Für Barbara Riekenberg dürfte es immer der Duft von Limone oder Orange sein, bei ihrem Mann Andreas das erdig-würzige, Patchouli-ähnliche „Terranova“. Doch die Nase allein ist nicht entscheidend. Jedenfalls nicht bei Seife. „Sie muss rückfettend sein, damit die Haut nicht austrocknet und kein Spannungsgefühl erzeugt wird“, so die Spandauerin. Industriell gefertigte Produkte sind das in der Regel nicht. Barbara Riekenberg kann sich entspannt zurücklehnen. Sie ist Seifenmacherin. In der Zitadelle Spandau. „Oberhalb des Fledermauskellers“, schmunzelt sie.

Die Zitadelle ist nicht nur eine der am besten erhaltenen europäischen Renaissance-Festungsanlagen und kann mit dem Juliusturm das älteste Bauwerk Berlins ihr eigen nennen, sie ist auch ein Kulturort. Zum einen für Open-Air-Konzerte, wie gerade das „Citadel Music Festival“ lautstark unter Beweis stellt, zum anderen auch für Berliner Kunsthandwerker. Der Weg in die Seifenmanufaktur und den Verkaufsraum ist ein gemächlicher. Über den Festungsgraben und den pflastersteinigen Innenhof führt der Weg linkerhand zu einem Quergebäude. Erster Eingang, Hochparterre – erst einmal begegnet man der Musik. Der Verein Klang-Holz fertigt dort Musikinstrumente.

Barbara Riekenberg hat bereits ihre Tür geöffnet, sie macht Termine nach Vereinbarung. Es riecht unverkennbar nach Seife, obwohl sie heute keine Seife hergestellt hat. Der schmale Verkaufsshop ist nicht nur für die Nase ein hübsches Erlebnis. Liebevoll dekoriert und platziert reihen sich Seifenstücke aneinander. Es gibt aber auch originelle Badewannen-Quietsche-Entchen, dekorative Seifenschalen und Parfümflakons aus Frankreich, die wie Zigarrenhüllen aussehen. Das Regal in der Wandmitte spricht ebenfalls die Nase an. „Ich stelle nicht nur Seife, sondern auch Naturkosmetik her“, sagt die 57-Jährige.

Im Keller der Eltern hatte sie ihr eigenes Chemielabor

Weder das eine noch das andere stand am Anfang ihrer beruflichen Karriere im Fokus. Vielmehr kommt Barbara Riekenberg aus einer ganz anderen Sparte. „Ich bin gelernte Zahntechnikerin“, erzählt sie. Ein Beruf, der ihr Spaß gemacht und den sie viele Jahre ausgeübt hat. Bis Mitte der 90er-Jahre, als es, wie sie sagt, begann um Masse und nicht mehr um Qualität zu gehen. Weil sie sich schon immer für Chemie interessiert hatte, die Lehre von den Stoffen in der Schule zu ihren Lieblingsfächern gehörte und sie früher im Keller ihrer Eltern ein eigenes Chemielabor hatte, kam sie auf die Idee, einfach einmal Seife herzustellen.

Im Freundes- und Bekanntenkreis ließ sie ihre Kreationen auf Hautgefühl und Ergiebigkeit testen. Zufrieden mit den Ergebnissen ungewöhnlicher Seifenkreationen, entschloss sie sich, beim Weihnachtsmarkt auf dem Gutshof Gatow einen Verkaufsversuch zu starten. „Ein Erfolg“, erinnert sie sich. „Eine Kundin kam einen Tag später wieder und wollte noch eine Limonenseife kaufen, da war der Bestand schon alle.“ Sie erweiterte ihre Tätigkeiten und Marktpräsenz, war auch auf dem Markt auf dem Kollwitzplatz anzutreffen. „Auf Märkten lernt man fürs Leben, sammelt Erfahrungen übers Verkaufen und über Kunden“, zieht sie Bilanz. Zudem begann sie Naturkosmetik herzustellen. Ostern 2008 hatte sie bei einem Fest einen Stand in der Zitadelle Spandau, bei dem ihr angeboten wurde, Produktionsstätte samt Laden in der alten Festung zu eröffnen. Und sie griff zu.

Lavendel-, Rosen- und Brombeerseife

Seife wird gekocht oder, wie Barbara Riekenberg es praktiziert, kalt gerührt. „Ich arbeite mit natürlichen Ölen wie Mandel- oder Jojobaöl, und natürlichen Pflanzenfetten“, erzählt sie. Ätherische Öle sorgen für den Duft ihrer Lavendel-, Rosen-, Mango-, Orangen-Zimt-, Kaffee- oder Brombeerseife. Bevor eine Seifenkreation verkauft werden darf, muss sie ein Prüfungsverfahren durch ein chemisches Institut durchlaufen. „Jede Zutat braucht eine Zertifizierung, die Allergene müssen aufgelistet sein und es muss ein Sicherheitsdatenblatt geben“, beschreibt sie das aufwändige und kostenintensive Prozedere, das bei jeder neuen Seife rund einen Monat in Anspruch nimmt.

Ihre Rezepturen entwickelt sie für 20 bis 80 Stück Seife. Rund drei Stunden, so Riekenberg, dauere die Produktion von 40 Seifen. „Die Seifen kommen dann für zwei Tage in eine Wärmebox, dann einen Tag in den Kühlschrank, damit sie sich besser aus der Form lösen lassen, werden mit meinem Seifenengel-Logo gestempelt und trocknen dann für vier bis sechs Wochen auf Holzbrettern“, so Riekenberg.

Mix aus Blüten und Salzen im Beutel für die Badewanne

Dadurch verlieren die Seifen rund fünf bis zehn Prozent ihres Schneidegewichts. Zwischen 4,70 und 4,90 Euro kosten die Seifen. „Durch die natürlichen Zutaten halten sie ewig“, ergänzt sie. An Naturkosmetik produziert sie etwa Körperpeelings, Milchbäder, Massa­geöle und „Badetees“, ein Mix aus Blüten und Salzen, die in einem Beutelchen ins Badewasser gehängt werden. Wenn Barbara Riekenberg auch ein Faible für Düfte hat, so hat sie dennoch eine duftfreie „Feel free“-Serie entwickelt. „Das sind Seifen und Naturkosmetika für Allergiker und Kinder“, so die „Ein-Frau-Unternehmerin“ über ihre neuesten Manufaktur-Produkte made in Spandau.

Die Seifenengel Am Juliusturm 64, Spandau, Tel. 35 40 24 07, 0172/324 86 08, www.die-seifenengel.de, Termine nach Vereinbarung Do.–So. 12–18 Uhr