Berliner Perlen

Ausgesuchte Möbelstücke und Designobjekte in Friedrichshain

| Lesedauer: 6 Minuten
Madeleine Pollard
Selfmademann Lars Triesch ist ein glühender Verfechter des amerikanischen Designs.

Selfmademann Lars Triesch ist ein glühender Verfechter des amerikanischen Designs.

Foto: Paula Ragucci

Lars Triesch ist Sammler von Vintage-Möbeln. Er machte seine Leidenschaft zum Beruf. Ein Treffen mit dem „Original in Berlin“-Inhaber.

Berlin. Lars Triesch lebte gedanklich schon immer in der Vergangenheit. Der 1979 in ­Koblenz geborene Sammler alter Möbel verbrachte seine Teenagerjahre inmitten der US-amerikanischen Kultur der 1950er- und 1960er-Jahre. Während seine Altersgenossen die elektronische Musik begrüßten, las er Beat-Literatur und hörte Elvis auf dem Plattenspieler. Im Alter von 18 Jahren überzeugte er seinen Vater, ihm das Geld für seinen ersten Oldtimer zu leihen – einen 1956er Chevrolet Bel-Air. Mit 20 begann er, Möbel und Designobjekte zu sammeln.

„Ich wollte nicht nur die Musik hören und all die Filme sehen, sondern auch den Lebensstil haben. Ich fing an, Möbel am Straßenrand zu finden und Bücher über Architektur und Design zu kaufen“, so der Sammler, während er zwischen den turmhohen Regalen von „Original in Berlin“ sitzt, seinem Geschäft für moderne Möbel aus der Mitte des Jahrhunderts in Friedrichshain, das den Höhepunkt dieser lebenslangen Faszination für alte Gegenstände darstellt. „Je mehr ich gestöbert habe, desto mehr habe ich mich spezialisiert“, sagt Triesch.

„Original in Berlin“: Vom Musiker zum erfolgreichen Unternehmensgründer

Was als Leidenschaft begann, wurde nur aus der Not heraus zum Beruf. Triesch hat nie studiert. Er lehnte „klassische Wege des Broterwerbs“ ab und verbrachte seine ersten Jahre nach dem Schulabschluss als Schlagzeuger der Indie-Rock-Band Profession Reporter. Nach der Auflösung der Gruppe zog er 2009 mit seiner Frau nach Berlin. „Ich hatte keine Ahnung, was ich machen wollte, was in Berlin normalerweise in Ordnung ist. Aber meine Frau wurde ein paar Wochen nach unserem Umzug schwanger. Und ich wusste, dass ich etwas tun musste.“

2010 eröffnete er einen kleinen Laden an der Karl-Marx-Allee und begann mit der Beschaffung, Wiederbelebung und dem Vertrieb von Möbeln. „Original in Berlin“ hat sich inzwischen in einen 10.000 Quadratmeter großen Showroom verwandelt, der über eine Werkstatt, ein Team von lokalen Handwerkern und ein umfangreiches Netzwerk von Experten im Ausland verfügt. Trieschs sorgfältig kuratierte Kollektion umfasst Stücke von renommierten europäischen Designern wie Charlotte Perriand, Gio Ponti und Hans J. Wegner. Sein lukrativster Verkauf war eine Jean Prouvé-Credenza – für 100.000 Euro.

Richtig begeistert ist er jedoch von den Amerikanern wie George Nakashima, Jens Risom, Hans und Florence Knoll und Charles Eames. „Meine Lieblings­design-Epoche sind die späten 1940er- und ­frühen 1950er-Jahre“, sagt er. „Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nicht viel Geld für Materialien, also mussten die Designer erfinderisch werden. Sie hielten ihre Polstermöbel einfach, nicht überladen. Das ist einfach nur schön.“

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Doch wie erkennt Triesch eigentlich einen Schatz? „Am Ende des Tages ist es Bauchgefühl. Ich habe in meinem Leben schon so viele Möbel gesehen, dass ich sagen kann, wie viele Stunden in einem Stück stecken.“ Sein Fachwissen beschränkt sich nicht nur auf Möbel. Während seiner Reisen nach Palm Springs und Los Angeles war Triesch fasziniert von den gläsernen, kantigen Häusern moderner Architekten wie Frank Lloyd Wright, Richard Neutra und Ray Kappe aus der Mitte des Jahrhunderts.

2017 wandte sich Triesch an den damals 89 Jahre alten Kappe und bat ihn, für seine Familie in Kleinmachnow am südwestlichen Stadtrand von Berlin ein Haus im kalifornischen Stil zu entwerfen. Kappes Firma zögerte zunächst, außerhalb der USA zu bauen, aber Triesch überzeugte sie mit seiner Begeisterung. „Ich war sehr zuversichtlich. Ich sagte, ich schaffe das, ich habe ein Geschäft, Handwerker, ein Auge für Details“, erinnert er sich – und seine Augen leuchten bei der Erinnerung an die Herausforderung. „Ich habe ihn überzeugt, dass ich es schaffen kann.“

Triesch hatte in jeder Phase des Baus seine Hand im Spiel. Da er bei der Qualität keine Kompromisse eingehen wollte, reiste er selbst nach Kalifornien, um das 300 Jahre alte Rotholz für die Verkleidung zu sammeln. Die Douglasie für die Türen und Fenster wurde aus Kanada bezogen. Vier Jahre später ist die „Triesch Residence“ fast fertig. So wie er die Langlebigkeit gut gestalteter Objekte verehrt, hat Triesch das Gefühl, dass dieses „Stück amerikanischer Designgeschichte in Deutschland“ ihn überdauern wird. Obwohl er selbst in dem Haus wohnen wird, will er seine Kreation im Rahmen von Veranstaltungen mit der Öffentlichkeit teilen: „Häuser von Ray Kappe waren schon zu seinen Lebzeiten Denkmäler. Irgendwann wird das Vermächtnis des Hauses größer als die Person, die es gebaut hat.“

Original in Berlin Karl-Marx-Allee 83, Friedrichshain, Tel. 60 93 60 46, Do.+Fr. 12–19 Uhr, Sbd. 12–16 Uhr, www.originalinberlin.com

Besondere Möbelläden und Design-Boutiquen in Berlin (Auswahl)

  • Eventpaletten Möbel aus Euro-Paletten, Dorfstr. 32, Spandau, Tel. 0173/232 33 14, www.eventpaletten.de
  • BoConcept Skandinavische Designermöbel, Strausberger Platz 19, Friedrichshain, Filialen: Kantstr. 17 im Stilwerk, Charlottenburg, Friedrichstr. 63, Mitte, Mo.–Sbd. 10–19 Uhr, www.boconcept.com
  • Coroto Berlin Hochwertige Design-Vintage-Möbel aus den 1950er- bis 1980er-Jahren mit europäischer Herkunft, Karl-Marx-Allee 134, Friedrichshain,Sbd. 12–18 Uhr, Tel. 29 77 76 55, www.coroto.de
  • Glenk und Hansen Design-Klassiker des 20. Jahrhunderts, Keithstr. 13, Charlottenburg, Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter 0172–431 85 47, www.glenkundhansen.de
  • Dopo Domani Erlesenes Interieur, Kantstr. 148, Charlottenburg, Mo.–Fr. 10.30–19 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr, Tel. 688 13 29 70, www.dopo-domani.de
  • Exedra Schlichte Massivholzmöbel und passendes Wohnaccessoire, Alt-Moabit 110, Moabit, Tel. 39 80 63 61, Mo.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr, www.exedra-berlin.de
  • 10119 Design Designer-Möbel, Linienstr. 106, Mitte, Di.–Fr. 14–19 Uhr, Sbd. 12–18 Uhr, Tel. 24 08 52 62, www.10119.de

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