Warum sollte er es sich auch nicht zutrauen, die Bestzeit von Patrick Makau von 2:03:42 Stunden, gelaufen 2011 in Berlin, zu unterbieten? Die Winzigkeit von vier Sekunden fehlten ihm, als er nur wenige Tage nach Makaus Rekordlauf als Sieger des Frankfurt-Marathons ins Ziel kam.
Jetzt soll auf der flachen und daher besonders schnellen Strecke in Berlin der Rekord fallen. „Hier habe ich die besten Chancen“, sagt der Kenianer. Es scheint alles angerichtet zu sein. „Ich bin in sehr guter Form und auf den Weltrekord fokussiert.“ Und das Wetter soll auch optimal werden: Nicht zu kalt, nicht zu warm, am frühen Vormittag etwa zehn Grad, nur wenig Wind. Zudem hat er starke Konkurrenz, die ihn richtig fordern wird: seine Landsleute Geoffrey Kipsang, 20, und Eliud Kipchoge, 28.
Mit Konsequenz und Akribie hat sich Kipsang auf das „Unternehmen Weltrekord“ vorbereitet. Vor gut zwei Monaten war er bereits für ein paar Tage in Berlin, um das Terrain zu sondieren. „Ich möchte keine Überraschungen erleben“, meinte er damals. Er hatte seinen Kumpel Geoffrey Mutai mitgebracht, der sich in Berlin gut auskennt. Kein Wunder, schließlich gewann Mutai den Berlin-Marathon 2012 und konnte so gute Tipps geben.
Wilson Kipsang hat einen langen Anlauf genommen, um zu einem Weltklasseläufer zu werden. An seiner Schule nahm er zwar an Wettkämpfen teil, aber „ich war nicht richtig wettbewerbsfähig“, erzählt er. „Mein Fokus lag mehr auf dem Lernen als auf dem Laufen.“ Nach der Schule arbeitete er drei Jahre lang als Zwischenhändler für Farmprodukte. Nebenher trainierte er noch ein bisschen und nahm im Trikot eines Polizeisportvereins an kleinen Wettkämpfen teil. Von einem niederländischen Manager wurde sein Talent entdeckt und er intensivierte das Training.
„Ich habe auch Glück gehabt“, sagt er rückblickend. Als 2007 ein Kollege aus seiner Trainingsgruppe erkrankte, kam er zu seinem ersten Einsatz im Ausland: beim 10 Kilometer langen „Jever-Fun-Run“ im ostfriesischen Schortens. Lachend erinnert er sich an das riesige gefüllte Bierglas, das ihm dort – neben einem kleinen Preisgeld – für seinen Sieg überreicht wurde. „Das Bier war aber alkoholfrei“, sagt Kipsang.
In Ostfriesland begann sozusagen die Karriere von Kipsang, der 2012 bei den Olympischen Spielen in London Bronze gewann. Er siegte beim London-Marathon (2012) ebenso wie zweimal in Frankfurt (2010, 2011). Jetzt will er die Krönung, den Weltrekord.
seb

