Beim letzten Mal, es war im „Ritz-Carlton“, waren Luxus und Komfort kaum zu überbieten. Da durfte der Präsident anhand eins „Kissen-Menüs“ wählen, worauf er sein Haupt betten wollte. Kirschkissen? Duftkissen mit Baldrian oder Minze? Oder doch lieber ein Rosshaarkissen? Darüber erstrahlte ein Swarovski-Kristallleuchter und auf dem Bett lag eine goldene Decke.
Wo Barack Obama dieses Mal nächtigt, ist noch nicht offiziell bestätigt, aber es wird Berichten zufolge wohl das "Adlon" werden. Darauf deutet auch hin, dass das Umfeld um die Unterkunft ab Mittwoch zur Sperrzone wird. Von morgens um 7 Uhr bis Freitag, 14 Uhr, betroffen sind Regierungsviertel, Pariser Platz und der westliche Teil von Unter den Linden.

Nur Anwohner kommen gegen Vorlage ihres Personalausweises durch. Sie wurden angewiesen, Fenster und Türen möglichst geschlossen zu halten, ihre Balkone nicht zu betreten und innerhalb des gesperrten Bereiches keine Fahrräder oder andere Gegenstände wie Kleidercontainer oder Müllbehälter abzustellen.
Wer sich nicht daran hält, dem droht die „kostenpflichtige Entfernung zu Lasten des Verursachers“. Etwaige Bedenken, der auf Touristen angewiesene Einzelhandel könnte durch die Sperrung benachteiligt werden, zerstreut Handelsverband-Geschäftsführer Nils Busch-Petersen: „Ein Obama-Besuch ist das beste Marketing für Berlin.“
Behinderungen auch im Rest der Stadt
Auch der Rest der Stadt muss sich auf Behinderungen einstellen. Bereits ab Mittwochmorgen, 1 Uhr, ist der S-Bahnhof Brandenburger Tor gesperrt. Die Züge passieren ohne Halt. Auch die U-Bahnlinie 55 (Hauptbahnhof–Unter den Linden) wird voraussichtlich nicht fahren. Zu weiteren Einschränkungen, etwa im Busverkehr, wollten sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Montag noch nicht äußern.
Bereits am Dienstag beginnen am Flughafen Tegel, wo Obama landet, „erweiterte Absicherungsmaßnahmen“. Fluggäste werden gebeten, Verzögerungen bei der Abfertigung einzuplanen und rechtzeitig anzureisen.
Es ist der dritte Besuchs Obamas in Berlin, sein letzter als US-Staatsoberhaupt und der erste ohne Begleitung seiner Familie. Den umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen tut das keinen Abbruch. Das meiste ist wie immer streng geheim. Wenn Obama kommt, gilt die höchste Sicherheitsstufe, die sonst etwa nur dem Amtskollegen aus Israel oder dem Papst zuteil wird.
Secret Service schon seit Tagen in der Stadt
Rund 1000 Kräfte von Berliner und Bundespolizei sind im Einsatz. Sie werden von Kollegen aus anderen Bundesländern unterstützt. Bereits seit Tagen sind die Beamten des United States Secret Service in der Stadt und treffen Vorbereitungen.
Nichts wird dem Zufall überlassen. So wäre das Adlon nicht die einzige Übernachtungsmöglichkeit. Hinweisen zufolge plant die Brandenburger Polizei größere Sicherheitsmaßnahmen am Gästehaus der Bundesregierung in Schloss Meseberg, 70 Kilometer nördlich von Berlin. Nach Obamas Ankunft wird eine Eskorte aus mehreren Dutzend Fahrzeugen in die Innenstadt rollen. In welchem der Präsident sitzt, ist natürlich geheim, ebenso die Route.
Innerhalb der Sicherheitszone werden Scharfschützen auf Dächern postiert und Gullideckel zugeschweißt. Das Bundesverkehrsministerium hat ein „Flugbeschränkungsgebiet“ eingerichtet. Es gilt für einen Umkreis von 55 Kilometern und einer Höhe von 3000 Metern. Privatmaschinen mit Sichtflug, Segelflugzeuge, Drohnen und Modellflieger müssen am Boden bleiben.
Termin für öffentlichen Auftritt noch nicht bekannt
Bislang unklar ist, ob und wann die Öffentlichkeit den US-Präsidenten zu Gesicht bekommt. Im Wahlkampf 2008 pilgerten mehr als 200.000 Menschen zur Siegessäule, um Obama zu erleben, es war die einzige öffentliche Rede seiner Welt-Tournee. Fünf Jahre später waren es dann nur ein paar Tausend geladene Gäste, die Obama in sengender Hitze auf dem Pariser Platz empfing. Für den jetzigen Besuch hält das Protokoll vor allem am Donnerstagmittag eine Lücke bereit, in der Zeit für einen Auftritt wäre.
Fest steht: Die Air Force One landet am Mittwochabend gegen 18 Uhr, aus Athen kommend, auf dem militärischen Teil von Tegel. Tags darauf trifft Obama Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt zum Gespräch, zunächst unter vier Augen, dann im erweiterten Kreis. Am Freitag um 10 Uhr kommt es zu Gesprächen mit den Regierungschefs von Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Am Mittag reist Obama dann Richtung Asien-Pazifik-Gipfel in Peru ab.
Manche nutzen den Besuch des mächtigsten Manns der Welt auch für Protestaktionen. Eine Gruppe Demonstranten will auf dem Washingtonplatz die Begnadigung des indianischen Aktivisten Leonard Peltier fordern, der wegen Mordes zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt wurde. Rund 50 Teilnehmer haben sich angemeldet. Wenig, verglichen mit dem Ansturm, der Berlin wohl erwartet, wenn Obamas Nachfolger in der Stadt gastiert. Ein Termin für Donald Trumps ersten Besuch steht aber noch nicht fest.


