Web-Konferenz

Re:publica kämpft in Berlin für das freie Internet

Mehr als 6000 Teilnehmer diskutieren auf der re:publica die nächsten drei Tage über Netzthemen. Gefordert wurde zur Eröffnung nicht nur ein freies Internet, sondern auch Asyl für Edward Snowden.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Es war eine Kampfansage, mit der die Web-Konferenz re:publica am Dienstagmorgen in der Station am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg eröffnet wurde. Markus Beckedahl, Gründer des populären Blogs netzpolitik.org, erinnerte in der Freude über die neunte Ausgabe der Konferenz an die umfassende, weltweite Kommunikations-Überwachung, die seit den Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden im vergangen Jahr bekannt geworden ist.

„Es geht um unsere Grundrechte. Wir fordern unsere Bundesregierung auf, diese endlich durchzusetzen. Das ist unser Netz! Lasst es uns gemeinsam zurück erkämpfen!“, forderte er das Publikum auf. Als logische Konsequenz bilden mehr als 70 netzpolitische Veranstaltungen auf der re:publica in diesem Jahr einen thematischen Schwerpunkt.

Auch Björn Böhning (SPD), Chef der Berliner Senatskanzlei, freute sich nicht nur über die blühende Start-up-Szene in der Hauptstadt. „Wir müssen sehen, wie die Freiheit gewahrt bleibt. Wir müssen uns das Internet zurückzuholen“, forderte er. Er erinnerte daran, dass ein freies Netz die Grundlage für die Entwicklung der digitalen Wirtschaft ist. Und er stellte einen direkten Bezug zwischen dem Mauerfall vor 25 Jahren und der Notwendigkeit eines diskriminierungsfreien Zugangs zum Netz für alle her.

„Asyl für Edward Snowden!“

Die re:publica hat sich von der kleinen Bloggerkonferenz, als die sie 2007 startete, zu einer Konferenz entwickelt, die über eine Nabelschau deutscher Blogger hinausgeht. Mehr als 6000 Teilnehmer diskutieren die nächsten drei Tage über Netzthemen und feiern sich selbstverständlich auch selbst. Erstmals wird mit der gleichzeitig stattfindenden Media Convention Berlin der Versuch gewagt, die Internet-Avantgarde mit den traditionellen Medien zu zusammenzuführen. Von allen Veranstaltungen gibt es Livestreams.

Zum Abschluss erinnerten die Veranstalter von re:publica und Media Convention an Blogger und Internetaktivisten, die weltweit in Haft oder auf der Flucht sind. Dazu zählen die vietnamesische Bloggerin Ta Phong Tan, das äthiopische Blogger-Team „Zone 9“, der syrische Software-Entwickler Bassel Khartabli und der chinesische Professor Ilham Tohti.

Den meisten Applaus bekam NSA-Whistleblower Snowden. Und so forderte Beckedahl zum Abschluss unter großem Jubel des Publikums von der deutschen Regierung: „Asyl für Edward Snowden!“ Aktuell hält sich der Amerikaner in Moskau auf.