40. Berlin-Marathon

Bei den Skatern siegten eine Niederländerin und ein Belgier

Manon Kamminga und Bart Swings setzten sich jeweils frühzeitig von ihrem Team „Powerslide“ ab. Der Belgier erzielte mit einer Zeit von 59 Minuten und 28 Sekunden einen neuen Streckenrekord.

Schon an der Strecke, die die 6298 Inline-Skater am Sonnabend entlangfuhren, war klar, dass dieser Lauf besonders war. „Weltrekord, Weltrekord“, hörte man es rufen und tuscheln. Später sprach man dann von Top-Zeiten, einem dramatischen Rennen und leider auch von einem Todesfall. Am Kottbusser Tor starb ein 71-jähriger Inlineskater. Zur gleichen Zeit, als der Belgier Bart Swings und die Niederländerin Manon Kamminga ihrem Sieg entgegen fuhren. Bart Swings vom Team Powerslide erreichte nach nur 59 Minuten und 28 Sekunden das Ziel und stellte damit einen neuen Streckenrekord auf. Seine Kollegin Manon Kamminga, ebenfalls Team Powerslide, brauchte eine Stunde, neun Minuten und 58 Sekunden für die Strecke.

Beide Sieger hatten gemein, dass sie angetreten waren, um zu siegen. Beide waren schon früh aus ihren Teams ausgebrochen und hatten einen großen Teil der Strecke alleine bewältigt. „Ich bin nach ungefähr 27 Kilometern davongefahren“, erzählte Bart Swings. Der 22-Jährige fuhr die letzten Kilometer weiter ohne sein Team, ohne eine andere Gruppe. „Das ist schwer“, sagte er. „Denn man kann sich von niemandem mitziehen lassen, in keinem Windschatten fahren.“ Die Motivation und Disziplin müsse ganz aus einem selber kommen. Doch das habe er geübt. „Vor drei Jahren habe ich mit Eislauf angefangen“, erzählte er. „Da lernt man, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren.“ Dass er unter einer Stunde geblieben war, erfülle ihn mit Freude. „Für mich selber ist die Zeit Weltrekord.“ Der wurde zwar mit 58 Minuten und 17,4 Sekunden in der Schweiz aufgestellt, doch da würde die Strecke bergab verlaufen. Hier in Berlin gebe es Start und Ziel am selben Punkt. „Und Berlin ist das Maß“, sagte der Belgier ebenso stolz wie bestimmt. Er fuhr übrigens im Familienverbund. Sein drei Jahre älterer Bruder Marteen kam nur ein wenig später ins Ziel, nach einem Lauf von einer Stunde, einer Minute und 23 Sekunden. Er belegte damit den zweiten Platz.

Seitdem er acht Jahre alt ist, steht Bart Swings auf Rollen und trainiert täglich. Skaten, Eislaufen, Radfahren, Krafttraining. Dennoch findet er Zeit für sein Ingenieurstudium. Den Bachelor hat er gerade in der Tasche, nun geht es an den Master. „Für mich ist es wichtig, neben dem Sport noch etwas anderes zu haben“, erzählte er. Etwas, was er auch nach dem Ende seiner Sportkarriere noch ausüben könne. Doch erst einmal hat der junge Mann noch anderes im Sinn. Zu den Olympischen Winterspielen in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang will er 2018 im Eislaufen antreten.

Auch Manon Kamminga ist auf dem Eis zu Hause. Seit ihrem neunten Lebensjahr steht sie auf den Kufen. Ein Jahr vorher fing sie das Inlineskaten an. Sport war schon da – und ist es noch heute – ihre große Leidenschaft. Jeden Tag trainiert sie: Joggen, Krafttraining, Radfahren Eislaufen, Inlineskaten. Da bleibt ihr nicht viel Zeit fürs Studium. Ihr Fernstudium hat sie geschmissen, die 21-Jährige weiß eigentlich noch nicht genau, wo es beruflich hingehen soll. „Wenn ich meine Sportkarriere beende, habe ich immer noch genug Zeit, mich zu orientieren“, sagte sie. Bei ihr laufe es gerade jedoch so gut, dass sie sich nur auf den Sport konzentrieren wolle.

Dabei hatte sie vor eineinhalb Jahren einen Radunfall, bei dem sie sich das Bein verletzte. Die Narben sind heute noch zu sehen. Doch der Unfall habe keinen Karriereknick bedeutet. „Ich hatte vor dem Unfall schon hart trainiert“, erzählte sie. „Dann kam die Zwangspause und danach wurde ich einfach besser.“ So gewann sie kurze Zeit nach dem Unfall im vergangenen Jahr in Ungarn die Europameisterschaft und in Italien die Weltmeisterschaft. Und am Sonnabend brachte sie einen neuen Triumph nach Hause – den Sieg beim 40. Berlin Marathon.

Wie ihr Kollege Bart Swings brach auch sie schon recht früh aus ihrem Team aus. „Manon liebt Ausreißerversuche“, bestätigte ihre Teamkollegin Katharina Rumpus, die den zweiten Platz belegte. „Als ich mich umguckte, dachte ich, die Mädels noch zu sehen“, erzählte Manon Kamminga. Doch sie sah nur die männlichen Sportler. „Und als ich mich dem Ziel näherte und immer nur noch Jungen sah, wusste ich, dass ich ganz schön schnell gewesen sein muss.“

Zwei ihrer Kameradinnen vom Team Powerslide, Katharina Rumpus aus Flein und Sabine Berg aus Gera, überquerten knapp viereinhalb Minuten später die Ziellinie – beide nach einer Stunde, vierzehn Minuten und zwölf Sekunden. Für Sabine Berg ein ungewohntes Erlebnis, denn auf den letzten beiden Berlin Marathons war sie die schnellste Frau. Dieses Mal reichte es „nur“ für Bronze. Sie nahm es sportlich: „Eine Teamkollegin ist vorne – alles bestens“, war ihr Kommentar.

Foto: Christian Kielmann