Die Debatte um die Umbenennung des Christopher Street Day in „Stonewall Parade“ geht weiter. Nachdem am Mittwoch die lesbisch-schwulen Arbeitsgemeinschaften von SPD, CDU, Grünen, Linken und Liberalen in einem offenen Brief an den Vorstand des CSD e.V. die geplante Umbenennung scharf kritisierten, reagierte der Verein am Donnerstag mit einem Antwortbrief. In diesem verteidigt der CSD e.V. seine politische Unabhängigkeit und betont, jedem stehe die Mitarbeit im Verein offen. Außerdem besäßen Parteien beim CSD Berlin „keine Sonderrechte“.

Die Lebenssituation vieler homo-, inter, und transsexueller Menschen habe in den vergangenen Jahren weltweit „substanzielle Rückschläge“ erfahren, deshalb arbeite er an einer „Weiterentwicklung seiner Konzepte“, hieß es in dem Schreiben des Vereins. Die Idee bestehe vor allem in einer Politisierung der Vereinsaktionen, um eine „Gleichstellung in den Köpfen und Herzen der Menschen“ zu erreichen, so CSD-Geschäftsführer Robert Kastl. Er betont, der Christopher Street Day bleibe der Christopher Street Day, es gehe lediglich um die vom CSD e.V. verantworteten Veranstaltungen wie den finalen Demonstrationsumzug. Nur dieser solle in „Stonewall Parade“ umbenannt werden.

Kritik kommt indes aus der Queer-Community. In einem Artikel auf der Internetseite des Radios „QueerLive“ wird dem CSD e.V. vorgeworfen, er habe sich bereits im November 2012 beim Deutschen Patentamt für Markennamen um eine Anmeldung der Marke „Stonewall“ bemüht, die am 7. Januar dieses Jahres registriert worden sei. Dies sei ohne Kenntnis der Community geschehen. Es sei taktlos, „wenn sich jemand ein Event als Marke eintragen lässt, welches aus einer Revolution und dem Kampf von Schwulen und Lesben heraus entstanden ist“.

User-Kommentare auf Facebook gehen noch weiter und fordern auf der Seite des Berliner CSD den Rücktritt des Vereinsvorstandes. Auch Petra Nowacki (SPD) und Jurgen Daenens (CDU), Mitunterzeichner des offenen Briefes an den CSD e.V., zeigten sich irritiert vom Verhalten des Vereins und dessen Antwortbrief. „Die Community sollte an solchen Entscheidungen wie einer Umbenennung beteiligt werden“, fordert Nowacki. „Und zur Community gehören auch die lesbisch-schwulen Arbeitsgemeinschaften der Parteien.“