Berliner Perlen

Das "b-ware!Ladenkino" ist ein Mekka für Filmfans

| Lesedauer: 7 Minuten
Martin Schwarz
Hereinspaziert in die bunte Welt der Filme: Das b-ware!-Ladenkino ist Lichtspielhaus und Videothek zugleich.

Hereinspaziert in die bunte Welt der Filme: Das b-ware!-Ladenkino ist Lichtspielhaus und Videothek zugleich.

Foto: Martin Schwarz

Das „b-ware!Ladenkino“ in Friedrichshain ist ein Lichtspielhaus mit exzellenter Programmauswahl – und zugleich auch eine Videothek.

Berlin. Über der Eingangstür steht mit Klebeband das Wort „Kino“ geschrieben. Weiter rechts wurde ein Werbebanner für „Video and Games“ mit offenbar demselben Klebeband demonstrativ durchgestrichen. Dazwischen: eine Art Straßenwarnschild mit einem Auge, daneben das Wort „Filmkunst“. Drum­herum: Graffiti, Filmplakate – das übliche kreative Durcheinander, wie es in dieser Gegend in Friedrichshain rund um die Boxhagener Straße nicht unüblich ist.

Den Schriftzug „b-ware!Ladenkino“ sucht man also an der Gärtnerstraße 19 vergebens. Ist ja auch kompliziert, dieser Name. „b-ware!“, das bezieht sich zum einen auf das englische „beware!“, also „Vorsicht!“. Zugleich wird ironisch darauf verwiesen, dass man es hier mit „B-Ware“, also nicht unbedingt gelackten Hochglanzprodukten zu tun bekommen könnte. Und „Ladenkino“ ist der Hinweis darauf, dass dies eben beides ist: Laden und Kino.

Der Mastermind hinter dem Ganzen heißt Paulo Manuel Goncalves Da Senhora, ein Ostfriese mit portugiesischen Wurzeln. Ein Name, der deutschen Zungen nicht leicht über die Lippen geht, weshalb sich Da Senhora schon mit diversen Spitznamen konfrontiert sah. Hängengeblieben ist der Name „Skalli“, so nennen ihn alle. „Die Agentin aus der Fernsehserie ‚Akte X‘ hieß Scully“, erklärt er. Manch einer denkt, dass das sein richtiger Name wäre. „Ich finde es immer lustig, wenn mich die Leute mit ,Herr Skalli‘ anreden“, so Da Senhora. Weitere Markenzeichen des langjährigen Filmunternehmers: die Wuschelhaare und das ansteckende Lachen.

In den Gängen stapeln sich die DVD-Hüllen

Und das ist bei einem Gespräch mit ihm oft zu hören, obwohl es schon seit Längerem nicht viel zu lachen gibt. Denn auch diesem Kulturbetrieb hat die Pandemie übel mitgespielt – und tut es noch, und das vor allem im Kinobereich. Betritt man das gemütliche, recht schummerige Foyer, dann führen verschlungene Wege in die drei ­Kinosäle mit 85, 60 und 32 Sitzplätzen. Die sind normalerweise gut gefüllt, auch in den Nachmittagsvorstellungen. „Doch leider haben wir momentan Zuschauerzahlen wie im Hochsommer“, sagt Skalli. „Die Leute schrecken wegen Corona vor einem Kinobesuch zurück. Hatten wir an einem normalen Wochenende früher in dieser Jahreszeit um die 1200 Besucher, so sind es jetzt leider nur 400.“

Doch es gibt ja noch das zweite Standbein des „b-ware!Ladenkinos“: die Videothek. In den Gängen sind die Filme zu Abertausenden in Regalen und Ordnern sortiert: DVD-Hüllen mit Filmkunst aus aller Welt, mehr als 16.000 Titel. Während der ersten Lockdowns mussten die Kinosäle zwar schließen, die Videothek durfte aber wie Buchläden geöffnet bleiben, so kam etwas Geld rein. Das war aber kein Vergleich zu den vielen Spenden von Stammgästen. Skalli muss nämlich zugeben, dass die Sache mit der Videothek Liebhaberei ist, der geringe Umsatz liege vor allem an der Altersstruktur hier im Kiez: „In Friedrichshain leben viele junge Menschen aus der ganzen Welt, und die streamen eher Filme als sie ­auszuleihen.“

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Nur noch sechs statt zwölf Mitarbeiter - wegen der Pandemie

Das Virus ist auch daran schuld, dass die Ordnung bei den auszuleihenden Filmen in den vergangenen Monaten sehr gelitten hat. „Unser Mitarbeiterstab hat sich von zwölf auf sechs Personen reduziert“, sagt Skalli, „da bleibt jetzt vieles liegen.“ Doch ein gesuchter Film, wenn er denn vorrätig ist, wird auch gefunden, dafür sorgt das Computersystem. Und das ­bedient der jeweils Diensthabende. Der ist in einem so kleinen Betrieb eine Multi­funktionskraft. „Bei uns macht eine Person alles: Kinokarten verkaufen, den Tresen bedienen, die Filme starten, DVDs verleihen, die Zuschauer in die Säle ­führen“, erklärt Skalli. Ein anspruchsvoller Job mit entsprechend langer Anlernphase.

Seit 2010 sind die Bereiche DVD-Verleih und Kino hier in der Gärtnerstraße vereint. Vorher führte Skalli ab 2005 an der Revaler Straße den Verleih und seit 2004 parallel das Kino. Als dann eine große Video­thek an der Gärtnerstraße die Räume aufgab, schlug Skalli zu. „Die Vorbesitzer haben ganz viel stehengelassen, sodass wir die Regale direkt für unsere DVDs nutzen konnten.“

Flexibel, das war Skalli schon immer. Aber man spürt auch, dass den demnächst 50-Jährigen die Pandemie mitgenommen hat. Das ist ja eines der Hauptprobleme der pandemischen Lage: Überall in der Stadt, egal in welchem Bereich, geraten Menschen, die leidenschaftlich ihrem ­Metier nachgehen, dabei aber immer gerade so über die Runden kamen, an ihre Grenzen. Das spürt auch Skalli – und hat dennoch sein ansteckendes Lachen nicht verloren.

b-ware!Ladenkino Gärtnerstr. 19, Friedrichshain, Tel. 20 07 88 88, tägl. ab 11 Uhr, DVD-Verleih ab 11.30 Uhr, Kinokarten: 6,50, erm. 5,50 Euro, Verleih: Ausleihen pro Film und Geschäftstag 1,60 Euro oder mit der Flatrate für 20 Euro/Monat, www.ladenkino.de

Videotheken in Berlin (Auswahl)

  • Videodrom Hervorragendes Angebot, guter Service. Filme: 3,60 Euro, drei Filme: 10 Euro. Flatrate: 25 Euro/Monat, jeden Tag einen Film leihen, Zehnerkarte 29,90 Euro. Friesenstr. 11, Kreuzberg, Tel. 692 88 04, Mo.–Fr. und So. 15–22 Uhr, Sbd. 13–23 Uhr, www.videodrom.de
  • Filmgalerie Berlin Mitte Rund 28.000 Filme sind im Verleihangebot, darunter viel Anspruchsvolles. Invalidenstr. 148, Tel. 23 45 79 11, Mo.–Sbd. 12–22 Uhr, So. 14–22 Uhr, Filme: 3,50 Euro, Jahres-Flatrate: 144 Euro, www.filmgalerie-berlin.de
  • Filmkunstbar Fitzcarraldo Eine Bar mit Videoverleih. Und die verweist auf der Homepage auf rund 10.000 Filme. Reichenberger Str. 133, Kreuzberg, tägl. 17–0 Uhr, www.cinegeek.de
  • Video Inn Die Videothekenkette mit den drei Fililialen bietet auch Filme zum Kaufen, Videospiele, Getränke und Knabbereien. Hellersdorfer Str. 231, Hellersdorf, Tel. 995 09 28, Mo.–Sbd. 12–21 Uhr; Havemannstr. 12, Marzahn, Tel. 543 28 25, tägl. 10–23 Uhr; Ribnitzer Str. 24, Hohenschönhausen, Tel. 962 16 05, tägl. 10–23 Uhr, www.video-inn.com
  • Video Center Greifswalder Str. 169, Prenzlauer Berg, Tel. 42 08 72 42, Mo.–Sbd. 10–23 Uhr, So. 12–23 Uhr; Frankfurter Allee 62, Friedrichshain, Tel. 29 77 90 03, Mo.–Sbd. 9–23 Uhr, So. 11–23 Uhr; Hermannstr. 225, Neukölln, Tel. 81 47 49 40, Mo.–Sbd. 10–23 Uhr, So. 12–23 Uhr

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