Wenn man Jürgen Zehnpfennigs Werkstatt „holzstueckwerk“ betritt, fällt der Blick zuallererst auf Vierkanthölzer in allen Längen, stapelweise. Wie in aller Welt, fragt man sich, werden diese unscheinbaren Hölzer nur in die wunderschönen, edlen Schneide- und Küchenbretter verwandelt, die überall herumstehen? Fast zu schade, um sie beim Kochen mit dem Messer zu traktieren. „Einige Kunden hängen sich die Bretter sogar als Kunstwerke an die Wand, statt sie zu benutzen“, verrät der 53-Jährige. Und in der Tat: An den vielfältigen Holzmosaiken kann man sich kaum sattsehen. Ganz so, als wären sie Museumsobjekte.

Weniger Schnittspuren hinterlassen

„Um ein Brett herzustellen, sind zwölf und mehr Schritte nötig“, erklärt Zehnpfennig. „Dafür wird das Holz nicht wie sonst üblich längs, sondern quer zur Faser aufgesägt. So werden die Jahresringe eines Baumes sichtbar. Das ist die robusteste und härteste Seite des Holzes, Hirn- oder auch Stirnholz genannt. Deshalb nimmt man sie als Cutting Board.“ Darauf dringen Messer nicht tief in die Fasern ein, hinterlassen weniger Schnittspuren. Dadurch werden Messer und Brett geschont. Weil das Material zudem ein Mehrfaches an Druck aushalten kann, wurde es früher gern für Hackblöcke von Metzgern verwendet.

Für die Bretter werden Vierkanthölzer zu Platten kombiniert, genau gefügt, wasserfest verleimt und fein poliert, abschließend lebensmittelecht geölt. Sie halten ein Leben lang. Wichtig dabei ist vor allem die Qualität des Holzes. „Es muss relativ astrein dafür sein“, so Zehnpfennig. Er erhält sein Holz aus einer Behindertenwerkstatt in Glie­nicke, wo er mit seiner Familie lebt. Das Material ist bereits gehobelt, andernfalls wäre es Brennholz, und getrocknet. So kann man es sofort verarbeiten und muss nichts langwierig lagern. „Es sind hauptsächlich heimische Hölzer wie Esche und Eiche, aber auch zwei zertifizierte Tropenhölzer. Sapeli-Mahagoni und Kambala-Holz. Die würden sonst verheizt werden und das wäre zu schade“, sagt Zehnpfennig.

Ein Stück von einem Kirschbaum weckte seine Leidenschaft

Weitere heimische Hölzer, die er gern verwendet, sind Walnuss und Robinie. Regelrecht ins Schwärmen gerät er bei Obsthölzern. Mit einem Stück Kirschbaum fing seine Leidenschaft für diesen lebendigen Werkstoff überhaupt erst an. „Seit 45 Jahren schleppe ich eine Kirschwurzel mit mir rum, die mir mein Großvater geschenkt hat. Damit fing meine Faszination an“, erinnert er sich. Zwar hat er als Jugendlicher mal versucht, ein Schachbrett zu machen und bemerkt, wie kompliziert das ist, doch erst einmal führte ihn sein beruflicher Weg in andere Gefilde. Der gebürtige Rheinländer arbeitete zunächst als Musiker und Fotograf, später als Galerist. 1997 gründete er mit seiner Frau Monika Weber eine Firma für Ausstellungstechnik und Medien für Museen. „Im Rahmen dieser Arbeit war ich immer neidisch auf die Schreiner und auf das, was sie bauen durften“, gibt er zu.

Vor zehn Jahren hatte er genug davon, anderen zuzuschauen. Er begann selbst, Holzbretter zu machen und verkaufte sie mit riesigem Erfolg auf dem Umwelt- und Weihnachtsmarkt in der Sophienstraße. Dort ist er auch in diesem Jahr jedes Wochenende zu finden. Aus dem Hobby wurde bald eine kleine Manufaktur für Holzbretter im Keller. 2008 gründete Zehnpfennig dann seinen Werkstatthof in Lichtenberg zwischen Frankfurter Allee und Ostkreuz. Bald schon kamen etliche andere Gewerke hinzu. Oliver Jakob nebenan etwa baut edle Lampen aus Holz in verschiedensten Ausführungen.

Seitdem er eine zuverlässige Holzquelle hat, kann Jürgen Zehnpfennig seine Bretter endlich in Serie produzieren. Wo keines dem anderen gleicht. "Ich kann zwar nicht malen, aber sägen kann ich gut. Deshalb mache ich Sägekunst. Mich reizen die Bilder, die die Natur gestaltet“, bekennt er.

Aus Holz entstehen traumhafte, dreidimensionale Collagen

Planbar sind die Mosaike nicht. Eher Work in Progress. Ein sehr umweltschonender Prozess, bei dem kein Abfall anfällt, denn Jürgen Zehnpfennig verwandelt jedes noch so kleine Holzstück in ein handwerkliches Juwel. So entstehen Stullenbretter, Nudelhölzer, Löffel, aber auch hochwertige Coffeetables von zeitloser Eleganz und traumhafte, dreidimensionale Holzcollagen.

Ganz billig sind diese Holzpretiosen nicht. Schneidebretter gibt es etwa ab 50 Euro aufwärts. Wer Jürgen Zehnpfennig einmal in seiner Werkstatt besucht, weiß aber auch den großen Aufwand und die Wertigkeit zu schätzen, die hinter seinen Produkten stecken. Die kann man übrigens jederzeit im „holzstueckwerk“ überarbeiten lassen. Frisch Abschleifen und Nachölen und sie sehen aus wie neu. Ein Stück Natur für die Ewigkeit.

holzstueckwerk Wartenbergstr. 28–32, Lichtenberg, Tel. 53 6716 27. Mi 11–18 Uhr und nach Vereinbarung. Infos im Internet unter www.holzstueckwerk.de