Start-ups

Berliner Förderbank IBB wird ihr Geld nicht los

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Hans Evert

Foto: Christian Hahn

Berlin ist Deutschlands Start-up-Hauptstadt. Die Investitionsbank hat 2012 für Gründungsförderung allerdings 85 Millionen Euro weniger ausgegeben als im Vorjahr. Ein Grund: Die neue Konkurrenz.

Neue Unternehmen, möglichst die Champions der Zukunft soll die Investitionsbank Berlin (IBB) anschieben. Dafür hat das landeseigene Institut viele zinsgünstige Darlehensprogramme. Doch offenbar brauchen in Deutschlands Gründerhauptstadt immer weniger Unternehmen die Angebote der IBB. Im vergangenen Jahr vergab die IBB unter dem Strich weniger Geld an Gründer als 2011.

Rechnet man alle Förderprogramme zusammen, dann sank die Summe aller vergebenen Förderkredite von 424 Millionen Euro auf aktuell 339 Millionen Euro. „Das liegt sicherlich an der eher verhaltenen Konjunktur und daran, dass alle Banken die Mittelstandsförderung für sich entdeckt haben“, sagte IBB-Vorstandschef Ulrich Kissing. Auch das Gründungsgeschehen insgesamt sei rückläufig.

Deutsche Bank und Commerzbank buhlen um Berliner Mittelstand

Entscheidend dürfte jedoch die Konkurrenz der anderen Banken sein. Vergangene Woche hatte schon die Bürgschaftsbank Berlin davon berichtet, dass die Nachfrage zurück ginge. Das liegt nicht zuletzt am niedrigen Zinsniveau und daran, dass selbst große Institute wie die Deutsche Bank und die Commerzbank verstärkt um Mittelstandskunden buhlen.

Hinzu kommt noch ein Konkurrent, den landeseigene Förderbanken wie die IBB besonders beargwöhnen: die bundeseigene Förderbank KfW. Diese buhlt ebenfalls mit Programmen um Gründer und schnappt IBB und Co. Kunden weg.

IBB vergibt mehr Kredite im Wohnungsbau

Kissing räumte den Rückgang beim Fördergeschäft ein, obwohl auf den ersten Blick die IBB-Zahlen zur Wirtschaftsförderung etwas ganz anderes aussagen. Der Grund dafür ist jedoch recht simpel. Da die IBB dem Land den Rückkauf der RWE-Anteile in Höhe von 700 Millionen Euro an den Wasserbetrieben finanziert, schnellten die Fördermittel in die Höhe. Rechnet man das Geschäft heraus, ergibt sich jedoch jenes realistische Bild für die Gründungsfinanzierung.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich bei der Immobilienfinanzierung. Hier konnte die IBB wesentlich mehr Kreditverträge abschließen und insgesamt höhere Summen vergeben als 2011: von 727,3 Millionen stieg das Volumen auf 908,8 Millionen Euro. Gerade in diesem Feld, könnte es bald noch mehr Geschäft für die IBB geben. Derzeit stapeln sich schon fast die Positionspapiere zur Wiederbelebung des öffentlichen Wohnungsbaus.

Mehr Wohnungsbau in Berlin erwartet

Allen Unterschieden im Detail zum Trotz kann man davon ausgehen, dass es in den nächsten Jahren wieder mehr geförderten Wohnungsbau geben wird. Wie und mit welchen Programmen die IBB dies unterstützt, steht aber noch nicht fest. „Wir sind da ausführendes Organ der Politik“, sagte Kissing. Allerdings würde man durchaus Rat geben, wie der Wohnungsbau angekurbelt werden kann „und welche Fehler der Vergangenheit man besser vermeidet“.

Steigende Mieten und anhaltender Zuzug haben in den vergangenen Jahren für eine Verknappung des Wohnraums in der Stadt gesorgt. „Der Druck auf die Mieten wird bleiben“, sagte Kissing.

Investitionsbank Berlin mit 39,4 Millionen Euro Gewinn

Unter dem Strich erwirtschaftete die IBB in vergangenen Jahr einen Gewinn von 39,4 Millionen Euro. Auch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres läuft es Kissing zufolge gut. Bis Ende März erwirtschaftete die IBB demnach einen Überschuss von 12,9 Millionen Euro.

Zudem verringerte die Bank ihren Bestand an riskanten Papieren im sogenannten Treasury. Dies ist jener Teil der Bank, wo das Institut für seine eigene Refinanzierung Finanzmarktgeschäfte betreibt. Anleihen aus Griechenland, Irland und Portugal habe man nun nicht mehr im Bestand sagte Kissing. Die Lasten des Portfolios seien fast komplett abgebaut.