Die Landebahnen flimmern von der Hitze des Tages. Auf dem Dach des Parkhauses vom Einkaufszentrum „Clou“ am Kurt-Schumacher-Platz stehen die „Planespotter“, die hier scharenweise mit langen Teleobjektiven nach interessanten Flugzeugen Ausschau halten. Hier ist ihr Lieblingsplatz. Von hier aus sind die Flugzeuge, die in Tegel landen oder starten, besonders gut zu sehen.
Der Biergarten auf dem Parkdeck hat auch an diesem Dienstag bis 21 Uhr geöffnet. Das reicht, um die Ankunft der „Air Force One“ mit US-Präsident Barack Obama zu erleben. „Nur wenn der Andrang zu groß ist, kann es sein, dass die Polizei das Parkdeck schließt“, sagt Inhaber Heinz Dulk. Allzu viel sehen werde man von der Präsidentenmaschine jedoch diesmal wohl nicht. „Es ist Ostwind, die Maschinen landen also von Westen, aus Richtung Spandau.“
Das Parkdeck liegt auf der südöstlichen Seite. Beim Besuch von George W. Bush vor einigen Jahren sei das anders gewesen. „Ein toller Blick auf die Maschine“, sagt Dulk. Dennoch werde man auch diesmal sehen, wie groß die „Air Force One“ sei. „Die Tragflächen ragen über die Landebahn hinaus.“ Im Biergarten sitzt schon am Nachmittag eine fröhliche Runde bei Berliner Weiße rund um ein großes Fernglas. Stephanie, Yvonne, Ralf und Heike sind oft hier zum Flugzeugegucken. Den amerikanischen Präsidenten aber werden sie verpassen: „Obama kommt für uns zu spät, wir müssen um vier wieder raus zur Arbeit.“
Suche nach dem besten Ort
Das Einkaufszentrum ist nicht der einzige Ort, an dem sich die Planespotter versammelt haben. 20 Neugierige stehen an der Böschung der Auffahrt zur A 111. Die ersten haben Obamas Autokolonne schon gesehen – ohne ihn, natürlich. Eine lange Kolonne schwarzer Limousinen sei vor etwa einer halben Stunde am inoffiziellen Planespotter-Platz an der Zufahrt zur A111 vorbeigerauscht, sagt einer der etwa 20 Neugierigen, die sich auf der Böschung versammelt haben. Etwas weiter richtet ein Herr mit Fernglas, großer Wasserflasche und Sonnenkappe den Blick in die Ferne, wo am militärischen Teil des Flughafens große Transportmaschinen zu erkennen sind.
Hinter den Flugzeugfans beziehen mehrere Polizeiwagen Position. Auch auf den umliegenden Hausdächern stehen uniformierte Polizisten. Der Bereich werde demnächst abgesperrt, sagt ein Polizist. Die Planespotter überlegen, ob sie in Spandau eine bessere Chance haben werden, die Präsidentenmaschine zu sehen. Nicht nur wegen der Absperrungen, sondern auch wegen des Gegenlichts. Von hier aus betrachtet wird der amerikanische Präsident direkt aus der Sonne kommen.
Räumung an der Autobahn
Und schon um 18.15 Uhr zeigt sich, dass die Autobahnauffahrt nicht der beste Platz war. Die Planespotter an der A 111 werden freundlich gebeten, den Ort zu räumen. Am Kurt-Schumacher-Damm und in den Seitenstraßen steht jetzt Polizei.
Auf dem Parkplatz der Ausstellung „Alliierte in Berlin“, die auf dem südwestlichen Zipfel des Flughafengeländes am Kurt-Schumacher-Damm liegt, steigen vier Flugzeugfans aus einem Auto. Auch sie sind auf der Suche nach dem besten Blick auf Obamas Maschine. Vom Rollfeld startet in diesem Moment donnernd ein weißes Flugzeug mit den deutschen Farben. „Könnte Merkels Maschine gewesen sein", mutmaßen die Männer. Sie seien selbst Flieger, erzählen sie, Hobbypiloten. „Aber heute war der Luftraum um Berlin für uns gesperrt, also dachten wir uns, wir gucken uns Obamas Landung an.“
Einer der besten Plätze, um die Präsidenten-Maschine zu sehen, ist aber der Aussichtsturm am Flughafen. Hanno Knors weiß das – er ist selbst Pilot bei Germania: „Mir geht's nicht um Obama, sondern nur um seinen Flieger“, sagt er. „Die ‚Air Force One‘ ist für mich der Flieger auf der Welt, den man einmal in seinen Leben gesehen haben sollte. Es ist der schönste Jumbo der Welt.“ Knors ist gerade eben erst gekommen und dachte, er könne auf die Terrasse. Jetzt schwitzt auch er im Aussichtsturm. „Die Piloten, die Obama fliegen, sind wohl die besten, die es in den USA gibt.“ Auch Julian Herrmann, 13, ist wegen der „Air Force One“ hierhergekommen: „ich bin sowieso Planespotter, aber die ,Air Force One’ ist so wunderschön, allein die Lackierung!“
Gedränge am Fenster des Terminals
Mehr und mehr Schaulustige versammeln sich inzwischen auch am Sichtgitter von Terminal B und im Durchgang zu Terminal C immer mehr Menschen, die aufs Rollfeld schauen. Teils sind es Reisende, die vorm Abflug nur noch mal an die frische Luft wollten, und dann erfahren haben, dass gleich Obama gleich kommt. Andere sind extra zum Flughafen gefahren. Schon um 19.30 Uhr, knapp eine Stunde vor der geplanten Ankunft, sind die Fensterplätze belegt.
Dann landet Obama. Als die „Air Force One“ um 20.20 Uhr auf der Landebahn 08L aufsetzt, bleibt alles still, alle konzentrieren sich auf den Blick auf die Maschine. Und nachdem die Planespotter ihren kurzen Moment des Glücks hatten, werden die Autofahrer in Reinickendorf zu Carspottern. Die Straßen sind gesperrt, als Obamas Konvoi den Flughafen verlässt. Die Menschen warten, sie stehen vor ihren Autos und den Linienbussen, die die Türen geöffnet haben. Dann der fast erlösende Ruf: Da ist er! Sobald der Konvoi vorbei ist, beginnt der Alltag wieder.
uk/ur




