Der Fahrer vor dem Beisheim-Center verweigert eine eindeutige Antwort. „Ich kann Ihre Frage weder bejahen noch verneinen – daraus sollten Sie Ihren eigenen Schluss ziehen können!“ Also doch, Barack Obama, der Mann, der in ein paar Tagen die Innenstadt lahmlegen wird, hat hier schon seine Finger im Spiel. Ein Mantel der Verschwiegenheit umhüllt jenes Areal. Obamas Trutzburg am Potsdamer Platz.

Schwarze Limousinen drängen sich dicht an dicht auf dem Innenhof zwischen hohen Sandstein-Fassaden. Hinter jeder Windschutzscheibe der circa 25 Fahrzeuge, ist ein Schild mit Nummern wie C-14 oder X-6 angebracht. Der Fahrer wird nun etwas ungehalten: „Lesen Sie denn keine Zeitung? Sie müssen doch wissen, wer hier in den nächsten Tagen zu Besuch kommt! Was die Nummern bedeuten, darf ich Ihnen nicht sagen.“ Den Herren in schwarzen Anzügen mit orangefarbener „Sixt“- Krawatte sind keine Informationen zu entlocken.

Kein Schritt bleibt unbeobachtet

Am kommenden Dienstag gegen 19.55 Uhr soll die Präsidentenmaschine „Air Force One“ auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel landen. Danach wird Barack Obama um circa 20.30 Uhr im „Ritz-Carlton“ erwartet. Doch bereits jetzt – drei Tage vor seiner Ankunft – herrscht in den schattigen Straßen des Beisheim-Centers Ausnahmezustand. Weiße Schilder an fast jedem Pfahl verkünden einen „Polizeilichen Sicherheitsbereich ab dem 18.06. bis zum 19.06.2013“. Keines der umliegenden Geschäfte wird in den zwei Tagen des Obama-Besuchs geöffnet haben. Bereits an diesem Wochenende kann man sich sicher sein, dass kein Schritt in der gesamten Umgebung unbeobachtet bleibt.

„Wir haben ein Rundschreiben von der Polizei bekommen, in dem steht, dass wir unser Geschäft am Dienstag und Mittwoch schließen müssen“, sagt ein Angestellter aus dem Friseursalon, der direkt am Inge-Beisheim Platz liegt. Schon am Montag müssen alle Sachen, die vor dem Geschäft stehen, eingeräumt werden und die Fenster geschlossen bleiben. Alles andere könnte die Scharfschützen auf den Dächern irritieren.

Die Inhaberin des Geschäfts sagt, sie sei an derlei Maßnahmen schon gewöhnt. Jetzt bei Obama würde aber wirklich ein extremer Aufwand betrieben werden. Über eine Entschädigung für den Ausfall wurde sie bisher nicht informiert. „Meine Angestellten wollen natürlich auch nicht einfach einen Urlaubstag dafür nehmen. Für uns ist dieser ganze Besuch etwas müßig“, sagt die Frau.

Mitarbeiter müssen Stillschweigen bewahren

Auch die Filialen von Vapiano, Häagen Dasz und Starbucks an der Ebertstraße müssen schließen. Die dortigen Mitarbeiter äußern sich entweder zögerlich oder überhaupt nicht. „Die Polizei hat gesagt, wir dürfen keine Auskunft zum Thema Obama geben, nur die Pressestelle darf sich dazu äußern“, sagt ein Mann, der für Restaurantkette Vapiano arbeitet. „Jetzt verstehe ich, warum wir Dienstag und Mittwoch freihaben“, sagt Rita Obaidullina. Die junge Mitarbeiterin der „Coffee Bar“ hatte sich bereits gewundert, als sie einen Blick auf den Dienstplan geworfen hatte.

Minimale Kommunikation für eine maximale Sicherheit: Der Secret Service und die Berliner Sicherheitsbehörden sorgen schon vor dem Besuch des Präsidentenpaares dafür, dass möglichst wenig Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Auch bei den Programmpunkten und Routen, die schon veröffentlicht wurden, kann man sich nie sicher sein. Kann sein, dass in letzter Sekunde doch noch alles umgeworfen wird.

Geschäfte, die etwas weiter entfernt liegen, trifft es nicht ganz so hart. Doch auch dort gibt es Einschränkungen: „Ab Montag müssen wir immer einen Personalausweis dabeihaben, um durch die Sicherheitskontrollen zu kommen“, sagt Ehab Gaied, Angestellter im „Midtown Grill“. „Obama ist definitiv das Highlight der nächsten Woche. Schade, dass wir ihn nicht zu Gesicht bekommen werden“, bedauert Gaied.

Sperrung bei An- und Abfahrt

Wenn Obama das „Ritz“ betritt oder verlässt, ist der gesamte Bereich für 45 Minuten davor und danach gesperrt. Keiner darf ein Gebäude in dem Komplex verlassen. „Mich stört der ganze Aufwand nicht. Wenn Obama in unser Restaurant käme, würde ich ihn genauso behandeln wie jeden unserer Gäste“, sagt Jenny Reisner, die ebenfalls im „Midtown Grill“ arbeitet. Selten zu findende Gelassenheit in diesen Tagen.

Für diejenigen, die nah an Obama dran sein wollen, hätte es die Möglichkeit gegeben, selbst ins „Ritz-Carlton“ einzuchecken. Die Zimmer wären auch für Privatpersonen buchbar gewesen, sind jedoch schon lange belegt. Doch auch wer für diesen Zeitraum ein Zimmer ergattert hat, wird kaum einen Blick auf Obama und Familie erhaschen können. Das Hotel hat einen hermetisch abgeriegelten Sicherheitsbereich.

Eine Atmosphäre wie in der Heimat von Obama herrscht in einem American Diner jeden Tag. Das gehört zum Konzept. In „Andy’s Diner“ am Potsdamer Platz stehen schon ein paar Burger auf den Tischen. Kleine Schälchen mit Ketchup und Mayo laden dazu ein, in ihnen ein paar Pommes zu versenken. Wird es kommende Woche einen Special Obama-Burger geben? Oder einen hausgemachten Cocktail für den besonderen Anlass? „Nee, also bei uns läuft eigentlich alles wie immer“, sagt eine Mitarbeiterin des Diners. „Vielleicht kommt er ja mal bei uns rein, wenn er Sehnsucht nach amerikanischer Küche hat. Obwohl, im ‚Ritz‘ ist er ja ganz gut versorgt“, sagt sie und lacht. In jedem Fall ist Obama an seinem Berliner Wohnort gut vor Überraschungen geschützt.