Berlin und den Berlinern ist es zu verdanken, dass nach dem mörderischen Krieg so schnell aus Feinden Freunde wurden. Der Freiheitswillen der Menschen in den Westsektoren und damit ihre Furchtlosigkeit gegenüber allen kommunistischen Pressionen und Drohungen haben den Meinungswandel der westlichen Siegermächte, allen voran der Amerikaner, gegenüber dem Kriegsverlierer Deutschland beflügelt. Es ist die vom amerikanischen General Lucius D. Clay organisierte Luftbrücke, die zur Wiege der deutsch-amerikanischen Freundschaft wurde. Die Berliner nahmen der Freiheit wegen alle Entbehrungen der sowjetischen Blockade auf sich.

Die Amerikaner waren davon zutiefst beeindruckt und schritten zur rettenden Tat aus der Luft. Daraus entwickelte sich erst in Berlin, dann in allen drei westlichen Besatzungszonen ein Gefühl des Vertrauens und gemeinsamer freiheitlicher Werte. In der geteilten Stadt Berlin inmitten der DDR war das besonders stark zu spüren. Höhepunkte dieser neuen Verbundenheit waren und sind die Besuche amerikanischer Präsidenten in der Stadt. Sechs Präsidenten waren hier. Zwei von ihnen, Ronald Reagan und Bill Clinton, sogar mehrfach.

John F. Kennedy

Sein Besuch am 26. Juni 1963 ist der erste eines US-Präsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin. Und der, der am unvergesslichsten bleibt. Nach der tiefen Enttäuschung über die widerstandslose Hinnahme der Mauer quer durch ihre Stadt zwei Jahre zuvor lechzen die Berliner geradezu nach Versöhnung mit ihrer Schutzmacht Amerika.

Sie bereiten Kennedy bei „Kaiserwetter“ einen triumphalen Empfang entlang der Straßen, der heute schon aus Sicherheitsgründen undenkbar ist. Und dann natürlich seine Rede vor dem Schöneberger Rathaus zu 450.000 Menschen mit dem Satz „Ich bin ein Berliner“.

Kennedy ist von der Begeisterungswelle überwältigt. Er werde, so sagt er, seinem Nachfolger im Weißen Haus ein geschlossenes Kuvert mit der Weisung hinterlassen, den Umschlag nur im Zustand tiefster Depression zu öffnen. Er werde dann einen Zettel finden, auf dem nur drei Worte stünden: „Reise nach Deutschland“. Fünf Monate später wird John F. Kennedy in Dallas (Texas) ermordet.

Richard Nixon

Ganze vier Stunden kommt Präsident Richard Nixon am 27. Februar 1969 bei grauem Winterwetter in die Stadt. Auch seine Visite eine Manifestation der Verbundenheit des Westens, insbesondere der USA, mit dem bedrängten West-Berlin. Und wieder bereiten ihm die Berliner einen begeisternden Empfang.

Während der Stadtrundfahrt kommt es erstmals aber auch zu Demonstrationen gegen einen US-Präsidenten. Anhänger der APO um Rudi Dutschke protestieren gegen den Vietnamkrieg und werfen Farbbeutel und andere Gegenstände in Richtung der Fahrzeugkolonne.

Jimmy Carter

Jubel in der Stadt gibt es wieder, als James Earl Carter am 15. Juli 1978 einfliegt, begleitet von seiner Frau Rosalynn und der zehnjährigen Tochter Amy. Am Potsdamer Platz ist ein fünf Meter hohes Stahlgerüst aufgebaut, damit der Präsident einen weiten Blick auf die Absperranlagen auf dem einst verkehrsreichsten Platz Europas hat.

Er versucht eine Anleihe bei Kennedy, als er diesen Satz formuliert: „Was immer sei, Berlin bleibt frei.“ Einer der Höhepunkte des Besuchs ist eine „Sprechstunde“ mit rund 1000 Berlinern in der Kongresshalle im Tiergarten.

Ronald Reagan

Helmut Schmidt ist Bundeskanzler und Richard von Weizsäcker Regierender Bürgermeister, als Ronald Reagan am 11. Juni 1982 erstmals als amerikanischer Präsident Berlin besucht. Die Visiten amerikanischer Präsidenten während des Kalten Kriegs sind immer Abstecher im Rahmen eines Deutschlandbesuchs und sollen die Berliner in der Gewissheit bestärken, sie stünden nicht allein, Amerika sei ein verlässlicher Beschützer.

Reagans zweiter Besuch am 12. Juni 1987 geht erstmals darüber hinaus, in die Offensive gegenüber Moskau. Die Rede vor dem Brandenburger Tor mit der Aufforderung, Gorbatschow solle die Mauer einreißen und das Tor öffnen, wird damals in der Öffentlichkeit mehr belächelt als ernst genommen. Gut zwei Jahre später triumphiert auch Reagan.

Bill Clinton

Als er am 12. Juli 1994 in die Stadt kommt, kann er als erster amerikanischer Präsident nach 1945 durch das Brandenburger Tor gehen. Es gilt aber auch, Abschied zu nehmen. Bill und Hillary Clinton sagen den letzten US-Einheiten Adieu, die so lange für die Sicherheit West-Berlins gesorgt haben.

Der zweite Besuch am 13. und 14. Mai 1998 ist dem 50. Jahrestag der Luftbrücke gewidmet. Am Flughafen Tempelhof herrscht Volksfeststimmung, politisch verstehen sich Kanzler Helmut Kohl und der Präsident bestens. Zum Leidwesen Gerhard Schröders, denn es ist Wahlkampf und er Kanzlerkandidat der SPD.

Schröders große Stunde kommt zwei Jahre später. Jetzt ist er Kanzler und empfängt am 1. Juni 2000 Bill Clinton zu dessen drittem Berlin-Besuch. Auch der ist politisch nicht mehr besonders spannend. Unvergessen dagegen der überraschende Besuch in Prenzlauer Berg. Dort speisen Kanzler und Präsident im Restaurant „Gugelhof“, dessen Wirt von dem Besuch vorher auch nichts wusste.

George W. Bush

Letzter Präsident vor der Ankunft Barack Obamas in Berlin ist am 22. und 23. Mai 2002 George W. Bush. Als erster amerikanischer Präsident spricht er im alten Reichstagsgebäude zu den Abgeordneten des Bundestags. Dabei steht ein knappes Jahr nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York die Bekämpfung des Terrorismus im Mittelpunkt. Zur Überraschung von vielen Bush gegenüber kritischen Abgeordneten sagt der Präsident dabei, der Kampf gegen den Terror sei nicht allein mit militärischen Mitteln zu gewinnen.

Bei diesem Besuch verstehen sich Bush und Schröder noch prächtig, getafelt wird diesmal im Restaurant „Tucher“ am Pariser Platz. Um dabei für eine familiäre Atmosphäre zu sorgen, bittet Bush Junior, ohne Schlips zu erscheinen.