Berliner Perlen

Kekse für King Kalle und Richard Löwenherz

Bäcker Matthias Schellhorn bietet in seinem Wilmersdorfer Laden „Königsplätzchen“ an - Hunde-Leckerlis aus eigener Backstube.

Hundekeks-Bäcker Matthias Schellhorn mit Hund Richard „Ricky“ Loewenherz im Arm. Im Schaufenster thront King Kalle

Hundekeks-Bäcker Matthias Schellhorn mit Hund Richard „Ricky“ Loewenherz im Arm. Im Schaufenster thront King Kalle

Foto: Sergej Glanze / Glanze

King Kalle kennt das schon. Posieren fürs Foto. Erst den Umhang um, dann die Krone auf und noch mal die, wäre er ein Zweibeiner, Barthaare gebürstet. Für "Brüderchen" Richard "Ricky" Löwenherz ist das mit seinen 15 Monaten noch ungewohnt. Lieber spielt er mit der Stativtasche des Fotografen. Egal, auch für ihn gibt es nach der Foto-Session ein Leckerli. Keine Standardware aus dem Supermarkt, sondern einen vegetarischen Kallebanana-Keks mit Banane, Apfel, Dinkelvollkornmehl, Haferflocken, Olivenöl und einer Prise Salz, eigens gebacken vom Herrchen.

Bei aller Hundeliebe – geht die eigene Keksbackstube für die Vierbeiner zu weit? "Nein, im Gegenteil", sagt Herrchen Matthias Schellhorn. Vielmehr wurde die Idee, die im Mai letzten Jahres zur Eröffnung des kleinen Ladens samt angeschlossener Backstube, insgesamt rund 36 Quadratmeter, "Königsplätzchen – Die Hundekekserei" führte, aus der Not heraus geboren. Der gebürtige Berliner, der mit seiner Familie in Wilmersdorf lebt, kam wie die Jungfrau zum Kinde.

Eines Tages kam der Bäcker auf den Hund

"Ich und ein Hund, das war früher das letzte, was ich mir vorstellen konnte", gesteht der 45-Jährige. Als jedoch seine Mutter vor vier Jahren unheilbar an Krebs erkrankte, nahm er ihr das Versprechen ab, Kalle niemals in ein Tierheim zu geben. Als er den Zwergrauhaardackel einen Tag auf Probe mit nach Hause nahm, war klar, dass eine Männerfreundschaft geboren war.

"Meine Frau hat gleich gesehen, dass wir uns verstehen, und meine Tochter hatte ihn eh schon ins Herz geschlossen", erzählt er. Gleichzeitig begann Schellhorn, der zu diesem Zeitpunkt "Hausmann mit genug Zeit" war, Fotos von Kalle auf Facebook zu posten. Aus anfangs 20 Followern sind inzwischen 1350 geworden.

"Ich habe ihn auf einem Sessel fotografiert, und die Leute sagten, er sehe aus wie ein König. So entstand der Name König Kalle. Eine Schneiderin sagte dann noch, er brauche einen Umhang und eine Krone. Drei Tage später hatte sie mir die Sachen geschickt", erzählt er.

Als das Tier kränkelte, fing das Herrchen an zu backen

Als der damals sechsjährige Kalle zu kränkeln begann, wurden vom Arzt Allergien auf zahlreiche Produkte diagnostiziert. "In den Tiernahrungsgeschäften musste ich feststellen, dass es keine passenden Hundekekse gab", so Schellhorn. Als gelernter Bäcker und Konditormeister lag die Lösung auf der Hand: Er stellte sich selbst an Herd und Ofen. "Ich habe ihm Kekse aus Reismehl gebacken", erzählt der Wilmersdorfer, der seine Kekskreationen auch übers Netz anbot. "Ich habe Testpakete verschickt, um zu wissen, was gefällt und was nicht", so Schellhorn.

Die gewerbliche Produktion von Futtermittel ist jedoch kein Laienspiel. Es gibt strenge Auflagen und auch das Veterinäramt ist involviert. Selbst für den Backprofi, der schon im KaDeWe gearbeitet hat, war das Neuland. "Man muss jedes Rezept im Labor analysieren lassen. Das kostet Geld", so Schellhorn. "Aber ich fand das sehr spannend und habe mich deshalb gleich richtig reingekniet", so der Bäcker und Konditor, der in punkto Hundekeksbäckerei eine Zusatzqualifikation ablegen musste.

Auch Menschen könnten die Kekse theoretisch essen

Nun ist er "Futtermittelproduzent für Ergänzungsfuttermittel für Tiere, die nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind". Auch Menschen könnten die Kekse theoretisch essen, aber dafür sind sie nicht gemacht. Und, so Schellhorn, nicht jeder Keks sei beim Zwei- so beliebt wie beim Vierbeiner. Selber gesteht er seine Schwäche für warmes Kallebanana mit Nussnougatcreme.

Schellhorn wusste schon als Kind, dass er Bäcker werden wollte. Ob der Anmerkung seines Onkels, dass Konditor "etwas Feineres" sei, absolvierte er diese Ausbildung auch noch. Bei seinen Traumberufen ist er geblieben, bietet heute aber als erster in Berlin hausgebackene, tierproduktfreie Kekse für Hunde an. Die 18 Sorten füllen, sauber verpackt in ökologischen Zellglasbeuteln (1000 Gramm 2,99 bis 4,39 Euro) die Decken hohen weißen Regale des Ladenlokals. Die komplette Einrichtung hat Schellhorn selbst gezimmert.

Alle Sorten sind vegetarisch und, weil er inzwischen Honig durch Agaven­dicksaft ersetzt, auch vegan. Bei den Produkten setzt der Hundekeks-Bäcker, der jeden morgen ab 6.30 Uhr in der Backstube steht, auf Bio-Ware. Die Basis der Kekse ist Dinkel- oder Dinkelvollkornmehl. Zwei Sorten, Kallefree und Kalleschmaus, produziert er glutenfrei mit Soja- beziehungsweise Buchweizenmehl. Letzterer beinhaltet sogar noch Räuchertofu.

Die Königsplätzchen sind vor allem als Belohnung gedacht

So verträglich die Königsplätzchen sind, dienten sie, so Schellhorn, nicht der Kompletternährung. Vielmehr seien sie eine Belohnung. Herrchen hat sie bei Spaziergängen mit dabei, und das führt, wie Hundebesitzer wissen, zu Problemen. Um Krümeln und fettigen Taschen vorzubeugen, lässt der kreative Ladenbetreiber von einer Berliner Schneiderin Leckerli-Beutel nähen. Überhaupt ergänzt er seine Kekse gerne um schöne, praktische und ebenfalls in Handarbeit gefertigte Produkte wie Halstücher und Schnüffeldecken.

Ostern steht vor der Tür, und dafür hat Schellhorn die Sorte "Kalle's Kracheier" aus Dinkelvollkornmehl, Sojamargarine, Speisestärke, Gewürzbrühe, Soja und Vanille kreiert. Neuestes Keksprojekt ist ein Leckerli für den kleinen Richard Löwenherz. "Es wird einen Welpenkeks geben, der weicher ist", verrät der Wilmersdorfer Hundekeksbäcker.

Königsplätzchen – Die Hundekekserei Landauer Straße 16, Wilmersdorf, Tel. 23 91 97 84, www.koenigsplaetzchen.de, Mo.-Fr. 10-12, 13-18.30, Sbd. 10-14 Uhr

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