Sicherheit

Obama in Berlin - Anwohner werden von Polizei eskortiert

Der mächtigste Mann der Welt landet am Dienstagabend in Tegel. Dann herrscht Sicherheitsstufe 1+. Berlin rüstet sich mit Absperrungen, Halteverboten und verplombten Gullydeckeln für die Visite.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Noch drehen sie der Bühne den Rücken zu. Jenem Ort, auf den am Mittwoch die ganze Welt schauen wird, etwa eine Stunde lang – während der Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Doch am Montag richten sich noch alle Objektive auf das Brandenburger Tor, nicht auf die Tribüne, die daneben gerade aufgebaut wird. Und noch liegen die rot-weißen Absperrgitter in Stapeln am Rand der Sicherheitsbereiche. „Abstellen und Anschließen von Fahrrädern und anderen Gegenständen verboten!“, steht daran, an einigen Gittern sind trotzdem Fahrräder angeschlossen. Noch laufen die Sicherheitsleute gelassen daran vorbei.

Auch die Amerikanerinnen Rebecca Shertzer, 24, und Kristen Kaufmann, 23, schauen sich gerade das Brandenburger Tor an. Sie sprechen perfekt Deutsch, Shertzer ist Lehrerin, Kaufmann würde als Wirtschaftspsychologin gern in Deutschland arbeiten. Jetzt machen sie Urlaub in Berlin. Vom Auftritt ihres Präsidenten erhoffen sie sich vor allem eines: „Es wäre schön, wenn er ein paar Worte auf Deutsch sagen würde.“

Vier Areale mit Einschränkungen

Auch rund um das Hotel „Ritz-Carlton“ am Potsdamer Platz herrscht am Montag noch demonstrative Gelassenheit. Allein die vielen schwarzen Limousinen hinter dem Hotel und die kritischen Blicke mancher Herren in Anzug und Sonnenbrille lassen darauf schließen, dass hier von Dienstag auf Mittwoch die Präsidentenfamilie wohnen wird. Auf der Wiese zwischen Hotel und Sony-Center sitzen junge Leute in der Sonne. Ein Mann repariert im schattigen Eingang des Centers sein Fahrrad.

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Mit der Gelassenheit wird es spätestens ab Dienstagabend vorbei sein. Ab 20.30 Uhr werden die Obamas im Hotel erwartet. Es gilt Gefährdungsstufe 1, wenn der Staats- und Regierungschef der USA kommt. Nicht nur für die beiden Tage des tatsächlichen Besuches gilt laut Polizeisprecher Alexander Tönnies diese Einstufung, sondern bereits seit bekannt ist, dass Obama nach Berlin kommt. Für jeden sichtbar wurde dies in den letzten Tagen durch eingerichtete Halteverbotszonen, verplombte Gullydeckel und Sicherheitskontrollen. Aus Sorge vor einem Anschlag gilt während der knapp 26-stündigen Visite des mächtigsten Mannes der Welt Sicherheitsstufe 1+.

Details zu Absperrungen bleiben geheim

Neue Details zu kommenden Absperrungen und drohenden Verkehrsbehinderungen gibt die Polizei nicht bekannt. Sie beruft sich nach wie vor auf die Informationen der vier Handzettel, die an Anlieger der am stärksten betroffenen Orte ausgegeben wurden: rund um Charlottenburger Schloss, Hotel „Ritz-Carlton“ am Potsdamer Platz, Regierungsviertel und Wohngebiet Cité Guynemer am militärischen Bereich des Flughafens Tegel. Hier wird es bis Mittwochabend weiträumige Sperrungen und Ausweiskontrollen geben, am Potsdamer Platz und am Schloss können die Anwohner dann nur in Polizeibegleitung zu ihrem Wohnhaus gelangen.

Die Anlieger sind in den Informationsschreiben der Polizei auch aufgefordert worden, Fenster und Türen Richtung Brandenburger Tor, „Ritz-Carlton“, Flughafen oder Schloss geschlossen zu halten. Dies sei eine „Bitte“, so Tönnies. Im Einzelfall werde die Polizei vor Ort das Gespräch mit den Anwohnern suchen. „Damit haben wir auch beim Papstbesuch gute Erfahrungen gemacht.“

Zu welchen Einschränkungen es genau kommt, etwa wenn die Wagenkolonne des Präsidenten unterwegs ist, wird aus Sicherheitsgründen nicht gesagt. „Wir tüfteln für alle Stationen mehrere Routen aus und entscheiden erst Sekunden vorher, welche genommen wird“, sagt Tönnies.

Dann werde es kurzfristige Sperrungen geben, die aber auch schnell wieder aufgelöst werden können. Am Dienstagabend – die Präsidentenmaschine landet etwa um 19.55 Uhr – sei entsprechend zwischen Tegel und der Innenstadt mit Behinderungen zu rechnen, Mittwoch ist das ganze Stadtzentrum betroffen, am Abend gegen 18 Uhr der Weg Richtung Charlottenburger Schloss. Auch rund um das „Damenprogramm“ der First Lady Michelle Obama in Mitte ist mit weiteren Sperrungen zu rechnen.

Berlins Luftraum eingeschränkt

Für die Zeit des Besuchs ist auch der Luftraum eingeschränkt: Sogenannte Sichtflüge im Gebiet Reichstag sind untersagt. Auch kleinere Flugplätze im Umland sind betroffen. So muss beispielsweise auf dem Flugplatz Schönhagen oder dem Flugplatz Ruppiner Land der Betrieb vorübergehend eingestellt werden, das hat die Luftfahrtbehörde angewiesen.

Neben dem offiziellen Programm gibt es in diesen Tagen sechs weitere Termine mit Bezug zum Obama-Besuch: Demonstrationen. Den Auftakt machte am Montagabend eine Friedenskundgebung mit dem Motto „Obama die rote Karte zeigen“ in Mitte, die sich gegen den Einsatz von US-Kampfdrohnen richtete. Rund 300 Demonstranten nahmen daran teil, angemeldet waren wesentlich mehr. Für den heutigen Dienstag sind zwei Kundgebungen mit je 50 Teilnehmern angemeldet, am Mittwoch zwei weitere etwa dieser Größe. Sie richten sich unter anderem gegen das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Größer dürfte die Demonstration am Mittwoch am Großen Stern werden, zu der die Piratenpartei seit Montag aufruft. Ab 15 Uhr soll dort gegen das US-Spähprogramm „Prism“ protestiert werden. 500 Menschen sind dafür angemeldet.

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