Sehr international ist es auf der Kantstraße: asiatisch zwischen Savignyplatz und Wilmersdorfer Straße, russisch im oberen Teil, nahe dem Amtsgerichtsplatz. Aber selbst auf der bunten Straße mit ihren Schaufenstern voll chinesischem Nippes und orientalischen Teppichen fällt das Café „Der Kuchenladen“ im Haus Nummer 138 auf: Grüne, blaue, pinkfarbene Metallstühle und -tische stehen vor der Tür und lenken den Blick auf das Schaufenster mit den ebenso farbenfrohen Torten.

„Das bunte Äußere lockt die Kunden in den Laden, das stimmt“, sagt Uwe Gundelach, Geschäftsführer des Kuchenladens. Aber nur beim ersten Mal. Dass sie wiederkommen, hat einen anderen Grund: die Torten, Kuchen und Kekse, die es in dem Café zu kaufen gibt. Die Milchreistorte mit Himbeeren zum Beispiel, der Tiroler Apfelkuchen mit Kürbiskernen oder die Sweet-Vanille-Torte mit Baumkuchen. Aber auch der Blechkuchen, auf den die Kunden morgens schon warten, wenn er aus dem Ofen kommt. Und die Macarons, die in großen Gläsern auf dem Tresen stehen.

2008 haben Uwe Gundelach und Klaus-Dieter Heinemann als Inhaber das Geschäft an der Kantstraße eröffnet. Zuvor hatten sie viele Jahre in Indonesien ein Restaurant geführt. Nach ihrer Rückkehr stiegen sie als Franchise-Nehmer bei einer Bäckereikette ein – und fühlten sich gar nicht wohl damit: „Da waren wir so eingeengt“, sagt Uwe Gundelach. Das Geschäft mit den Backwaren allerdings gefiel dem gelernten Hotelfachmann Gundelach und Gastronom Heinemann. Deshalb entschieden sich die beiden, den Kuchenladen zu eröffnen. Der kleine Laden an der Kantstraße stand leer, bot genügend Platz für eine Backstube hinten und einen Verkaufsraum mit ein paar Tischen und Stühlen vorn. „Da dachten wir uns: Das kann man sich trauen“, sagt Uwe Gundelach.

„Kuchen hat etwas mit Träumen zu tun“

Ganz bewusst hätten sie sich für die Kantstraße entschieden, sagt er: „Wir kannten die Straße von früher, als sie einen sehr guten Ruf hatte“, sagt der 57-Jährige, „und wir wussten, dass die Entwicklung wieder dorthin geht.“ Das „interessante gemischte Publikum“ hatte es ihnen angetan – und war umgekehrt genau so begeistert von dem Gebäck. „Sehr viele junge Leute, ebenso Rentner“ kommen in das Café, in dem die Chancen auf einen Platz deutlich gestiegen sind, seit Gundelach und Heinemann 2010 die Räume des Antiquitätenladens nebenan übernahmen. Dort sitzen die Gäste auf dunklen Ledersesseln unter Kronleuchtern und goldfarbenen Dekorationen an den Wänden. „Märchenschloss-Stil“ nennen das die Chefs.

„Kuchen hat etwas mit Träumen zu tun, mit Genuss und Lebensfreude“, sagt Uwe Gundelach. „Wenn ich mich mit Kaffee und Kuchen hinsetze, will ich entspannen, das Graue loslassen.“ Deshalb sind die Wände pink und nicht grau.

Das kommt bei asiatischen Reisegruppen an, die nach dem Besuch im „Good Friends“ schräg gegenüber im Kuchenladen ihren Nachtisch essen. Sie treffen auf die Stammkunden: Charlottenburger Familien, Studenten aus der Nachbarschaft, aber auch die Gäste, die nur einmal im Jahr kommen, wenn sie bei der Grünen Woche zu Gast sind. Zwischen 30 bis 40 Sorten können sie wählen. „Alles Amerikanische“ verkauft sich am besten: Der American Cheesecake zum Beispiel oder die Manhattan Queen mit Frischkäse und Basilikum, der Carrot Cake mit Möhren, Walnüssen und Kokos. Tartes werden gern genommen, ebenso die Klassiker wie Schwarzwälder Kirschtorte ab drei Euro. Nur Frankfurter Kranz geht merkwürdigerweise gar nicht. „Vielleicht weil es ihn überall gibt“, spekuliert Uwe Gundelach.

Kunden bringen ihr eigenes Rezept mit

Kuchenladen-Kunden sind eher experimentierfreudig. Sie essen Schokoladen-Karamelltorte mit Meersalz und „Grüne Suse“, die neben Vanillebuttercreme Spinat enthält. Das Rezept hat eine Mitarbeiterin aus dem Urlaub mitgebracht. „Weil wir so klein sind, können wir ganz flexibel sein“, sagt Uwe Gundelach. Es komme häufiger vor, dass Kunden mit einem Rezept in den Laden kämen. „Manches muss man dann vielleicht noch ein bisschen anpassen, damit es auch in der Vitrine gut aussieht.“

Oder auf dem Geburtstagstisch, der Hochzeitstafel, beim Botschaftsempfang, denn der Kuchenladen verkauft seine Torten nicht nur im Laden, sondern fertigt auch auf Bestellung. Klassische weiße Hochzeitstorten mit Herzen oder Rosen ebenso wie eine gebackene Handtasche mit Marzipangriff, zwei Meerjungfrauen und eine gelbe Krake auf grünem Grund oder ein schnittiges Segelboot auf türkisfarbenem Kuchenmeer. Wer im Laden ähnlich farbenfroh essen will, wird bei den Cupcakes fündig oder bei den 24 Sorten Macarons. Die französischen Baisers passten ins Konzept, „weil sie Lebensfreude vermitteln“, sagt Gundelach. Und natürlich, weil sie mit ihren leuchtenden Farben auch so gut zu den Tischen und Stühlen vor der Tür passen.

Der Kuchenladen Kantstraße 138, Charlottenburg, Tel. 310 184 24, täglich von 10 bis 18.30 Uhr