein Nachrangdarlehen, das an den Unternehmenswert gekoppelt ist, und werden Anteilseigner. Damit profitieren die Anleger vom wirtschaftlichen Erfolg des Start-ups: von Wertsteigerungen und Exit-Erlösen.

Ausfallrisiken nicht unterschätzen

Ist das Start-up erfolgreich und verfünffacht seinen Unternehmenswert, kann der Mikroinvestor nach Ablauf der Mindestlaufzeit (fünf bis sieben Jahre bei Seedmatch, acht Jahre bei Companisto) den fünffachen Einsatz erhalten.

Allerdings gibt es auch Ausfallrisiken: Scheitert das Start-up, ist das Investment verloren. Ferner sind Crowdinvesting-Plattformen von der Prospektpflicht ausgenommen, die für Finanzmarktinstrumente über 100.000 Euro gilt. Im Wertpapierprospekt muss auf Risiken des Investments hingewiesen werden.

Um die aufwändige Prospektpflicht zu umgehen, investieren Crowdinvestmentfirmen seit Anfang 2013 über Nachrangdarlehen und nicht mehr über stille Beteiligungen. Denn Nachrangdarlehen gelten, wie es bei Companisto heißt, nicht als Finanzmarktinstrumente.