Cité Guynemer

Obama in Berlin - Mülltonnenverbot in Tegel

Wenn Staatsgäste auf dem Weg vom Flughafen Tegel in die Innenstadt durch die Siedlung Cité Guynemer kommen, steht der Alltag still. Dieses Mal werden die Straßen für 24 Stunden zum Sicherheitsbereich.

Foto: Massimo Rodari

Die Anwohner der beschaulichen Siedlung Cité Guynemer haben schon Routine entwickelt, wenn wieder einmal ein staatstragender Gast an ihren gestutzten Hecken vorbeifährt. Rund 24 Stunden bevor die Polizei das Areal direkt am Militärflughafen in Tegel in eine Hochsicherheitszone verwandelt haben wird – am heutigen Dienstag ab zwölf Uhr gilt höchste Sicherheitsstufe – steht Peter Kühn am Zaun zu seinem Garten.

„Wir haben hier mehrere Dutzend Staatsgäste im Jahr, die auf dem Flughafen landen und den Weg durch unsere Siedlung nehmen“, sagt der Heilpraktiker. Einige Meter entfernt von dem 56-Jährigen befindet sich die Zufahrt zum Militärflughafen, ein grüner Zaun mit Schranke, Warnungen. „Vorsicht Schusswaffengebrauch“, steht auf einem Schild.

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Auf dem Regierungsflughafen landen regelmäßig Staatsgäste und Mitglieder der Bundesregierung. In Limousinenkolonnen fährt auch Kanzlerin Merkel an dem Haus von Peter Kühn vorbei. „Im Regelfall dauern die Absperrungen für Staatsgäste nicht länger als zehn Minuten“, sagt Peter Kühn.

Der Besuch des US-Staatschefs ist ein ganz besonderer Fall

Doch ein Regelfall, sagt Kühne, sei der Obama-Besuch keinesfalls: Am Dienstag zwischen zwölf Uhr bis Mitternacht und am Mittwoch von 15 bis 0 Uhr gelten die Sicherheitsvorkehrungen, die an einigen Haustüren der Siedlung als Zettel hängen.

Alle Fenster mit Blick auf den Flughafen sollen geschlossen bleiben, die Anwohner dürfen Mülltonen an den zwei Tagen nicht näher als 30 Meter an die Zufahrtsstraße stellen, der Personalausweis soll stets griffbereit sein. „Außerdem habe ich gehört, dass wir nicht an die Fenster gehen sollen“, sagt der Heilpraktiker.

Die Schulungen, die er sonst halten würde, habe er für die zwei Tage abgesagt. „Das ist nicht schlimm. Aufregend sind die Tage natürlich für die Kindern, von denen es viele hier in der Siedlung gibt. Die finden selbstverständlich vor allem die Air Force One gut.“

Vor Ronald Reagans Besuch holten Sicherheitsbeamte einen Anwohner vom Dach

Direkt angrenzend an die Siedlung, in der früher die Angehörigen der französischen Alliierten wohnten, befindet sich die Kleingartenkolonie „Gartenfreunde“. Werner Nowinski, der eine Parzelle direkt an der Hauptstraße besitzt, erinnert sich noch an den Besuch von Ronald Reagan im Jahr 1987, der ebenfalls vor dem Brandenburger Tor sprach.

„Damals haben die Sicherheitsleute hier alle Lauben durchsucht“, sagt der 66-Jährige. Diesmal seien die Vorkehrungen nicht annährend so aufwendig, zumindest hier in der Kolonie, sagt der Rentner. Als Werner Nowinski im Sommer 1987, erzählt er, das Dach seines kleines Häuschens reparieren wollte – ausgerechnet am Tag des Besuches von Reagan – hätten ihn Sicherheitsbeamte von dem Dach geholt. „Wir werden dieses Mal ganz sicher nicht da rauf steigen“, sagt Nowinski und lacht.