Die Berliner Grünen nehmen in diesem Jahr nicht an der „Stonewall CSD Parade 2014“ des Berliner CSD e.V. teil. Nach monatelangen Diskussionen über die umstrittene Namensänderung der Parade mit dem Verein, seinen Mitgliedern und in der Community habe man entschieden, der Veranstaltung fern zu bleiben, erklärte die Landesarbeitsgemeinschaft QueerGrün in einer Mitteilung.
„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und im Vorfeld wiederholt Gespräche mit dem CSD-Vorstand über das umstrittene Konzept geführt – leider ohne Erfolg“, sagte Sprecher Ulli Reichardt.
Maria Meisterernst, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft QueerGrün, die die Teilnahme bislang für die Partei organisierte, erklärte: „Es entspricht nicht unserem Demokratieverständnis, wenn die Wünsche und Sorgen der Community ignoriert werden“. Über die Teilnahme an einer alternativen Veranstaltung sei noch nicht entschieden worden.
Aktionsbündnis plant eigene Route
Nachdem das Team um CSD-Geschäftsführer Robert Kastl den Umzug in „Stonewall Parade“ umbenannt hatte, war es in den vergangenen Monaten zu heftigen Streitereien zwischen dem CSD Verein und Teilen der an der Veranstaltung beteiligten Community gegeben. Kastl wiederum hatte Politiker und Mitarbeiter des Bezirksamts als homophob bezeichnet und in einer Pressekonferenz scharf attackiert.
Ein Aktionsbündnis, das sich von den CSD-Machern abgewendet hat, plant derweil eine eigene Route im Bezirk. Einer der Akteure ist Heiko Großer, Vorstand der Berliner Aidshilfe, die kürzlich aus dem CSD e.V. aus Protest an der Vereinsspitze ausgetreten war. „Wir wollen politische Inhalte in den Mittelpunkt stellen“, sagt Großer, der zu den bisher rund 30 Unterzeichnern des Aktionsbündnisses gehört.
Die bereits angemeldete Route soll an Vertretungen von Ländern und Organisationen vorbeiführen, die aus Sicht der Protestler für Schwulenfeindlichkeit stehen. Start ist die Botschaft von Uganda, weiter geht es in das Botschaftsviertel (unter anderen führt der Weg an der russischen Botschaft vorbei) und führt zur CDU-Bundeszentrale, wo die Abschlusskundgebung stattfinden soll. „Mit der CDU-Zentrale haben wir einen innenpolitischen Bezug“, sagte Großer.
Orte wie das Brandenburger Tor oder die Siegessäule seien für das Aktionsbündnis nicht wichtig. „Die Fanmeile interessiert uns nicht, und wir reiben uns auch nicht an ihr“, sagte Großer.
Genehmigung steht noch aus
Der Christopher Street Day erinnert an die erste große Demonstration für Gleichberechtigung von Homosexuellen in New York. Der Veranstalter des Christopher-Street-Day-Umzuges, Robert Kastl. hat die Route, wie auch im vergangenen Jahr, vom Kurfürstendamm bis zum Brandenburger Tor beantragt. Noch steht die Genehmigung aus, denn es ist noch unklar, wie die Fanmeile zur gleichzeitig stattfindenden Fußball-WM gesichert werden soll.
Der Bezirk möchte einen festen Zaun am Tiergarten aufbauen, das lehnt die Stadtentwicklungsverwaltung ab. Stattdessen solle die Polizei mehr Einsatzkräfte entsenden, um sicherzustellen, dass der provisorisch aufgestellte Zaun kein Sicherheitsrisiko darstellt. Doch das lehnt die Innenbehörde ab. Fraglich ist deshalb, ob im Bezirk, fast in unmittelbarer Nähe zur Fanmeile, ein weiteres Großereignis genehmigt wird.
BM
![Mit der Regenbogenfahne nehmen Frauen und Männer am 22.06.2013 während des diesjährigen Umzugs zum Christopher Street Day (CSD) vor dem Fernsehturm in Berlin teil. Tausende Schwule und Lesben haben mit einer großen Straßenparade gegen gesellschaftliche Diskriminierung demonstriert. Am Straßenrand verfolgten zehntausende Schaulustige den bunten Umzug mit gut 50 Wagen und dutzenden Fußgruppen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ] Mit der Regenbogenfahne nehmen Frauen und Männer am 22.06.2013 während des diesjährigen Umzugs zum Christopher Street Day (CSD) vor dem Fernsehturm in Berlin teil. Tausende Schwule und Lesben haben mit einer großen Straßenparade gegen gesellschaftliche Diskriminierung demonstriert. Am Straßenrand verfolgten zehntausende Schaulustige den bunten Umzug mit gut 50 Wagen und dutzenden Fußgruppen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ]](https://img.sparknews.funkemedien.de/127671172/127671172_1423606468_v16_9_1200.jpeg)




