Berliner Perlen

Alles so schön bunt hier an der Warschauer Straße

In ihrem Geschenkartikelladen „7-9-13 ... macht bunt“ bietet Jana Stiller Larsen Kindermöbel und viel skandinavischen Krimskrams an.

Foto: Joerg Krauthoefer

„7-9-13 ... macht bunt“ – und damit glücklich, da ist sich Jana Stiller Larsen sicher. Bunt sieht die zierliche blonde Frau als Lebenseinstellung und freut sich, wenn ihr kleiner gleichnamiger Laden für Wohnaccessoires, Geschenkartikel und „Kinderzimmerkrümelkram“ an der Warschauer Straße den Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Und tatsächlich heben all die hübsch präsentierten, bonbonbunten Artikel gerade in der trüben Jahreszeit die Stimmung.

Bei der Ziffernfolge 7-9-13 handelt es sich um eine dänische Glücksformel, die vor allem Unheil schützen soll, erzählt sie. Auch Deutschen sind diese magischen Zahlen nicht ganz fremd, denkt man nur an sieben Zwerge, neunköpfige Drachen oder eine 13. Fee. Die Spielerei mit den Zahlen spiegelt sich auch in den Preisen wider. Statt glatter oder x,99-Preise kostet beispielsweise ein Melamin-Becher 5,91 Euro oder ein Teppich 76,88 Euro. Dazu gibt es Aktionen wie eine „Happy Hour“ von 13 bis 14 Uhr oder Schlecht-Wetter-Rabatt.

Design aus Dänemark

Verkauft werden zum Großteil Produkte dänischer Designer, zum Beispiel rice, Madam Stoltz oder småfolk, oft mit einem Augenzwinkern, am liebsten aus sozial gerechter und nachhaltiger Herstellung – Hauptsache immer schön bunt. Die Skandinavier hätten ein ganz anderes Verhältnis zur Farbe, erzählt Jana Stiller Larsen und zeigt zum Vergleich zwei Kinder-Buddelsets, das deutsche in gedeckten Farben, das dänische quietschbunt.

Der Bezug zu Dänemark kommt nicht von ungefähr. Die 38-Jährige ist mit einem Dänen verheiratet, lebte mit Mann und Tochter ein Jahr in Kopenhagen. Während dieser Auszeit reifte die Idee, einen Laden mit Kinderspielzeug und -möbeln in Friedrichshain zu eröffnen. Da sie mit ihrem Job im pädagogischen Bereich unzufrieden war, kündigte sie, absolvierte einen Existenzgründungskurs, suchte und fand schließlich den kleinen Laden im – wie sie sagt – „schönsten Haus der Warschauer Straße“. Tatsächlich steht das 1899/1900 im Neobarock und Jugendstil erbaute Mietshaus mit geschweiftem Giebel, weißer Fassade und schmiedeeisernen Balkonen unter Denkmalschutz und ist als einziges Haus der ganzen Straße im weitgehend originalen Zustand erhalten.

Jede Menge Krimskrams für fast alle Lebensbereiche

„Hier befand sich vorher ein Kosmetiksalon mit abgehängter Decke und hautfarbenen Raufasertapeten“, erinnert sich Jana Stiller Larsen. Glücklicherweise ist ihr Mann Handwerker, so konnten sie den Umbau selbst stemmen. Beim Entfernen der Deckenplatten kam gut erhaltener Stuck zum Vorschein. „Es war ein bisschen so, als ob wir einen Schatz gefunden hätten“, sagt sie. Die Wände wurden von den Tapeten befreit und in einem zarten Grünton gestrichen. Auf den Linoleumboden verlegten sie hellgrau gestrichene Holzdielen, was dem Laden einen Vintage-Look verpasste und ihn zugleich auch viel gemütlicher machte. Nach mehrmonatigem Umbau wurde Ende August 2009 Eröffnung gefeiert.

„Und dann war ich auf einmal Verkäuferin“, sagt Jana Stiller Larsen und lacht. Schwierige Momente gab es natürlich auch seit der Geschäftseröffnung: 2011 kam ihr zweites Kind zur Welt, und da sie sich als Ladeninhaberin keine Elternzeit gönnen konnte, war das Baby immer mit dabei. Anstrengend war auch die Zeit, als die Warschauer Straße saniert wurde: Ein aufgerissener Gehweg und ständiger Baulärm für mehr als ein Jahr gingen auf die Nerven und waren wenig verkaufsfördernd. Über diese Zeit konnte sie sich mit dem Onlineversand retten.

Zu den Kindermöbeln gesellten sich bald viele andere kunterbunte Dinge – von Teigschabern über Lampenschirme und Geschirr bis zu Gummistiefeln – und jede Menge herrlicher Krimskrams für so ziemlich fast alle Lebensbereiche. Neben skandinavischem Design sind auch Stücke „made in Berlin“ zu finden, quasi als regionale Produkte, denn hauptsächlich sind es Touristen, die den von einem Schlüsseldienst und einer Kneipe flankierten Laden betreten. „Manchmal kommen allerdings auch Männer, die Schnittbrot oder Telefonkabel kaufen wollen. Oder sie denken, hier wäre ein Second-Hand-Laden, und bieten Kerzenständer und ähnliches zum Kauf an“, erzählt Jana Stiller Larsen über die Merkwürdigkeiten der Laufkundschaft.

Wer Zeit mitbringt, bekommt einen „Coffee to stay“

Für kleine Läden ist die Warschauer Straße ein schwieriges Pflaster. Hier existieren hauptsächlich Imbissbuden für Partytouristen oder Billigläden. Und pinkfarbener Fassade und viel liebevoller Deko vor dem Geschäft zum Trotz laufen Anwohner oft wie mit Scheuklappen vorbei. Das will Jana Stiller Larsen, die selbst gleich um die Ecke wohnt, mit etwas Nachbarschaftspflege und verschiedenen Workshops verbessern.

Wichtig ist ihr auch, sich vom Mainstream abzusetzen, nicht jedem Trend hinterherzurennen und nachhaltig „ihr Ding“ zu machen: „Upcyling“, aus alten Dingen Neues machen, gehört dazu. Das ist zum Beispiel die alte Tür, die jetzt als Präsentationsfläche dient, sind die bunten Briefumschläge, die früher Katalogseiten waren, oder die Kissenhüllen aus Stoffresten, die mit Aufbügelmotiven verziert sind. Wer ein bisschen Zeit mitbringt, kann bei einem „Coffee to stay“ den Blick über das schier unendlich scheinende Angebot auf der nur 20 Quadratmeter kleinen Verkaufsfläche schweifen lassen. Und dann noch einmal in aller Ruhe stöbern.

7-9-13 ... macht bunt Warschauer Str. 26, 10243 Berlin, Mo.-Fr. 12-18.30 Uhr,
Sbd. 12-15.30 Uhr, Tel. 488 29 604,
www.7-9-13machtbunt.de