Berliner Fernverkehr

Sanierungsfall Zentraler Busbahnhof – Baubeginn noch unklar

Immer mehr Fernbusse fahren den Zentralen Busbahnhof (ZOB) am Funkturm an. Viele Fahrgäste sind trotzdem nicht zufrieden, vor allem mit dem Lärm und der Lage. Doch die Sanierung lässt auf sich warten.

Foto: Massimo Rodari

Gern fährt Jenny Finkel nicht ab vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Funkturm in Berlin-Charlottenburg. „Schön ist es hier wirklich nicht“, sagt die 27 Jahre alte Frau aus Potsdam. „Drinnen in der Wartehalle ist es mir zu laut, und draußen fühlt man sich in der Dunkelheit nicht wohl.“ In der Tat ist die karge Haltebucht mit den abgenutzten Holzbänken selbst bei Sonnenschein ein trister Ort.

Die festgeschraubten Sitzreihen in der Wartehalle aus orangerotem Kunststoff scheinen wie aus den 60er-Jahren. Die massiven Drehkreuze, die Zugang zu den kostenpflichtigen Toilettenanlagen gewähren, wirken leicht bedrohlich.

Abschrecken lassen sich die Reisenden vom Zustand des Busbahnhofs allerdings nicht. Das liegt vor allem an den niedrigen Preisen für Fernbusfahrten. Berlins Zentraler Omnibusbahnhof arbeitet deshalb seit Jahren am Limit. Von Januar bis März steuerten 34.100 Busse den Bahnhof am Messegelände in Charlottenburg an. Das seien mehr als doppelt so viele wie im selben Zeitraum des vergangenen Jahres, sagt Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Standort des ZOB in der Kritik: Laut und abgelegen

Bei der Eröffnung im Mai 1966 war der ZOB lediglich für ein paar Tausend An- und Abfahrten pro Jahr ausgelegt. Von 2007 bis 2012 hat die Internationale Omnibusbahnhof-Betreibergesellschaft, ein Tochterunternehmen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), jährlich aber 62.000 bis 65.000 An- und Abfahrten am ZOB gezählt. Für 2014 rechnet die BVG sogar mit 150.000 An- und Abfahrten.

Die vielen Fernbus-Stopps bringen den ZOB an seine Belastungsgrenze. Die Sprecherin der zuständigen Senatsverkehrsverwaltung, Petra Rohland, sagt, dass noch in diesem Jahr mit den Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten begonnen werden soll. „Wir sind gerade dabei, die Bauplanungsarbeiten zu erstellen.“ Bis 2017 stünden 3,9 Millionen Euro bereit. 3,2 Millionen Euro seien in den laufenden Doppelhaushalt eingestellt worden.

Auch mit der Lage des ZOB sind manche Fahrgäste unzufrieden. Die Seniorin Gisela Kraft reist öfters von Bremen nach Dresden. Normalerweise steigt sie für die Fahrt in ihr Auto. Doch weil die Busfahrt viel günstiger ist, ist sie diesmal mit dem Fernbus gefahren. „Ich habe mir das anders vorgestellt“, sagt die ältere Dame. „Ich habe zwei Stunden Aufenthalt in Berlin wollte die Zeit nutzen, um mir die Stadt anzuschauen. Aber hier ist ja ringsum nichts.“

Der Senat hatte zwischenzeitlich erwogen, einen zweiten Omnibusbahnhof zu errichten. Im Gespräch waren Standorte am Ostbahnhof und am Tempelhofer Feld, die Verwaltung gab aber der Erweiterung des bestehenden ZOB den Vorzug.

Zehn zusätzliche Bushalteplätze sollen am ZOB kommen

Diese ist längst überfällig. Wegen des Platzmangels können Busfahrer momentan mehrere Haltestellen nur erreichen, indem sie rückwärts einfahren. Die Manöver sind zeitraubend und nicht ganz ungefährlich. Noch dieses Jahr sollen diese Haltestellen „optimiert und verkehrssicherer gemacht werden“, sagt Petra Rohland. Geplant ist zudem eine beträchtliche Kapazitätserweiterung.

Zu den bestehenden 35 sollen vorerst zehn zusätzliche Bushalteplätze kommen. „Während der ersten Umbauphase in diesem Jahr werden die zusätzlichen Halteplätze gebaut, damit die Busse nicht mehr rückwärts an die Haltestellen fahren müssen“, sagt Rohland. Zu einem späteren Zeitpunkt werde die Kapazität weiter aufgestockt. Wegen des Umbaus werden laut Senatsverwaltung Parkplätze und Grünflächen wegfallen. Der Um- und Ausbau der Wartehalle sei in einer späteren Bauphase geplant, so Roland.

Wann genau die Arbeiten in diesem Jahr beginnen sollen, steht allerdings noch immer nicht fest. Fernbusunternehmen können deswegen schlecht einschätzen, wann es wegen der Bauarbeiten zu Engpässen kommen könnte. „Wir wünschen uns eine gewisse Planungssicherheit. Grundsätzlich sind wir mit dem ZOB aber zufrieden“, sagt Gregor Hintz, Pressesprecher von MeinFernbus.

Janina Brosowski, 22, findet Berlins Zentralen Busbahnhof im Vergleich zu denen anderer Städte ganz gut. „Er ist viel übersichtlicher“, sagt die Studentin, die in München wohnt und regelmäßig mit dem Fernbus nach Berlin fährt.

Fahrgäste hoffen auf Veränderung: „Sauberer, heller, großzügiger“

In diesem Punkt geht es der Studentin nicht anders als vielen Fernbusnutzern. Sie alle wünschen sich vor allem einen Wetterschutz und ausreichende Informationen. Das ergab eine aktuelle Umfrage, die im Auftrag des Fernbusreiseanbieters FlixBus durchgeführt wurde. Bundesweit wurden dafür Fahrgäste zur Kundenfreundlichkeit der Fernbusbahnhöfe befragt.

An Berlins Zentralem Busbahnhof wird jede Abfahrt und jede Ankunft eines Reisebusses über Lautsprecher angesagt. Zusätzlich hängen Anzeigetafeln in der Wartehalle und in den zum Teil überdachten Wartebuchten. Janina Brosowski findet den Bahnhof deshalb zwar nicht schön, aber zweckgemäß. „Ich würde es natürlich trotzdem begrüßen, wenn hier alles etwas sauberer, heller und großzügiger gestaltet werden würde“, sagt sie.