Mit Twitter und Blogs

Wie @biancajagger für eine gerechte Welt kämpft

Bianca Jagger war das Supermodel der 70er-Jahre, Ehefrau des Rolling Stone Mick Jagger. Danach fand sie zu ihrer wahren Berufung, kämpft für die Menschenrechte. Jetzt ist sie auf re:publica in Berlin.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Sie kam im lachsfarbenen Wollmantel, gestützt auf eine Gehstock: Die Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger (69) ist gebrechlich geworden, umso stärker ist ihre Botschaft: „Wir können die Welt verändern“, ruft sie ihrem Publikum bei der Bloggerkonferenz re.publica in Berlin zu. Das Werkzeug dazu – und das ist ihre zweite Botschaft – ist das Netz – für Bianca Jagger vor allem Twitter, aber auch Blogs.

Auf die Frage nach einer Erfolgsgeschichte erzählt sie von den beiden herzkranken Kindern, die sie in den 90er-Jahren nach dem Krieg in Bosnien kennen lernte. „Es ist zumindest zur Hälfte eine Erfolgsgeschichte“, sagte sie. Beide Kinder brauchten dringend medizinische Hilfe im Ausland. Es gelang ihr, für den achtjährigen Mohamed ein Visum zu erhalten, damit der in den USA operiert und dadurch gerettet werden konnte. Für das Mädchen klappte das nicht. Es habe von den UN-Truppen keinen Platz im Helikopter erhalten und sei wenig später gestorben.

Bianca Jagger wuchs unter der Diktatur des Somoza-Clans in Nicaragua auf. Ihre Mutter erzog sie zum Widerstand. „Das habe ich nie vergessen“, sagt sie. Ein Stipendium ermöglichte ihr ein Auslandsstudium der Politikwissenschaften an der Sorbonne in Paris. Sie war das Supermodel der 70er-Jahre, Ehefrau des Rolling Stone Mick Jagger.

Bianca Jagger gründete ihre eigene Stiftung

Danach fand sie zu ihrer wahren Berufung. Mitte der 80er-Jahre engagierte sie sich bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Später gründete sie ihre eigene Stiftung, die sich für die Wahrung der Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz in allen Teilen der Welt einsetzt.

Eines ihrer Schlüsselerlebnisse war im Jahr 1981. Sie war als Mitglied einer Untersuchungskommission des US-Kongresses zu Besuch in einem Flüchtlingslager der Vereinten Nationen in Honduras, als ein Todeskommando von El Salvador über die Grenze kam und im Lager 40 Flüchtlinge verschleppte. Bianca Jagger und andere Mitglieder der Delegation verfolgten die Entführer und stellten sich ihnen entgegen. „Sie haben schließlich eingesehen, dass sie zu viele Menschen hätten töten müssen“, sagte Jagger. So ließen sie ihre Gefangenen frei und verschwanden.

Schreibt für das Online-Magazin Huffington Post

Das war lange bevor das Netz die Welt eroberte und sich Informationen in Sekundenbruchteilen auf der ganzen Welt verbreiten konnten. „Ich glaube an die Kraft des Einzelnen“, sagt Jagger. „Aber wir sind effektiver, wenn wir uns zusammentun.“ Bianca Jagger nutzt Twitter, um ihre Botschaft in die Welt zu tragen und anzuklagen. Sie schreibt für die US-Ausgabe des Online-Magazins Huffington Post. Egal ob eine Massenvergewaltigung in Indien angeprangert wird, die Geschäftspraxis des Gentechnik-Konzerns Monsanto, die Zerstörung der Umwelt durch Ölkonzerne in Mittelamerika oder die Vertreibung der Menschen in Syrien.

Ein Werkzeug dazu bietet Sanja Goel. Er ist Mitgründer von Oximity, einem Netzwerk, das im Internet nutzergenerierte politische Nachrichten verbreitet. Seine Botschaft lautet: „Die kollektive Kraft der Machtlosen wird gewinnen.“ Das Netz bringe die Menschen zusammen, die keinen politischen Einfluss hätten. „Das wird eine globale Bewegung“, sagt Goel.

Seine Vision: Unabhängige Netzwerke, die in der Zeit vor dem Internet nebeneinander her arbeiteten, finden zueinander, inspirieren sich und helfen einander. Wie das funktionieren könnte, ist auf Oximity zu sehen, wo Blog-Beiträge aus allen Krisenherden der Welt veröffentlicht werden. Aus einzelnen Netzwerken werde auf diese Weise ein Netzwerk von Netzwerken, das vielen einzelnen Menschen Einfluss verleihe.