Verrückte Kitas

Kita Sonneninsel – Für kleine Forscher mit Wissensdurst

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Foto: Krauthoefer / <fl-credit>Jörg Krauthöfer</fl-credit></bu1><credit1><219,4,200>Jör Krauthöfer (5)

In welche Kita geben wir unser Kind? Was genau will ich für Angebote? Spanisch, Sport oder Sauna: Berlin hat rund 2200 Kitas – und einige sind in der Hauptstadt spezieller als andere. Eine Auswahl.

„Wir wollen ein Supermarkt an Möglichkeiten sein, in dem die Kinder sich bedienen können“, sagt Gabi Bornschein. Gerade hatte sie über einen Satz nachgedacht, der alles zusammenfasse, was ihre Kita an der Leberstraße für die Kinder dort sein will – dieser Satz war das Ergebnis. „Grundsätzlich heißt das auch, dass wir alle Kinder neugierig sein lassen oder machen wollen auf die Welt – jeweils auf dem Niveau, das die Kinder individuell mitbringen“, sagt die Leiterin der Kita Sonneninsel weiter.

Die Niveauspanne ist bei den 150 Kindern im Alter von sechs Monaten bis zur Einschulung weit gefächert: Die Kita, die eine von elf Kitas in Berlin des gemeinnützigen Vereins Boot e. V. ist, hat nämlich als einzige Kita in der Stadt eine gezielte Förderung für hochbegabte und talentierte Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren.

Seit sieben Jahren bietet die Kita diese spezielle Förderung an – und dabei geht es mitnichten um die Vorlage eines IQ-Tests. „Es geht eher darum, einen großen oder eben größeren Wissensdurst, als der, der für gewöhnlich als normal angesehen wird, zu stillen“, sagt die Leiterin, die seit 20 Jahren in der Kita ist. Die Kita Sonneninsel arbeitet quasi integrativ mit den hochbegabten Kindern, die wie kleine Forscher ständig auf der Suche nach „Input“ sind. „Mit hochbegabten und talentierten Kindern muss man natürlich einen breiten Rücken für Diskussionen haben und muss Fragen aushalten können.“

Röntgenbilder an den Fenstern

Drei der insgesamt 22 Erzieher sind sogenannte Begabungspädagogen, sie kümmern sich mit gezielten Angeboten und Experimenten um die Kinder der Einrichtung. An vielen Stellen sieht man, dass in dieser Kita einiges anders ist, als in anderen Einrichtungen: Da hängen beispielsweise U-Bahn-Fahrpläne und das gesamte Berliner Streckennetz. Für die Kinder, die das alles auswendig lernen wollen – oder es längst können und es immer wieder gern anschauen.

An einem Fenster im dritten Stock der Kita hängen Röntgenbilder – Fragen müssen eben beantwortet werden. Möglichst exakt, genau und umfassend. „Manchmal gelten Kinder, die hochbegabt sind, ja als verschroben oder anders“, sagt Gabi Bornschein. Für sie ist das Unsinn: „Kein Mensch ist mit drei Jahren verschroben.“ Aber natürlich fällt auf, wenn ein Kind viel früher lesen oder rechnen kann als andere. Und solche Kinder kommen in „normalen“ Kitas nicht auf ihre Kosten: Weil Erzieher eher die „päppeln“, die hinterherhinken. So sei eben eher die Schulung und das Selbstverständnis der Erzieher, meint die Leiterin. Und das hilft den hochbegabten Kindern am Allerwenigsten. Unterforderung und Langeweile sind schwer auszuhalten.

Bedeutend sei für die talentierten Kinder vor allem auch eine sehr klare Struktur. „Ordnungsstrukturen, die dennoch einen weiten Rahmen haben, sind sehr wichtig, darauf achten wir“, sagt Gabi Bornschein. In den verschiedenen Lernwerkstätten und Experimentierecken können sich die Kinder je nach Interesse und Begabung austoben und ausprobieren. Dabei geht es auch immer darum, alle Kinder abzuholen und mitzunehmen – jeder nach seinen Fähigkeiten. Eine eigene Küche hat die Kita Sonneninsel übrigens auch – und ein eigenes Kochbuch. Darin stehen die Lieblingsgerichte der Kinder, die sie selbst farbenfroh bebildert haben.

Kita Sonneninsel, Leberstraße 69/77, Schöneberg, Betreuungszeiten: Mo – Fr 6 bis 18 Uhr, Telefon: 44 721 865, www.bootkitas.de