Verbrechensserie

Polizei kann Geldautomaten-Knacker nicht stoppen

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Andreas Gandzior

Foto: Foto: ABIX / ABIX

Bei der Suche nach den Tätern, die seit einem Jahr Geldautomaten in Berlin sprengen, kommt die Polizei offenbar nicht weiter. Jetzt wurde wieder ein Gerät in die Luft gejagt, die Bank verwüstet.

Es ist später Sonntagabend. 23.20 Uhr. Ein sehr lauter Knall lässt die Anwohner am Mehringdamm in Kreuzberg aufschrecken. Wieder haben es unbekannte Täter auf den Inhalt eines Geldautomaten abgesehen. In dieser Nacht sprengen sie den Automaten im Vorraum der Sparkassen-Filiale am Mehringdamm 124. Kurz nach dem Knall sehen Augenzeugen nur noch Rauch aus der Bankfiliale aufsteigen. Das geben sie später der Polizei zu Protokoll. Sofort nach der Explosion alarmieren sie die Polizei.

Dann müssen die Augenzeugen aber mit ansehen, wie drei männliche Personen einen unbekannten Gegenstand in das Fluchtfahrzeug legen und noch vor dem Eintreffen der Beamten wegfahren. Vom Tatort aus flüchten sie in einem silberfarbenen oder grauen VW-Golf in Richtung Platz der Luftbrücke. Bei dem Gegenstand wird es sich vermutlich um eine Geldkassette gehandelt haben, heißt es in Ermittlerkreisen. Zur Höhe der Beute werden keine Angaben gemacht. Bis in den Vormittag hinein sichern Techniker der Kriminalpolizei Spuren am Tatort. Die Ermittlungsgruppe „Giro“ beim Berliner Landeskriminalamt (LKA) übernimmt den Fall. Nach Angaben der Polizei ist es die vierte Sprengung eines Automaten in diesem Jahr.

Zurück lassen die Täter einen völlig zerstörten Geldautomaten und einen verwüsteten Vorraum der Bankfiliale. „Bei der Sprengung wurde ein Automat komplett zerstört und ein weiterer schwer beschädigt“, sagte Frank Weidner, Sprecher der Berliner Sparkasse. „Darüber hinaus entstand ein erheblicher Sachschaden. Das Privatkunden-Center bleibt auch am Dienstag geschlossen.“

Verfolgen Sie hier die Spur der Geldautomaten-Knacker

Wegen der vermehrten Geldautomatensprengungen habe die Berliner Sparkasse ihre Sicherheitsvorkehrungen bereits im vergangenen Jahr verstärkt. „Nach der Häufung der Angriffe gab es einen intensiven Austausch sowohl mit der Polizei als auch mit anderen Banken und Geldautomatenherstellern.“ So werden mittlerweile Farbkassetten in den Automaten eingesetzt und an einigen Standorten gebe es Nachtschließungen. Zu konkreten Maßnahmen könne man sich aus Sicherheitsgründen nicht äußern, heißt es.

Mit der Explosion am Mehringdamm setzt sich die Serie fort. Die letzte, aus Sicht der Täter, erfolgreiche Zerstörung eines Geldautomaten fand am 25. Januar dieses Jahres statt. Da hatten es die Unbekannten auf die Filiale der Berliner Volksbank am Britzer Damm 141 abgesehen. Dort waren ebenfalls Anwohner durch einen lauten Knall geweckt worden und sahen Rauch aus dem Gebäude dringen. Laut Zeugenaussagen hatte ein Komplize mit einem dunkelblauen Kombi vor der Filiale gewartet. Das Trio flüchtete mit dem Wagen in Richtung Herrmannstraße. Wie die Ermittlungen des LKA später ergaben, waren die Kennzeichen, die sich am Wagen befanden, als gestohlen gemeldet. Die Detonation riss nicht nur den Geldautomaten aus seiner Verankerung. Der Serviceraum des Geldinstitutes wurde verwüstet, und eine Fensterscheibe aus Sicherheitsglas flog in den Vorgarten des Hauses.

Seit mehr als einem Jahr werden in der Hauptstadt Geldautomaten gesprengt. In den meisten Fällen wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Gas-Luft-Gemisch in den Automaten eingeleitet und gezündet. Bei mehreren Explosionen wurden die Geldscheine durch das gewaltsame Öffnen des Automaten aber auch mittels einer Farbkartusche mit blauer oder roter Farbe besprüht und damit wertlos.

Die im vergangenen Jahr extra eingerichtete Ermittlungsgruppe „Giro“ scheint mit ihren Ermittlungen ebenfalls nicht weiter zu kommen. In diesem Jahr gab es seit Januar bislang vier Sprengungen und elf Versuche. Neben dem jüngsten Fall gingen die Täter am 13. Januar bei der Commerzbank an der Kiepertstraße in Marienfelde erfolgreich zu Werke. Nur sieben Tage später sprengten Unbekannte einen Geldautomaten der Santander-Bank an der Badenschen Straße 44 in Wilmersdorf in die Luft und entkamen mit ihrer Beute. Wiederum nur fünf Tage später war die Volksbank-Filiale am Britzer Damm Ziel der Täter.

Eisenketten, Brechstangen oder Bohrmaschinen

Von Versuchen ist dann die Rede, wenn die Täter erfolglos versucht haben, an das Geld in den Automaten zu gelangen. Und das nicht nur mittels einer Sprengung. Es gab unter anderem Versuche, bei dem die Täter eine Eisenkette um den Automaten gelegt und an einem Auto befestigt hatten. So wollten die Diebe dann den Automaten aus der Verankerung im Boden reißen. Andere Verbrecher versuchten ihr Glück mit Brechstangen, Akku-Bohrmaschinen oder aber mit unprofessionellen Sprengversuchen. Im Jahr 2013 listet die Polizeibilanz zwölf Sprengungen auf. Dem stehen 21 Versuche gegenüber.

Im laufenden Jahr hatten es Täter auch auf Automaten in einem Kino in Friedrichshain und im U-Bahnhof Kurfürstendamm in Charlottenburg abgesehen. Scheinbar sind neben professionell vorgehenden Tätergruppen inzwischen auch einige Kleinkriminelle unterwegs. Nur so ist zu erklären, dass Mitte Dezember 2013 innerhalb von nur einer Nacht Anschläge auf vier Automaten verübt wurden, einer davon erfolgreich.

Hinweise nimmt die Ermittlungsgruppe „Giro“ unter der Rufnummer 4664-943 260 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.