ZOB

Busunternehmer fordern zweiten Fernbahnhof für Berlin

Die Branche mit Fernfahrten boomt. Nun fordern die Busunternehmer einen zweiten Bahnhof in Berlin. Der Senat will aber lieber den ZOB am Funkturm ausbauen.

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Jahrzehntelang war er der alleinige Platzhirsch – doch nun soll der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) am Messegelände in Charlottenburg Konkurrenz bekommen. Denn die Busunternehmer fordern angesichts der steigenden Nachfrage nach Fahrten mit dem Fernbus eine zweite Station am Ostbahnhof. Der 1966 eröffnete ZOB sei zu klein. „Er stößt an seine Grenzen“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer, Wolfgang Steinbrück. Für Kunden sei es mitunter sogar kompliziert, den richtigen Bus zu finden.

Mit einem zusätzlichen Bahnhof am Ostbahnhof könnten die Unternehmen wählen, welches Terminal sie anfahren, sagte Steinbrück. Die Kosten für den Neubau müsse der Senat tragen. Die Gewinne der Firmen, die neue Fernbuslinien aufgebaut hätten, seien für die Investitionen zu gering.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wollte die Erfolgsaussichten für den Vorschlag am Wochenende nicht eindeutig kommentieren. Es gebe zwar Überlegungen für einen weiteren Busbahnhof, sagte Behördensprecherin Daniela Augenstein. Ein Standort – neben dem Tempelhofer Feld war auch der Ostbahnhof im Gespräch – sei allerdings nicht gefunden.

ZOB am Funkturm wird ausgebaut

Zunächst werde ohnehin der ZOB am Funkturm saniert und ausgebaut. Zu den 35 Haltestellen sollen zunächst zehn weitere kommen. Später soll die Kapazität noch weiter aufgestockt werden. Die Arbeiten werden noch in diesem Jahr beginnen. Das Abgeordnetenhaus hat im Doppelhaushalt 2014/2015 3,2 Millionen Euro für die Sanierung bewilligt.

Der ZOB befindet sich im Landeseigentum und wird von der BVG-Tochter Internationale Omnibusbahnhof Betreibergesellschaft mbH (IOB) betrieben. Neue Kapazitäten sind auf dem Gelände gegenüber vom Funkturm dringend nötig. Denn seit der Markt 2013 liberalisiert wurde, erlebt die Branche einen Boom. So werden am ZOB in diesem Jahr rund 150.000 An- und Abfahrten erwartet.

Bis 2012 waren es pro Jahr nur bis zu 65.000. Der Ausbau des Bahnhofs, der sich im Chic der 70er-Jahre präsentiert, ist gegenüber einem Neubau die deutlich kostengünstigere Variante. Ein moderner neuer Bahnhof würde nach früheren Kalkulationen bis zu 50 Millionen Euro kosten.

Die Busunternehmen haben derweil auch ein Personalproblem. „Es fehlen uns zurzeit 2000 Busfahrer, die sofort eingestellt werden könnten“, sagte Steinbrück. In den kommenden drei Jahren gingen 10.000 Busfahrer in Rente. „Wir wissen gar nicht, wie wir diese Lücke schließen sollen.“