Berliner Perlen

Ein Platz für Kreative zum Stöbern, Arbeiten und Verweilen

Mode, Wellness & Ernährung: Mit dem "Léonce Concepts" führt Susanne Klemmstein das weiter, was sie mit dem Lifestylemagazin „Léonce“ begonnen hat.

Schmuck, Mode oder exklusive Lebensmittel: Susanne Klemmstein in ihrem Laden in Prenzlauer Berg

Schmuck, Mode oder exklusive Lebensmittel: Susanne Klemmstein in ihrem Laden in Prenzlauer Berg

Foto: Massimo Rodari

Hölzerne Hände baumeln von der hohen Decke. Eine hält ein Badehandtuch, eine andere ein T-Shirt, eine dritte eine kleine Tasche. Die textilen Objekte sind in Blau und Weiß gehalten. Das mutet nach Sommer, Strand und Urlaub an. Durch das weit geöffnete Fenster wird die eine kleine, in Eiscrèmefarben gehaltene Sitzecke von der Sonne beschienen. Susanne Klemmstein, eine hochgewachsene Blondine, rückt wollene Kissenhüllen und Lampenschirme zurecht. „Die stammen von einem Freund, Thomas Overesch, einem Zwei-Meter-Mann, der abends strickt“, erzählt die Berlinerin, die ein Faible fürs (Um)Dekorieren hat.

In der Vitrine schräg gegenüber fallen alte Porzellandeckel ohne passende Unterteile auf. „Karina Wendt kombiniert sie neu, mit mundgeblasenen Schälchen“, so Klemmstein, „die Statement-Ketten im obersten Regal werden von Stephanie Foss-Hoffstedde gefertigt.“ Auch die Schmuckdesignerin gehört zum Bekanntenkreis von Susanne Klemmstein. „LeónceConcepts ist eine Plattform für Kreative, viele kenne ich schon lange“, sagt sie. Léonce, der Name mag vielen ein Begriff sein. „Léonce war ein Lifestylemagazin, eine Art „Elle für Berlin“, in dem es um Mode, Schönheit, Wellness und Ernährung ging. Und die Herausgeberin wurde „Frau Léonce“ genannt. Das Magazin, das mehr als 20 Jahre lang auf dem Markt war, gibt es seit knapp vier Jahren nicht mehr als Printversion.

Mit LéonceConcepts hat Susanne Klemmstein, eben jene ehemalige Herausgeberin, eine Art Wiedergeburt vollzogen: Das Magazin präsentiert sich neu, als Concept Store. „Print auf die Fläche bringen“, beschreibt sie es selber. Den Anfang machen neben Schmuck auch ausgewählte Mode von Reinberger Couture und Krill Berlin, keine Riesenchargen, eher klein und fein. Das gilt auch für den Foodbereich. Susanne Klemmstein offeriert Delikatessen made in Berlin wie Kaiser Honig, Fruchtbrände von Fräulein Brösel, Gewürze von Pot & Pepper oder O’Donnell Moonshine, deren Grapefruit-Hagebutten-Likör sie auch für ihren Sommerdrink „Léoncesecco“ verwendet.

In einem kleinen Café wird Selbstgebackenes angeboten

Das Thema Beauty steckt noch in den Kinderschuhen. „Ich suche noch nach einer Marke, die ich möglichst exklusiv anbieten kann“, so die Chefin, die dabei auf die Hilfe ihrer Schwester, die Kosmetikerin ist, zählen kann. Mit ihrem Ende April eröffneten, rund 110 Quadratmeter großen Laden, dessen Interieur nach dem Motto „Emotionen poetisch inszeniert“ von dem Berliner Design Büro DvonK gestaltet wurde, hat sie nicht nur eine Verkaufsgalerie geschaffen. Im hellen, in Weiß und Gelb gehaltenen vorderen Raum gibt es auch ein kleines Café.

Auf dem Tresen liegen unter einer für „Stulle & Co.“ vorgesehenen Glashaube appetitliche Pastrami-Toasts mit Mango-Chutney und Senfsamen, in einem anderen Behältnis kleine Cantucci-Kekse. „Die sind auch von einem Freund, der ein Faible fürs Backen hat“, so die 54-Jährige, die im Grunde alles in ihrem Café selber herstellen könnte. Die Berlinerin ist gelernte Köchin. „Ich habe im ehemaligen Palasthotel gearbeitet und später auch im Deutschen Theater, wo mein Vater einst Bühnenmeister war“, erzählt die in Lichtenberg geborene Klemmstein, die kurz vor dem Mauerfall, im Sommer 1989, nach West-Berlin kam.

„Anfangs habe ich als Model und Kleindarstellerin mein Geld verdient und mit Mitte Dreißig eine Umschulung zur Werbekauffrau gemacht. Danach bin ich ins Anzeigengeschäft im Mode Center Berlin eingestiegen, bevor ich als selbständige Mediaberaterin bei einer Tochter der Zweiten Hand Verlagsgruppe, zu der das Léonce Magazin und der Gastro Lloyd-Restaurantführer gehörten, tätig wurde“, so die Powerfrau. 2004 wurde sie mit der Gründung der Léonce Verlags GmbH selber zur Herausgeberin.

Ein Platz zum Stöbern, Feiern und Arbeiten soll es sein

Im Léonce Concept Store laufen ihre Jobs und Leidenschaften zusammen. Da sei sie nun, sagt sie und ihr erklärtes Ziel sei es, eine kommunikative und kreative Gastgeberin zu sein und ihren Gästen und Kunden einen behaglichen Platz zum Verweilen, Stöbern, Feiern und Arbeiten anzubieten. So hat sie den hinteren, gemütlich dunkel gehaltenen Teil des Ladens, dessen Zentrum ein großer Tisch bildet, zum Worklab erklärt: für Seminare und Workshops oder für private Feiern, alles im kleinen, unkonventionellen Rahmen, stunden- tage- oder wochenweise buchbar. An Ideen mangelt es nicht. Mit dem Supper Club „Daniel’s Eatery“ hat sie ein Dinnerevent kreiert, mit dem Visagisten Andrej Baranow einen Make up-Workshop veranstaltet.

Mit ihrem Dreiklang aus Café, Store und Worklab hat sie den Léonce-Ursprung als Magazin und dem damit verbundenen gedruckten Wort nicht gänzlich ad acta gelegt. Wer weiß, sagt sie, ob daraus nicht auch wieder ein neues Print-Produkt entstehen könne.

LéonceConcepts Wichertstr. 69, Prenzlauer Berg, Tel. 536 01 99 11, Di.-Fr. 11-19 Uhr, Sbd. 10-19 Uhr, Café auch So. 10-19 Uhr, www.leonce.de,