Der Berliner Energiekonzern Gasag rechnet nicht mit höheren Gaspreisen in diesem Jahr. „Wir werden die Preise konstant halten bis Ende des Jahres“, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Grützmacher am Mittwoch bei der Vorstellung der Bilanz für 2013. Doch Gas ist nicht mehr die einzige Einnahmequelle. Denn die Gasag erfindet sich neu. Der 167 Jahre alte, einstmals städtische Gasversorger, der inzwischen Vattenfall, Gaz de France und E.on gehört, möchte zu einem modernen Energiedienstleister für Berlin werden. Als ersten Erfolg auf diesem Wege meldete Vorstandschef Stefan Grützmacher bei der Vorlage der Geschäftszahlen 10.000 Berliner Stromkunden. Diese habe das Gasunternehmen gewonnen, seit es im Dezember angefangen habe, auch Strom anzubieten. Mit einem Angebot für Gewerbekunden will die Gasag nun weiter in die Offensive gehen. Der Strom stammt ausschließlich aus erneuerbaren Quellen, wie das Unternehmen betont.
In den Zahlen des vergangenen Jahres spiegelt sich die Neuausrichtung der Gasag noch nicht wider. Um schon nennenswerte Erträge geliefert zu haben, sind Projekte wie das Blockheizkraftwerk auf dem Dach der O2World am Ostbahnhof oder das Versorgungskonzept für den Euref-Campus am Schöneberger Gasometer noch zu frisch. Geld verdiente die Gasag im vergangenen Jahr eher traditionell mit der Lieferung von Gas und Wärme sowie ihren mehr als 30.000 Brandenburger Stromkunden. Beim Umschwenken auf die Energiewende will die Gasag dabei sein, es aber vorsichtig angehen lassen. Die Energiewende geschehe nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“, so der Manager: „Deswegen werden wir nicht mit Heerscharen von Mitarbeitern und zweistelligen Millionenbeträgen vorpreschen.“
„Knüppelharter“ Wettbewerb
Der Umsatz ging um 3,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück, was Grützmacher vor allem auf den leicht gesunkenen Gasabsatz zurückführte. Der Wettbewerb mit mehr als 100 Gasanbietern in Berlin sei „knüppelhart“, so der Gasag-Chef. Insofern sei man ganz zufrieden mit der Entwicklung. Als lukrativ erwies sich der Betrieb des Gasnetzes. Um 21 Millionen Euro stiegen die Netznutzungsentgelte auf 110 Millionen Euro, ein Plus von 23,6 Prozent. Insgesamt erzielte die Gasag einen Jahresüberschuss von 61 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen wegen Wertberichtigungen für den Erdgasspeicher rote Zahlen geschrieben. Grützmacher setzt alles daran, die Konzession auch für die nächsten zehn Jahre vom Land Berlin zu gewinnen. Nachdem sich der holländische Netzbetreiber Alliander auf Druck seiner kommunalen Eigentümer zurückgezogen hat, bleibt als Konkurrent nur die landeseigene Berlin Energie. Die Gasag habe sich für den Alleinbetrieb des Netzes und für eine Kooperation mit dem Land beworben, so Grützmacher. Er setze darauf, dass der Zuschlag vor der Sommerpause erteilt werde.
Grützmacher kündigte an, die Gasag werde in den kommenden fünf Jahren jeweils 100 Millionen Euro investieren. Das Personal werde weiter abgebaut. Das Ziel sei es, unter 1500 Vollzeitstellen zu kommen. Zu Jahresbeginn hatte der Konzern nach dem Verkauf einiger Tochterunternehmen noch 1581 Mitarbeiter.
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