„Noch fünf Sekunden, noch vier, drei…“ – die Musik dröhnte, der Puls der Straße schlug, Gänsehautfeeling pur. Die Ordner, die die Absperrreihe bildeten sprinteten bei Sekunde drei zur Seite und die Minis liefen los. Etwa 8000 Schüler und Schülerinnen aus ganz Deutschland und dem Ausland sind am Sonnabend beim 25. Mini-Marathon vor der neuen Nationalgalerie gestartet. Bei Deutschlands größtem Schülerlauf liefen selbst Schüler aus Frankreich, Belgien, Brasilien, Kanada, China, den Niederlanden, Dänemark und Polen mit.

Um 15.20 Uhr war es für die Oberschüler so weit. Sie bildeten etwa 40 Prozent des Starterfelds. Acht Minuten später gab Schauspielerin Inez Bjørk David (Telenovela „Sturm der Liebe“) auch den Startschuss für die Grundschüler. Wie Felsen in der Brandung ragten hier vereinzelte Köpfe aus dem Starterfeld heraus: Es waren die begleitenden Lehrer.

Doch bevor der Startschuss fiel, sammelten sich die ersten Schüler, Eltern und Lehrer teils anderthalb Stunden vorher rings um die Nationalgalerie. Luftballons in Schlumpfform, aufgeblasene Herzen, bunte Transparente und knallbunte T-Shirts, die immer geballt auftraten, bestimmten das Bild. Damit wurden die Sammelpunkte der einzelnen Schulen gekennzeichnet. Da wurde gesprintet und gehopst, die Großen dehnten sich, während die Kleinen Bäume hoch rannten oder kletterten, um warm zu werden.

„Wir sind Fußballer – das schaffen wir locker“

Die Kant-Grundschule aus Steglitz-Zehlendorf war zum ersten Mal dabei. Es war eine Initiative der Eltern. Die Jungs hatten sich schon an dem Transparent gesammelt, während die Mädchenmannschaft noch auf sich warten ließ. Tufan (9), Luca (9) und Lars (10) sahen das Rennen ganz locker. „Tufan und ich sind Fußballer. Da schaffen wir doch die Strecke ganz locker“, meinte Lars ganz selbstsicher. Und auch Luca war von seinen Fähigkeiten entsprechend überzeugt. Schließlich sei er in einem Schwimmverein, da wird er doch diese Strecke lässig meistern. Denn wirklich trainiert hatten die Jungs nicht. Aber was sind schon 4,2195 Kilometer, außer ein Zehntel der richtigen Marathonstrecke?

Ehrgeizig waren dagegen die Mädchen des Hans-Carossa-Gymnasiums. Galt es doch den Titel vom Vorjahr zu verteidigen. Paula (14), Lena (15) und Alina (15) waren schon im vergangenen Jahr dabei. Aber sie sahen ihrem Start ganz entspannt entgegen. „Wir haben ein bisschen trainiert. Neben der Schule auch in der Freizeit“, zeigte sich Paula selbstbewusst. Aber sicherheitshalber strebten die Mädchen doch schon frühzeitig zum Startplatz, um sich ihren Platz in der ersten Reihe zu sichern. Obwohl die Schule immer noch mit 55 Schülern vertreten war, waren es deutlich weniger als 2012. Schließlich war Samstag der erste Ferientag, dementsprechend waren auch schon viele Schüler und Lehrer im Urlaub. Kurz vor dem Start gab die dreifache Berlin-Marathon-Siegerin Uta Pippig den Kids neben Autogrammen auch noch Tipps: „Geht das Rennen nicht ganz so schnell an, teilt euch eure Kräfte ein und in der zweiten Hälfte zieht richtig los.“

Eine andere Art des „Warmmachens“ probierten die Schülerinnen der http://www.judith-kerr-schule.de/ aus. Gemeinsam hievten sie ihre zusammengebundenen Kleiderbeutel auf den Kleider-Transporter hoch. Die Aufregung war bei den Grundschülern, die deutsch und französisch unterrichtet werden, zum Greifen nah. Und das, obwohl sie zum Teil schon das dritte und vierte Mal dabei waren.

In der ersten Reihe die Superstars, hinten die Entspannten

International ging es auch bei den Schülern der Athene-Grundschule zu. Die Grundschule in Steglitz besuchen sehr viele griechische Kinder. Demzufolge bildete auch eine griechische Fahne ihren Sammelpunkt. In ihrer Aufregung sprangen die Kinder eine Mauer immer hoch und runter oder machten Liegestütze.

Doch bei aller Vorbereitung, am Start ging es teilweise sehr beschaulich zu. Während die Superstars sich gleich in den vordersten Reihen positioniert hatten, waren es hinten eher die Gemächlicheren. „Jetzt kommen die Entspannten“, wurde dann auch über die Lautsprecher kund getan. Ein Lehrer lief mit einem roten Regenschirm in der Hand mit seinen Schülern ganz hinten und gab seinen Schützlingen noch einmal ein separates Startzeichen. „Warum sollen sie denn in dem Gedränge mitlaufen? Die Zeit zählt doch erst, wenn sie über die Linie laufen.“ Andere wiederum spielten noch an ihren Handys herum – wahrscheinlich hatten sie noch nicht die passende Laufmusik gefunden. Denn der Rhythmus sollte schon stimmen...