Wagnisfinanzierer

Partech baut in Berlin einen Brückenkopf für neue Märkte

Der US-Risikokapitalgeber hat mit seinen Investitionen bei Brands4Friends und Qype viel Geld verdient. Jetzt sucht Partner Gabriel Matuschka neue Start-ups in Berlin und Osteuropa.

Foto: Jürgen Stüber / Jürgen Stüber

Das Büro an der Gipsstraße in Mitte ist noch weitgehend leer: Drei Schreibtische und zwei Stühle stehen auf dem grau lackierten Fußboden. Beim Sprechen hallt die Stimme wie in einer Kathedrale. Telefon gibt es – und Internet, sonst nichts. Doch das sind die wichtigsten Werkzeuge für Gabriel Matuschka.

Für Matuschka ist dieses Büro der Brückenkopf zu neuen Märkten: vor allem Berlin, aber auch Skandinavien und Osteuropa. Matuschka ist Investor und arbeitet für das Unternehmen „Partech International“. Es stammt aus dem Silicon Valley und gehört zu den führenden Investoren der Internetbranche.

Partech investiert seit 1982 in junge Internet-Unternehmen. Gründer können Seed-Investments zwischen 250.000 und einer Million Euro erhalten, in späteren Runden sind Beträge zwischen einer und zehn Millionen Euro möglich. Mittlerweile hat Partech sechs Fondsgenerationen aufgelegt.

„Wir haben immer schon in Berlin investiert“, sagt Gabriel Matuschka und nennt den erfolgreichen Shopping-Club „Brands4Friends“ als Beispiel. Das Unternehmen mit inzwischen 200 Mitarbeiteren gehört zu den ersten großen Online-Handelsplattformen, wurde im September 2007 gegründet. Fünf Millionen Kunden (70 Prozent Frauen) kaufen dort in zeitlich befristeten Aktionen Mode ein. Monatlich gibt es 150 solcher Aktionen, die jeweils zwei bis drei Tage laufen.

Start-ups, die international Wertschätzung genießen

Ein lohnendes Investment für Partech: Ende 2010 wurde die Marke für 150 Millionen Euro an eBay verkauft. Das war nicht der einzige Erfolg in Deutschland: Im vergangenen Jahr wurde die in Hamburg ansässige Bewertungsplattform Qype – ebenfalls ein Partech-Investment – vom US-Unternehmen Yelp geschluckt. Angeblich flossen bei dem Deal 50 Millionen Dollar (38 Millionen Euro). Offizielle Zahlen gibt es nicht.

Auch in „Smeet“ investiert Partech. Diese Plattform aus Kreuzberg bietet browserbasierte soziale Spiele in 3D-Animation. Nutzer schlüpfen in die Rollen von Avataren, um miteinander zu chatten. Mit 16 Millionen Nutzern gilt Smeet als die führende Social-Gaming-Applikation in Europa. Dieses Investment läuft noch.

„Die Arbeit ist leichter, wenn man vor Ort ist“, sagt Matuschka. „Man kann sich mit Gründern treffen und über ihre Projekte reden.“ Und was hält er von Berlin? „Die können zwar keine Flughäfen bauen. Sie haben aber gute Firmen, die international Wertschätzung genießen.“

Das erfolgreiche Dutzend unter den 1000 Start-ups

Berlin sei ein Drehkreuz, und das biete die spannende Chance, sich zur Venture-Stadt zu entwickeln. Doch davon ist Berlin noch weit entfernt. „Das Silicon Valley hat eine Erfolgsgeschichte in höherer Dichte“, sagt Matuschka. Diese Erfolge von Internetfirmen führen zu einem Sog.

Berlin brauche einen solchen Erfolg, sagt er. Einige Internet-Unternehmen in der Stadt hätten das Potenzial dazu. Ob das unbedingt der von der Start-up-Branche erhoffte Börsengang (IPO) eines Unternehmens wie des Online-Schuhhändlers Zalando sein müss,e darauf will sich Matuschka nicht festlegen. „Unternehmen können auch ohne IPO erfolgreich sein“, sagt er. Zudem sei der Aufwand für einen Börsengang hoch, wie man im Fall der Rabattplattform Groupon gesehen habe.

Der Kampf um den Startbildschirm

Um das zu verdeutlichen, greift Matuschka zu seinem Smartphone. Auf der Startseite ist Platz für die Symbole von 16 Apps. „1000 Start-ups wollen auf diesen Homescreen“, sagt er. Doch dort ist nur Platz für ein Dutzend, wenn man die Plätze für Apps abzieht, an denen eh niemand mehr vorbeikommt wie Facebook, Twitter und Google. Unternehmen, die es auf die Homescreens möglichst vieler Nutzer schaffen, werden erfolgreicher als die Masse sein. „Es geht für sie darum, Aufmerksamkeit zu erzielen und die Kunden dauerhaft zu binden. Das ist die größte Schlacht, die Start-ups gewinnen müssen.“

Die Start-ups aus der Masse herauszufiltern, die das Homescreen-Potenzial haben, macht die Arbeit eines Venture Capitalist aus. „Für jeden Deal sehen wir uns aus einem Angebot von vielen Tausend Start-ups 150 bis 200 ernsthaft an“, sagt er. Es komme darauf an, das eine Unternehmen zu herauszufiltern, das die höchsten Potenziale hat, und in der Lage ist, die Strukturen seines Marktsegments zu verändern und Gatekeeper obsolet zu machen. Solche Start-ups sind es, die dem Nutzer mehr Lebensqualität im Internet bieten – insbesondere im mobilen Web.