Besuchsprogramm

Obama in Berlin – 26 Stunden im Terminplan des Präsidenten

Die „Air Force One“ ist in Berlin-Tegel gelandet, Familie Obama wohnt nun im Berliner Hotel Ritz-Carlton. Auf dem Programm des Staatsbesuchs stehen nun Gespräche mit Merkel, Gauck, Steinbrück - und eine Rede am Brandenburger Tor. Der enge Terminplan.

Fünf Jahre hat Berlin auf diesen Gast warten müssen – jetzt sind es nur noch wenige Stunden, der Countdown läuft: US-Präsident Barack Obama kommt an diesem Dienstag für insgesamt 26 Stunden zu einem „Arbeitsbesuch“ in die Hauptstadt, erstmals seit seinem Amtsantritt im Januar 2009.

Klar ist schon jetzt: Das zwischen Berlin und Washington abgestimmte Programm für die Blitzvisite der Obamas (First Lady Michelle und die Töchter Malia und Sasha sind mit von der Partie) ist so dicht getaktet, dass das Präsidentenpaar kaum Zeit haben dürfte, um in seiner Suite auf der elften Etage des „Ritz Carlton“ am Potsdamer Platz zu entspannen. Die Berliner Morgenpost nennt alle wichtigen Stationen und Zeiten:

Dienstag, gegen 21 Uhr: Die Obamas landen mit der Präsidentenmaschine „Air Force One“ im militärischen Teil des Flughafens Tegel Nord. Sie kommen direkt aus Nordirland vom G-8-Gipfel nach Deutschland.

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Michelle Obama besucht das Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Mittwoch, 9.45 Uhr: First Lady Michelle Obama besucht im Rahmen des offiziellen Partnerprogramms das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Erst am Freitag hatte eine andere berühmte Amerikanerin das Stelenfeld aufgesucht – die Sängerin Barbra Streisand.

9.50 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck empfängt seinen Gast Barack Obama mit militärischen Ehren am Schloss Bellevue. Obama wird sich in der Galerie im Gästebuch verewigen und sich dann zu einem Gespräch mit Gauck in dessen Amtszimmer zurückziehen. Die beiden haben genau eine Stunde Zeit, bis am Schlossportal wieder Abschied genommen werden muss.

Im Kanzleramt wird es um das Internet-Spähprogramm „Prism“ gehen

10.45 Uhr: Michelle Obama lässt sich von Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer das „Mauer-Panorama“ erklären, das der Künstler Yadegar Asisi am Checkpoint Charlie aufgestellt hat. In der zylindrischen Stahlroute entfaltet sich ein monumentales Panorama des Alltagslebens auf beiden Seiten der Berliner Mauer an einem fiktiven Herbsttag in Kreuzberg in den achtziger Jahren.

11.00 Uhr: Angela Merkel empfängt Barack Obama im Ehrenhof des Kanzleramtes und zieht sich mit ihrem Gast zu einem „bilateralen Gespräch“ im Kleinen Kabinettssaal zurück. Dann bekommt die Regierungschefin die Gelegenheit, auch den Streit über das amerikanische Ausspähprogramm „Prism“ zur Sprache zu bringen, wie sie es vor ihrer Abreise zum G8-Gipfel in Nordirland am Montag ankündigte.

12.00 Uhr: Michelle Obama und Joachim Sauer besuchen die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Die Amerikanerin will sich hier einen Eindruck vom Aufbau der Grenzanlagen zum Ende der achtziger Jahre verschaffen. Sauer kann auch persönlich Erlebtes beisteuern: Der Quantenchemiker wuchs wie seine Frau in der DDR auf.

Beim Mittagessen unter vier Augen halten sich auch die Dolmetscher im Hintergrund

12.30 Uhr: Die Bundeskanzlerin und der US-Präsident treten auf der ersten Etage des Kanzleramts vor die TV-Kameras zu offiziellen „Begegnung mit der Presse“. Danach ziehen sie sich zu einem „Mittagessen unter vier Augen“, wie Steffen Seibert es bezeichnet, zurück. Das heißt: Auch ihre engsten Beraterstäbe müssen draußen bleiben.

Dolmetscher halten sich – wenn überhaupt – nur in der Nähe auf und werden gegebenenfalls mit hinzugezogen. Als Angela Merkel einmal mit Barack Obama in Washington zu Abend dinierte, waren diese Übersetzer allerdings „arbeitslos“: Die Kanzlerin spricht neben Russisch auch Englisch.

13.30 Uhr: Michelle Obama besucht den Reichstag – die Sicherheitsvorkehrungen an dem schon 2010 durch Terrorwarnungen bedrohten Gebäude sind immens, Mitarbeiter sollten immer ihren Ausweis bei sich tragen und erklären können, was sie im Gebäude wollen.

Bei Obamas Rede am Brandenburger Tor sind nur 4000 geladene Gäste zugelassen

15 Uhr: Der Höhepunkt von Barack Obamas Besuch in Berlin – der US-Präsident trifft am Brandenburger Tor ein, um vor voraussichtlich 6000 geladenen Gästen seine mit Spannung erwartete Rede zu halten. Zuvor hält auch die Bundeskanzlerin eine Ansprache.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) spricht ein Grußwort. Zuletzt war Obama als Präsidentschaftskandidat der Demokraten im Juli 2008 an der Siegessäule in Berlin von 200.000 Menschen umjubelt worden.

Aus Sicherheits- und Platzgründen ist die Zuschauerzahl diesmal so viel kleiner. Obamas Berater erwarten eine „sehr eindrucksvolle Veranstaltung“. Der US-Präsident will an dem historischen Platz auf die Geschichte der transatlantischen Allianz eingehen und betonen, dass der gleiche Geist der Zusammenarbeit, den es während des Kalten Krieges gab, nötig ist, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen. Danach hat Obama Gelegenheit, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Am Mittwochnachmittag treffen sich der US-Präsident und SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück

16.15 Uhr: Der US-Präsident trifft sich in der Repräsentanz der Commerzbank mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück – zum Kennenlernen.

18.50 Uhr: Das Ehepaar Obama trifft am Schloss Charlottenburg ein, wo das Ehepaar Merkel-Sauer sie in der Orangerie mit 250 Gästen zum Dinner empfängt. Die Zeit für die Tischreden ist allerdings begrenzt, denn die Amerikaner wollen noch am Abend abreisen.

21.55 Uhr: Abflug in Tegel. Die Obamas verlassen Berlin – sie können in der „Airforce One“ schlafen.