Berlin-Marathon

Diese Berliner sorgen dafür, dass beim Marathon alles läuft

Rund 40.000 Läufer werden zum 40. Berlin-Marathon erwartet. Zahlreiche Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf entlang der Strecke. Die Berliner Morgenpost stellt sechs Freiwillige vor.

Die Problemlöserin

„Mein Highlight ist das internationale Flair“

Abschnittsleiterin Jeannette Weise (48) ist am Sonntag für die Strecke zwischen Olivaer Platz und Wittenbergplatz verantwortlich. Sie koordiniert 53 Helfer, die sich darum kümmern, dass keine Zuschauer auf die Rennstrecke laufen. Noch ist nie etwas passiert, seit zwei Jahren ist sie als Freiwillige bei Sportveranstaltungen aktiv. Um acht Uhr trifft sie sich mit ihren Helfern, verteilt Aufgaben und gibt Sicherheitshinweise. Danach fährt sie die Strecke immer wieder mit dem Fahrrad ab. Besonders freut sie, dass sie viele junge Menschen zum Mitmachen motivieren konnte. „Unter unseren Helfern sind Jugendliche, Vereinssportler, Kollegen; auch ein Stadtrat hat spontan zugesagt“, sagt Weise. „Die Begeisterung für diesen Marathon wächst und wird immer größer. Besonders diese Internationalität finde ich großartig“, erzählt sie.

Der Versorger

„Hier geht mindestens eine Stunde die Post ab“

Markus Hardt (39) hilft bereits seit 1988 beim Berlin-Marathon. Angefangen als Wasserträger arbeitete sich der ehemalige Leistungsruderer vor knapp 20 Jahren zum Leiter des Erfrischungspunktes an Kilometer 5 vor. Der Ruder-Club Tegel betreut hier schon seit mehr als 30 Jahren die so genannte Ruderschänke. Es ist die erste Getränkestation für die Läufer – hier wird nur Wasser gereicht. Außerdem stehen Wannen für das Eintauchen der Schwämme bereit. Insgesamt koordiniert er 130 Freiwillige. „Hier gibt es eine Stunde Ballett – nach fünf Kilometern liegt das große Läuferfeld noch ganz eng zusammen“, erzählt er. Zuzüglich der Marathonjacken sponsert ein Vereinskamerad für jeden Helfer seines Teams ein halbes Hähnchen. Hardt selbst ist vor einigen Jahren einen Marathon mitgeskatet. Am nächsten Tag stand er wieder bei seinem Team und hat geholfen.

Der Wasserreicher

„Ein Marathon bedeutet Schmerz und Entbehrung“

Claus-Henning Schulke (47) verpflegt den diesjährigen Sieger des Hamburg-Marathons, Eliud Kipchoge. Das bedeutet, er reicht dem Olympiateilnehmer alle fünf Kilometer sein persönliches Getränk. „Da muss ich ganz schön laut seinen Namen rufen, damit Kipchoge mich wahrnimmt“, sagt Schulke. Er und der Läufer begegnen sich schließlich nur Sekunden. „Es geht hier um Weltrekorde“, erklärt der Helfer. Das Elitefeld läuft mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Das heißt, nach der Übergabe müssen Schulke und 24 weitere Helfer kräftig in die Pedale treten, um vor den Spitzensportlern am nächsten Verpflegungspunkt zu sein. Schulke selbst lief seinen ersten Marathon mit 16 Jahren. Seit über 15 Jahren hilft er bei Sportveranstaltungen. „Ich möchte das, was mir an guten Dingen wiederfahren ist, zurückgeben“, erklärt er sein Engagement.

Achtung: Auf dem Foto hält Schulke wahrscheinlich eine rote Flasche/Becher von Haile Gebrselassie in der Hand. Vor zwei Jahren war Schulke sein Wasserreicher, die Flasche durfte er als Souvenir behalten.

Der Aufpasser

„Ab Wittenbergplatz wird es meistens kritisch“

Friedrich Jahn, 56, hat sein Herz eigentlich ans Bergsteigen gehängt, mit dem Fahrrad ist er aber auch schon über die Alpen gefahren. Einmal im Jahr setzt sich der Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie der Evangelischen Elisabeth Klinik auf ein „Dienstfahrrad“ vom Sport-Club Charlottenburg und begleitet die Marathonläufer auf ihrem Weg ins Ziel. Am Alexanderplatz bei Kilometer 10 steigt der Mediziner ins Rennen ein. Ausgerüstet mit einer Notfalltasche und Defibrillator radelt er mit dem Läuferfeld und lässt seinen ärztlichen Blick schweifen. „Ab Wittenbergplatz wird es meistens kritisch“, sagt er. „Dort ist der Punkt, an dem ich oft helfen musste.“ Schwierig sei es, einen Sportler ungefähr fünf bis sechs Kilometer vor dem Ziel zu überreden, das Rennen aus Gesundheitsgründen abzubrechen, erzählt er.

Der Ausstatter

„Aufgeregt hat sich keiner“

Jonas Pernitz, 25, arbeitet als studentische Aushilfskraft beim SCC Events. In diesem Jahr legte er Tausende von Bändchen um die Handgelenke der Sportler. Denn jeder Teilnehmer musste seine Startnummer persönlich abholen und einen gültigen Personalausweis, Reisepass oder Führerschein auf der Messe Berlin Vital vorlegen. Jedem Teilnehmer wurde beim Abholen seiner Startunterlagen dann ein Armband angelegt, das bis zum Zieleinlauf nicht mehr abgenommen werden darf. „Die Teilnehmer kommen in den Ausgabebereich auf der Messe und erhalten dann ihre Unterlagen“, erklärt Pernitz. „Beim Verlassen des Bereiches müssen sie an uns vorbei, und wir legen ihnen dann die Bänder an.“ Die Akzeptanz für diese zusätzliche Sicherheitsmaßnahme sei sehr groß gewesen. „Aufgeregt hat sich keiner.“

Die Anfeuerer

„Gespielt wird ohne Pause“

Pamela Rehfeld, 48, und Dietrich Kollöffel, 56, gehen an diesem Sonntag wieder getrennte musikalische Wege, in den Tagen davor wird auch mal gemeinsam geprobt. Die Musikerin wird mit ihrer Band „Banda Um“ an der Gneisenaustraße Ecke Baerwaldstraße stehen und von 9.30 Uhr mit Samba und Samba-Reggae unterhalten. Im 15. Jahr an der Strecke habe man auch ein Stammpublikum, was zum Tanzen komme, sagt sie. Ebenfalls seit 15 Jahren sorgt Dietrich Kollöffel am Platz am Wilden Eber in Schmargendorf mit seiner 30-köpfigen Band „Sapucaiu No Samba“ für den Rhythmus. „Gespielt wird ohne Pause, bis der Besenwagen vorbei ist“, so der Leiter der Gruppe. Insgesamt können sich die Zuschauer wieder auf 80 Bands und Trommelgruppen aller Stilrichtungen mit mehr als 1000 Musikern freuen.