Berliner Perlen

Wo auch Tante Emma einkaufen würde

Im Kochwarengeschäft „Coledampf’s“ finden Hobbyköche und Profis Tausende Artikel rund um die schönste Nebenbeschäftigung der Welt.

Seit zwei Jahren ist Josephin Ehrig Alleininhaberin des Kochwarengeschäfts „Coledampf’s CulturCentrum“ in Wilmersdorf

Seit zwei Jahren ist Josephin Ehrig Alleininhaberin des Kochwarengeschäfts „Coledampf’s CulturCentrum“ in Wilmersdorf

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Vor 20 Jahren, Berlin kämpfte mit den Folgen der Vereinigung, brach in Berlin die Zeit der Kocheuphorie an. In TV-Sendungen brachten Köchinnen und Köche die Menschen auf den Geschmack, sich mehr mit Gastronomie und Kulinarik zu beschäftigen. Mehr und mehr Restaurants, Bistros, Cafés und Imbisse wurden in der Stadt eröffnet.

Auch selber kochen war plötzlich enorm hip geworden. Und natürlich gab es plötzlich einen Markt für Töpfe, Pfannen, Bestecke, Geschirr und Kochutensilien, die man vorher kaum dem Namen nach kannte.

1995 eröffnete an der Uhlandstraße kurz hinter der Pariser Straße, dort, wo die Straße noch etwas Noblesse vom Kudamm abbekommt, das „Coledampf’s“. Ein Jahr später begann Josephin Ehrig in dem Kochwarengeschäft der besonderen Art als Aushilfe. „Freunde von uns, mit denen wir zusammen kochten, wohnten im Seitenflügel und fragten, ob ich nicht zur Weihnachtszeit aushelfen wollte“, sagte die heute 43-Jährige, die damals noch Jura studierte.

„Ich bin in Kiezkind“

Bereits ein Jahr später wurde sie Teilhaberin, seit zwei Jahren ist Josephin Ehrig Alleininhaberin des „Coledampf’s CulturCentrum“, wie das Geschäft offiziell heißt. Das Jurastudium hat sie nicht beendet. „Wie auch, ich war ja die ganze Zeit im Laden“, sagt sie und lächelt bescheiden.

Schon als Kind half sie der Mutter beim Backen und Kochen, ging einkaufen. „Ich bin ein Kiezkind“, sagt die ganz in Schwarz gekleidete Frau. Aufgewachsen ist sie in der Nassauischen Straße, um die Ecke am Nikolsburger Platz ging sie zur Schule. Schon als Schülerin war sie jeden Sonnabend auf dem Winterfeldtmarkt, kaufte Obst und Gemüse ein und schaute, was es bei den Keramikständen an Geschirr gab.

Als sie im „Coledampf’s“ anfing, gefiel ihr neben der nahen Lage im Kiez vor allem das Konzept, dass die Form der Funktion folgt. „Hier gab es kein Design-Chichi, sondern viele Produkte aus Manufakturen, am besten aus Deutschland und Europa, und keinesfalls Massenware aus China“, sagt sie und blickt sich in dem mit viel Liebe dekorierten Ladengeschäft um.

Töpfe, Pfannen und Geschirr wie in einem Kolonialwarenladen

Das präsentiert sich im Stil eines Kolonialwarenladens oder Tante-Emma-Geschäfts. Überbordende Regale voller Küchenutensilien warten auf die Kunden, unzählige Töpfe, Pfannen, Schalen, Schüsseln, Werkzeuge, Geschirr. Und alles darf man in die Hand nehmen und begutachten. Selbstverständlich gibt es auch zu jedem Artikel eine professionelle Beratung. Viele Dinge sind in zwei oder drei Ausführungen im Angebot, von unterschiedlichen Herstellern und zu unterschiedlichen Preisen.

Bei gusseisernen Töpfen schwört Josephin Ehrig auf Produkte der Firma Chausseur aus dem Elsass, „da haftet nichts an, weil sie emailliert sind. Darauf stehen insbesondere die Schmorspezialisten“. Die gusseisernen Pfannen der schwedischen Firma Ronneby-Bruk dagegen werden mit Öl eingebrannt. Je nach Größe kosten diese Kochutensilien zwischen 40 und 80 Euro.

Eine im Wachstum befindliche Abteilung ist mit Formen und Zubehör für Cupcakes und Macarons gefüllt. „Da kommen dann die Stammkundinnen mit ihren Töchtern und stöbern“, freut sich die Geschäftsführerin.

Auch das Regal mit den arabischen Tajines erfreut sich großer Beliebtheit bei den Kunden. „Das Interesse an exotischen Küchengeräten geht einher mit dem Interesse an exotischen Gerichten. Zur Zeit ist die Küche der Levante sehr im Kommen“, weiß Josephin Ehrig. Aber auch der gute alte Römertopf erlebe eine Renaissance bei jungen Kunden.

Jetzt zur Weihnachtszeit gehen auch die Fondue-Töpfe gut, die es aus Emaille, Edelstahl und Keramik gibt. Ein weiterer neuer Trend sei die Herstellung von Wurst in der eigenen Küche. „Wir verkaufen derzeit reichlich Fleischwölfe und Einfüllstutzen“, sagt sie.

9000 Artikel im Sortiment

Viele Produzenten des mittlerweile auf rund 9000 Artikel angewachsenen Sortiments hat sie mittlerweile besucht, mit einigen hält sie engen Kontakt. So waren zum 20-jährigen Jubiläum Anfang November etwa die Messerhersteller von Güde und Herder Windmühle zu Besuch.

„Bei denen in der Solinger Werkstatt sieht es aus wie vor hundert Jahren“, sagt Josephin Ehrig begeistert. Ebenfalls beim Jubiläum war Matthias Corvers zu Gast, Rheingauwinzer aus dem Traditions-Ort Oestrich-Winkel. Neben ausgezeichneten Riesling-Weinen von Corvers-Kauter hat „Coledampf’s“ die gehaltvollen Spätburgunder im Sortiment. „Das ist, neben ausgesuchten Gewürzen, aber das Einzige an Lebensmitteln, die wir hier verkaufen“, erklärt die Geschäftsführerin.

Noch ist das Geschäft ganz weihnachtlich mit vielen silbernen Christbaumkugeln dekoriert. „Das muss am 25. dann ratzfatz auf Silvester umdekoriert werden.“ Ein besonderes Faible hat sie für Geschirr und schöne Tischläufer. „Eine hübsch gedeckte Tafel ist für mich einfach eine Augenweide“, sagt sie. Für den Sommer setzt sie auf mediterrane Geschirr-Service, für den Alltag mag sie Fine Bone China von der Firma Asa, das von Meisterköchin Cornelia Poletto mitentworfen wurde.

Ihre Inspirationen und Anregungen erhält Josephin Ehrig auf Messen, in Fachzeitschriften und inzwischen auch über das Internet. Derzeit ist sie damit beschäftigt, das Sortiment zusätzlich über einen Online-Shop zu vertreiben. Die Nachfrage ist groß. Und dennoch sagt sie: „Ich verkaufe aber auf jeden Fall viel lieber im Laden.“

Coledampf’s Cultur Centrum, Uhlandstraße 54-55, Wilmersdorf, Tel. 883 91 91, Mo-Fr 10-20, Sbd 10-16 Uhr, www.coledampfs.de

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