Auf den letzten Metern vor dem Ziel schaute Wilson Kipsang kurz irritiert zur Seite. Sollte wirklich jemand noch schneller sein als er? Aber es handelte sich nur um einen Unbekannten, der sich trotz aller Absperrungen im Zielraum befand und vor dem wirklichen Sieger einlief.

Aber dieser unglaubliche Vorgang konnte die Freude des Kenianers nicht trüben. 2:03:23 Stunden – Weltrekord! „Ich dachte, das ist einer von der Organisation, gestört hat mich der Typ allerdings nicht“, sagte der 31-Jährige lachend.

Die alte Bestmarke seines Landmanns Patrick Makau – aufgestellt ebenfalls in Berlin – aus dem Jahr 2011 unterbot Kipsang damit gleich um 15 Sekunden. Makau selbst war als Ehrengast in Berlin und musste mit ansehen, wie er seinen Rekord verlor.

„Mein Traum ist in Erfüllung gegangen“

„Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sprudelte es aus Siegers heraus. Im Augenblick des großen Triumphes dachte er zehn Jahre zurück. Er erinnerte sich an den Punkt, an dem er beschloss, es mit dem Laufen richtig zu versuchen. Damals sah er im Fernsehen, wie Paul Tergat 2003 in Berlin zum Weltrekord stürmte. „Das hat mich motiviert“, erzählte er.

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Danach intensivierte er das Training, nachdem er neben seinem Job als Zwischenhändler für Farmprodukte bis dahin eher als ambitionierter Freizeitläufer aktiv war. Erst 2007 lief er zum ersten Mal bei einem Rennen außerhalb seines Heimatlandes – und gewann den 10-Kilometer-Lauf im ostfriesischen Schortens.

Danach nahm seine Karriere richtig Fahrt auf, die nun auf den Straßen Berlins ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Neben den 40.000 Euro für den Sieg beim Berlin Marathon kassierte er auch noch 50.000 Euro für den Weltrekord.

„Meine Taktik ist voll aufgegangen“

„Meine Taktik ist voll aufgegangen“, freute sich der neue Weltrekordler. Bis etwa Kilometer 32 lag eine kenianische Dreiergruppe vorn: Wilson Kipsang, Geoffrey Kipsang (die beiden sind aber weder miteinander verwandt noch verschwägert) und Eliud Kipchoge.

Als Wilson Kipsang bei Kilometer 35 merkte, „dass das Tempo zu langsam war“, zog er an. Zu diesem Zeitpunkt lag er zwölf Sekunden hinter der Marschtabelle. „Die letzten Kilometer waren schon hart“, gab er zu, aber der Spätberufene steigerte sich noch einmal.