Humboldtforum

Das Berliner Stadtschloss wächst erstaunlich schnell

Das Erdgeschoss des Humboldtforums in Mitte ist fast fertig.Richtfest wird im nächsten Frühjahr gefeiert. Besucher können am 1. Juni die Baustelle besichtigen - es gibt ja schon viel zu sehen.

Foto: Reto Klar

Gelbe und rote Kräne überragen die Baustelle. Betonplatten wachsen an riesigen Baugerüsten empor. Das Erdgeschoss des Humboldtforums in Mitte ist fast fertig. Jetzt werden die ersten Wände der zweiten Etage gesetzt. Der Bau der oberen Geschosse werde schnell vorangehen, sagte Manfred Rettig, Vorstand der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, am Freitag bei einer Präsentation. „Da hat man im Prinzip nur Stützen, Decken und Wände.“ Ende 2014 werde der Rohbau des Gebäudes sichtbar sein. „So sichtbar, dass wir im Frühjahr 2015, abhängig vom Wetter, Richtfest feiern wollen.“ Noch sind architektonische Schönheit oder barocke Pracht des alten Stadtschlosses nicht erkennbar. Auch das soll sich 2015 ändern. „Wir werden im Frühjahr des nächsten Jahres mit der historischen Fassade beginnen“, kündigte der Architekt an.

Einblicke in den Schlüterhof

Wie es tatsächlich auf der Baustelle aussieht, darüber können sich Berliner und Touristen am 1. Juni informieren. Dann ist Tag der offenen Tür. Das wird eine besondere Gelegenheit. Denn, so Rettig: „Normalerweise lassen wir keine Besuchergruppen auf der Baustelle zu. Das ist ein absolutes Tabu, weil das Risiko zu groß ist.“ Doch am Sonntag in zwei Wochen hat jedermann – sogar kostenlos – Zutritt. Der Eingang zur Baustelle wird neben der Humboldt-Box sein. Man werde zum Beispiel durch die Passage gehen können, so der Architekt. „Der Eindruck ist unglaublich. Die Pläne geben die wirklichen Proportionen nicht wieder.“ Was gebaut werde, „ist so groß wie 400 Einfamilienhäuser“. Auch in die Eingangshalle und in den Schlüterhof gelangen die Besucher. Ein Programm werde es geben, an dem auch die Musikhochschule Hanns Eisler mitwirkt.

Insgesamt, so der Stiftungschef, „sind wir gut im Zeitplan.“ Ende 2017 oder Anfang 2018 werde der Bau nach außen hin, für den Laien erkennbar, fertig sein. „Dann wird schrittweise der Innenausbau beginnen. Er dauert sicherlich bis ins Jahr 2019 hinein.“ Er gehe davon aus, so Rettig, „dass wir in der zweiten Jahreshälfte 2019 sukzessive mit der Eröffnung beginnen“. Es werde nicht an einem Tag alles gleichzeitig eröffnet. „Dazu ist der Komplex zu groß.“

Besondere Herausforderung 2015 wird, nach dem Richtfest, „wenn wir mit dem Technik-Bereich anfangen. Das ist immer eine Achillesferse auf Baustellen.“ Vor allem die Luft- und Raumlufttechnik sei anspruchsvoll. Es gebe riesige Kellerräume, in denen derzeit noch große Löcher klaffen. Dort soll Platz für die technischen Anlagen sein. „Wir bauen auch ein Museum im Humboldtforum, dafür brauchen wir kolossal viel Klima- und Lüftungstechnik.“

Der Bau des Dachrestaurants wurde gestoppt

Jetzt laufe die Vergabe der Aufträge für die Ostfassade des Humboldtforums, sagte Manfred Rettig. Ebenfalls ausgeschrieben sind die Fassaden an der Eingangshalle und in der Passage zwischen Lustgarten und Breite Straße. Auch die Vergabe der Arbeiten für die historische Fassade ist im Gange. „Wir haben allerdings Teile davon zurückgestellt“, sagte der Stiftungsvorstand. „Zum Beispiel die Stein-Balustrade, und die Figuren, die später mit einem Kran aufgesetzt werden können.“ Dies müsse mit dem Spendenaufkommen abgestimmt werden.

Gestoppt worden sei auch der Bau des Dachrestaurants. „Die Vorkehrungen dafür sind getroffen. Man kann es jederzeit später aufsetzen. Aber wir werden das jetzt nicht tun.“ Das sei bedauerlich, aber man habe keine Geldzusagen für dieses Dachrestaurant bekommen. Es soll etwa drei Millionen Euro kosten. Das Geld für das Eckrondell, 2,5 Millionen Euro, sei dagegen vollständig auf dem Konto der Stiftung. Dieses Eckrondell müsse jetzt gebaut werden. „Das können wir nicht später einsetzen.“ Auch ein Spender sei gefunden, der es möglich macht, die Sandsteinarbeiten an der Kuppel auszuführen. „Sodass zumindest die Grundstrukturen der Kuppel entstehen können.“

Die Stiftung ist Bauherr und Eigentümer des Humboldtforums. Sie sei verpflichtet, Spenden zu sammeln, sagte Manfred Rettig. „Wir sind froh, dass der Förderverein uns dabei so unterstützt, wie er es tut.“ 2013 seien neun Millionen Euro eingegangen. Insgesamt knapp 20 Millionen Euro an Bargeld habe man jetzt aus dem Spendenaufkommen zur Verfügung, außerdem Sachspenden vom Förderverein. „Das ist eine gute Summe in Bezug auf den Stand der Baumaßnahmen.“

Kein Geld für Schmuckelemente

Ein Groß-Spender, der bereits Millionenbeträge zur Verfügung stellte, habe eine weitere Summe für 2014 angekündigt. Im Herbst sei ein Fundraising Dinner in Amerika geplant „In USA gibt es einen Freundeskreis, in dem zum Beispiel George Bush senior und Henry Kissinger Mitglied sind, aber auch namhafte Geschäftsleute, die das Projekt als wichtig ansehen.“ Auch in der Türkei gebe es „Persönlichkeiten aus dem Geldadel“, die sich wegen der engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland am Humboldtforum beteiligen wollen.

Die Baukosten für das Humboldtforum liegen laut Rettig bei 590 Millionen Euro. Hinzu kommen 25,5 Millionen Euro, die gebraucht werden, wenn die historische Kuppel und das historische Innenportal wieder entstehen. Es gebe den Beschluss des Bundestages, so Rettig, „dass es solche Optionen gibt, aber nur, wenn die Mittel dafür bereitstehen“. Das Geld reiche derzeit nur, „um die schweren Sandsteinteile des Portals zu bauen und die Konstruktion der Kuppel“. Die Kuppel-Laterne sei noch nicht finanziert, ebenso die Schmuckelemente der Kuppel und des Portals. Dafür benötige man noch zehn bis zwölf Millionen Euro. Wichtige Teile der Großbaustelle liegen im Untergrund. Riesige Betonkerne des Humboldtforums reichen in die Erde, zum Teil bis 40 Meter. „In diesen Kernen sind Geothermie-Anlagen eingebaut“, sagte Manfred Rettig. Stolz ist er darauf: „Wir bauen ein Schloss, das 30 Prozent unter der gültigen Energieeinspar-Verordnung liegt.“