Ein Fotoalbum mit hellblau gemustertem Einband sucht die Kundin, außerdem eines mit grünem Leinenbezug, passend zu den Themen ihrer Bilder – hellblau für die Fotos vom Winterurlaub, grün für die Aufnahmen vom Sommer. Ja, es gibt sie noch, die Menschen, die auch im Digitalzeitalter ihre Fotos in hübsche Alben kleben. Und es gibt in Schöneberg auch den Laden, in dem sie auf der Suche nach einem besonderen Album mit Sicherheit fündig werden.

Im „Papierhaus“ füllen Fotoalben fast eine ganze Regalwand. Überhaupt führt Felix Verspohl nahezu alles, was irgendwie mit Papier zu tun hat. Als Kiezladen – und als solchen versteht er sein Geschäft – hält er natürlich ein kompaktes Sortiment an Schreibwaren für Schule, Haushalt und Büro vor. Doch den größeren Teil des Ladens haben Felix Verspohl und seine Tochter Aina den „schönen Dingen“ gewidmet.

Viele der Angebote kommen von kleinen Manufakturen

Da finden sich die klassischen Moleskine-Schreibbücher mit dem Gummiband neben Notizbüchern, auf denen kleine Täschchen aufgesetzt sind, einige haben eine Spiralbindung, andere sind aufwändig genäht, wieder andere in Leder eingebunden. Außerdem führt das Geschäft eine große Auswahl an Briefpapier – in minimalistischem Design ebenso wie bedruckt mit floralen Mustern. Papier mit glatter Oberfläche findet sich neben Bütten und handgeschöpftem Papier aus Indien.

Einige der Geschenkpapierbögen sind edel, handgeschöpft und schon etwas preisintensiver.
Einige der Geschenkpapierbögen sind edel, handgeschöpft und schon etwas preisintensiver.© Katrin Starke

Dazu hat Verspohl ein breites Sortiment verschiedenster Schreibgeräte – vom Füller mit Edelstahlfeder bis zum selten gewordenen Kolbenfüller, wie ihn die Firma Cleo aus dem brandenburgischen Bad Wilsnack noch immer herstellt. „Füllfederhalter laufen bei uns sehr gut“, sagt Verspohl. Genauso wie die vielen bunten Tinten. Im „Papierhaus“ gibt es sie unter anderem aus englischer Produktion – in 120 Farben.

Gerade hat Felix Verspohl schon Kalender für 2024 geordert, um rechtzeitig vorzusorgen. Im vorigen Jahr habe er Kalender „in Wahnsinnsmengen“ verkauft. Für ihn ein sicheres Zeichen, dass auch in Zeiten von Computer-Kalenderprogrammen Menschen gern einen Papierkalender führen. „Die wollen die Haptik“, sagt der Ladeninhaber.

Besondere Läden in Berlin:

Der Umweltgedanke wird großgeschrieben

Seit nunmehr 29 Jahren verkauft er Papier. Erst befand sich das Geschäft in der Langenscheidtstraße, dann zog Verspohl um in den geliebten Akazienkiez. In der Anfangszeit verkaufte er ausschließlich recycelte Papiere. „Und Farbbänder für den Computerdruck habe ich selbst noch eingefärbt, mit einer kleinen Maschine im Keller“, erzählt der Quereinsteiger, der sich nach einer Lehre im Außenhandel und einigen geisteswissenschaftlichen Uni-Semestern zunächst mit einem Taxibetrieb selbstständig machte.

Doch nur auf Recycling-Material zu setzen, ließ sich wirtschaftlich nicht durchhalten, weshalb Verspohl auch anderes Papier in sein Sortiment aufnahm. Dennoch wird der Umweltgedanke bei ihm nach wie vor großgeschrieben. „Wenn ein Produkt in einer umweltfreundlichen Variante lieferbar ist, geben wir dem den Vorzug“, erklärt er. So hat er unter anderem aus Restholz gefertigte Buntstifte im Sortiment. „Außerdem sind alles Fairtrade-Waren“, fügt er hinzu.

Seine Produkte bezieht Verspohl vornehmlich von kleinen Manufakturen aus dem In- und Ausland. Gern kauft er bei jungen Firmen ein. „Die haben oft ausgefallene Sachen, die noch nicht so bekannt sind“, sagt er. „Ein toller Effekt ist zudem, dass die Jungen im Papierbereich fast alles auf Recyclingbasis produzieren.“

Kleine Berliner Firmen liefern zu

Regelmäßig bezieht das „Papierhaus“ auch Waren von kleinen Berliner Firmen – wie die hölzernen, mit bunt gemusterten Papieren bezogenen Klemmbretter oder einiges aus dem umfangreichen Post- und Grußkartensortiment. Da gibt es Karten für jeden Anlass – sogar Klappkarten zur Geburt eines Dackelwelpen („Welcome to the world, little sausage“) mit liebevoll gezeichneten Teckeln auf dem Deckblatt.

Einen festen Platz haben in Vers-pohls Sortiment auch Geschenkpapiere in vielfältigen Designs. Manche der Papiere sind allerdings viel zu edel, um darin Präsente einzuwickeln. Ein Bogen aus handgeschöpftem japanischem Papier, bei dem im Siebdruckverfahren jede Farbe einzeln aufgetragen wurde, schlägt da schon mal mit 75 Euro zu Buche. „Das sind Bögen, die sich Kunden als Raumdeko auf Rahmen ziehen“, erklärt Verspohl. Oder Origami-Fans und Hobbybuchbinder, die ein besonderes Bezugspapier für ihre Buchdeckel oder Schachteln brauchen.

Papierhaus Felix Verspohl Belziger Str. 18, Schöneberg, Mo.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr, Tel. 78 95 44 04, Onlineshop: www.cailun.de – übrigens ein von Aina Verspohl, die den Onlineshop aufgebaut hat, mit Bedacht gewählter Name: Cai Lun hieß der Chinese, dem die Erfindung des Papiers zugeschrieben wird.

Berliner Handwerk und Manufakturen – eine Auswahl

  • Schreibstatt Baerwaldstr. 51, Kreuzberg, Hotline: 89 20 47 66 (Mo.–Fr. 10–17 Uhr), der Webshop unter www.schoene-briefe.de richtet sich vornehmlich an Privatleute. Infos zur Manufaktur für Handgeschriebenes unter www.schreibstatt.de.
  • Weilensee Art Service Im „Weilensee“ an der Kreuzberger Bergmannstraße kann man sich Bilderrahmen auf Maß fertigen lassen. Außerdem verkauft Sascha Fricke limitierte Druckgrafik mit vielen Motiven von Berliner Künstlern, Bergmannstr. 9, Kreuzberg, Di.–Sbd. 12–18 Uhr, Tel. 694 95 32, www.weilensee.de
  • Anja Idehen Restaurierte ­Gemälde und vergoldete Oberflächen. Fechnerstr. 3, Wilmersdorf, Tel. 26 54 77 27, mit Terminvereinbarung, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, www.das-schoene-bewahren.de
  • Blaudruckatelier Der gelernte Textildrucker Holger Starcken führt das Kunsthandwerk in seinem Atelier fort. Hohenbinder Steig 1, Rahnsdorf, Besuch nur nach Voranmeldung, anfrage@blaudruckatelier-starcken.de oder Tel. 648 92 00, www.blaudruckatelier-starcken.de
  • Knit Knit Die Wienerinnen Linda Sykora und Lisa Benischek zeigen in ihrem Strickladen mit Kursen und einem gut sortierten Online-Shop, dass Stricken ein modernes Hobby sein kann. Linienstr. 154, Mitte, Tel. 98 36 64 30, Di.–Fr. 14–19 Uhr, Sbd. 12–16 Uhr, www.knitknit.de