Razzia

Berliner Bestatter verkauften Pässe von Toten an Schleuser

Razzia gegen Bestattungsinstitute: Am Morgen haben Polizisten mehrere Objekte in Berlin durchsucht. Die Bestatter stehen unter dem Verdacht, mit Pässen von Toten gehandelt zu haben.

Foto: Steffen Pletl

In Berlin ist ein Teil einer international agierenden Schleuserbande aufgeflogen, die mit Pässen von Toten gehandelt haben soll. Bei einer großangelegten Razzia wurden in einem islamischen Bestattungsunternehmen in Neukölln am Donnerstag rund 50 Passdokumente von Verstorbenen beschlagnahmt.

Ermittler der Berliner Polizei und der Bundespolizei haben am Morgen zusammen Wohn- und Geschäftsräume von Berliner Bestattungsunternehmern durchsucht, bestätigte Jens Schobranski, Sprecher der Bundespolizei, der Berliner Morgenpost. Insgesamt seien 19 Wohnungen und Büros in Neukölln, Kreuzberg und Schöneberg seit 6 Uhr durchsucht worden, sagte der Sprecher. Dabei waren rund 120 Beamte im Einsatz.

An der Blaschkowallee 79 in Rudow wurden unter anderem die Geschäftsräume eines Bestattungsunternehmens durchsucht. Dabei wurde ein Aktenkoffer voller Pässe sicher gestellt. Sichergestellt wurden bei den Durchsuchungen auch Computer, Handys und Aktenordner.

„Einschleusen auf dem Ähnlichkeitsprinzip“, lautete der Tatverdacht. Hintergrund für die Durchsuchungen ist ein Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft, das unter dem Namen „Bestatter“ geführt wird. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sollen islamische Bestattungsinstitute die Pässe von Verstorbenen an organisierte Schleuserbanden weitergegeben haben.

Diese verkauften die Pässe der Toten an ähnlich aussehende Flüchtlinge. Damit konnten diese Personen ungehindert nach Deutschland einreisen. Mindestens neun Fälle sind der Berliner Ermittlungsgruppe „Schleuser“ bekannt. Dabei handele es sich vornehmlich um Syrer.

Rundum-Angebot an Hinterbliebene

„Das besondere ist sicherlich der etwas sonderbare Modus Operandi – dass mit den Pässen von Verstorbenen die Personen nach Deutschland gebracht wurden“, sagte Bundespolizei-Sprecher Jens Schobranski. Die Pässe seien offenbar für die illegale Einreise solcher Ausländer genutzt worden, die dem Passfoto des Verstorbenen ähnlich sahen.

Das Bestattungsinstitut sei offenbar über ein Rundum-Angebot an die Hinterbliebenen in den Besitz der Pässe gekommen: Es habe angeboten, die gesamten Behördengänge in Zusammenhang mit dem Sterbefall zu erledigen, sagte der Polizeisprecher. Die Hinterbliebenen hätten dem Institut dann „vertrauensvoll“ die Pässe übergeben.

„Das ist eine ganz neue Methode, die bundesweit bislang noch nicht aufgefallen ist“, sagte der Leiter der Ermittlungsgruppe von Berliner Polizei und Bundespolizei, Frank Worm.

Seit 2010 sollen so mindestens neun Menschen, die den Inhabern der Pässe ähnlich sahen, in die Bundesrepublik eingereist sein. Sie sollen vor allem über Syrien gekommen sein. Wer diese Personen sind und wo sie in Deutschland leben, werde noch geprüft, hieß es. Die Ermittler gehen aber von weit mehr Fällen aus. Pro Pass sollen zwischen 2000 und 5000 Euro geflossen sein.

Neben deutschen Reisepässen wurden auch Dokumente aus Marokko, Ägypten und Libanon gefunden.

Neben dem 49 Jahre alten Bestatter aus Neukölln gebe es drei weitere Verdächtige, so Worm. Festgenommen wurde bislang niemand, Befragungen liefen aber.