Wenn US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend in Tegel aus der „Air Force One“ steigt, steht unten an der Rollbahn ein Mann zur Begrüßung parat, der in der deutschen Öffentlichkeit eher unbekannt ist – und bei dem alle Fäden dieses Besuchs zusammenlaufen. Es ist Jürgen Mertens (59), der ehemalige deutsche Botschafter in Kolumbien, der seit August 2012 die Protokollabteilung im Auswärtigen Amt leitet – und somit als Zeremonienmeister des Besuchs bezeichnet werden kann.

Der Spitzendiplomat kümmerte sich bereits vor dem Besuch um alle nur erdenklichen Fragen, die rund um das maßgeblich von ihm selbst zusammengestellte Besuchsprogramm des Präsidenten auftauchen können – von den militärischen Ehren über die touristischen Interessen der First Lady bis hin zur Menüfolge beim Abendessen im Schloss Charlottenburg.

Erfahrung beim G-8-Gipfel in Heiligendamm

Nach Obamas Landung in Berlin muss er nun alles daran setzen, dass ein diplomatischer Faux Pas verhindert wird, bis Obama Mittwoch Abend wieder im Fugzeug nach Hause sitzt – natürlich nicht, ohne von Mertens in Tegel verabschiedet zu werden. Im Regierungsviertel weiß man, dass er das alles kann, denn immerhin war Mertens auch Leiter des Organisationsstabes für den G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm, als Bundeskanzlerin Amgela Merkel (CDU) die wichtigsten Staatenlenker der Welt im Strandkorb versammelte.

„Beim Protokoll herrscht eine ganz spezielle Dynamik. Da ist viel Gestaltungskraft gefragt“, sagte Mertens dem „Diplomatischen Magazin“. „Als Leiter führe ich durch Vorbild. Gleichzeitig geht nichts ohne Teamwork. Kein einziger Mitarbeiter darf in Routine erstarren, damit wir auch auf unerwartete Situationen zügig und flexibel reagieren können.“

Mehr als 100 Beamte kümmern sich um Staatsbesuche

Aber die mehr als 100 Beamten seiner Abteilung sind ohnehin im Training, denn natürlich ist der Besuch eines ausländischen Regierungschefs oder Staatsoberhaupts auch Routine. Allein im vergangenen Jahr gab es 64 solcher Termine. Nur drei davon waren allerdings richtig große Staatsbesuche von mehreren Tagen – auf Einladung des Bundespräsidenten, mit großer Eskorte, militärischer Ehrenformation, Kranzniederlegung an der Neuen Wache und feierlichem Staatsbankett. Doch auch der gut 24-stündige Aufenthalt von US-Präsident Barack Obama ist „nur“ ein offizieller Arbeitsbesuch auf Einladung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Mertens war nach seiner Attachéausbildung zunächst von 1983 an in der Botschaft in Kuba im Einsatz. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wirkte er dann als Leiter der Aus- und Fortbildung für den höheren Dienst, Referatsleiter für internationale Konferenzen und schließlich – im Range eines Botschafters – als Leiter des Organisationsstabs für die deutsche EU-Präsidentschaft sowie den G-8-Gipfel.

flk