Ungeachtet des Streits um die Sicherheit für die Fanmeile zur Fußball-Weltmeisterschaft ist auch die Genehmigung für ein weiteres Großereignis im Herzen der Stadt nicht erteilt: die Genehmigung für den Christopher Street Day, mit rund 700.000 Besuchern eine der größten und wichtigsten Veranstaltungen Berlins. „Es wäre schön, wenn wir bald Klarheit hätten“, sagt der Veranstalter des Christopher-Street-Day-Umzuges, Robert Kastl.
Der CSD erinnert an die erste große Demonstration für Gleichberechtigung von Homosexuellen in New York. Kastl hat die Route, wie auch im vergangenen Jahr, vom Kudamm bis zum Brandenburger Tor beantragt. Am selben Tag, dem 21. Juni, findet jedoch das WM-Vorrundenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Brasilien gegen Ghana statt. Auch die Organisatoren der Fanmeile beanspruchen an diesem Tag die beliebte Straße des 17. Juni für ihre Veranstaltung.
Um den CSD nicht zu gefährden, haben die CSD-Veranstalter als Alternative eine Route beantragt, die am Bundestag vor dem Paul-Löbe-Haus endet. Sollte das aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt werden, gäbe es einen weiteren Vorschlag. „Aber jetzt warten wir erst einmal die Entscheidung ab“, sagt Kastl.
Dass die Behörden die Route zum Bundestag genehmigt, gilt als zweifelhaft. Schließlich ist noch unklar, wie die Fanmeile gesichert werden soll. Der Bezirk möchte einen festen Zaun am Tiergarten aufbauen, das lehnt die Stadtentwicklungsverwaltung ab. Stattdessen solle die Polizei mehr Einsatzkräfte entsenden, um sicherzustellen, dass der provisorisch aufgestellte Zaun kein Sicherheitsrisiko darstellt. Doch das lehnt die Innenbehörde ab. Fraglich ist deshalb, ob im Bezirk, fast in unmittelbarer Nähe zur Fanmeile, ein weiteres Großereignis genehmigt wird.
Krisengespräch mit allen Beteiligten anberaumt
Der Bezirk Mitte sieht die Verantwortlichkeit bei Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Müller habe sich gegen einen Zaun ausgesprochen, obwohl ein Gutachten und Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) aus Sicherheitsgründen einen festen Zaun empfohlen hatten. Müller müsse erklären, wie er eine sichere Veranstaltung am 17. Juni ohne festen Zaun garantieren könne. „Ich möchte mich nicht in die Kompetenz des Stadtentwicklungssenators einmischen. Er wird eine gut abgewogene und kompetente Entscheidung treffen“, sagte Stadtrat Carsten Spallek (CDU).
In der kommenden Woche soll ein Krisengespräch mit allen Beteiligten stattfinden, nachdem ein Chefgespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) keinen Erfolg gebracht hat. Spallek hofft auf ein Einsehen Müllers. „Wir haben Erfahrung im Umgang mit Großveranstaltungen, haben Schwachstellen erkannt und Lösungsvorschläge vorgetragen – bislang wurde aber nicht darauf reagiert“, sagte Spallek.
Als derzeit aussichtsreichste Lösung gilt die von Veranstalter Willy Kausch vorgeschlagene Variante mit einem neuartigen Zaun, der mobil eingesetzt werden kann, aber standfester als bisherige Zäune sein soll. Allerdings sei dafür erheblich mehr Zeit für den Aufbau nötig, und das Aufstellen falle wegen des größeren Aufwandes auch teurer aus, bemängelt Spallek.
Alternative Route vorgeschlagen
Die Zeit drängt. Denn neben der Fanmeile und dem CSD-Umzug plant auch die Fashion Week ihre Veranstaltung am 17. Juni, auch die zentrale Berliner Silvester-Party soll wieder vor dem Brandenburger Tor stattfinden. Die Mitte Berlins ist eben ein beliebter Ort für Veranstaltungen.
Die Planungen für den kommenden Christopher Street Day sind aus weiteren Gründen erschwert: Während um Sicherheitszäune und die Konkurrenz zum Fußball-Fanfest gestritten wird, spricht die am CSD beteiligte Community nicht mit einer Stimme. Streitereien zwischen dem CSD Verein und Teilen der am Unzug beteiligten Gemeinschaft prägten die vergangenen Monate, nachdem das Team um Geschäftsführer Robert Kastl den Verein in „Stonewall Parade“ umbenannte. Kastl wiederum hatte Politiker und Mitarbeiter des Bezirksamts als homophob bezeichnet und in einer Pressekonferenz scharf attackiert.
Ein Aktionsbündnis, das sich von den CSD-Machern abgewendet hat, plant derweil eine eigene Route im Bezirk. Einer der Akteure ist Heiko Großer, Vorstand der Berliner Aidshilfe, die kürzlich aus dem CSD e.V. aus Protest an der Vereinsspitze ausgetreten war. „Wir wollen politische Inhalte in den Mittelpunkt stellen“, sagt Großer, der zu den bisher rund 30 Unterzeichnern des Aktionsbündnisses gehört. Die bereits angemeldete Route soll an Vertretungen von Ländern und Organisationen vorbeiführen, die aus Sicht der Protestler für Schwulenfeindlichkeit stehen. Start ist die Botschaft von Uganda, weiter geht es in das Botschaftsviertel (unter anderen führt der Weg an der russischen Botschaft vorbei) und führt zur CDU-Bundeszentrale, wo die Abschlusskundgebung stattfinden soll. „Mit der CDU-Zentrale haben wir einen innenpolitischen Bezug“, sagte Großer.
Orte wie das Brandenburger Tor oder die Siegessäule seien für das Aktionsbündnis nicht wichtig. „Die Fanmeile interessiert uns nicht, und wir reiben uns auch nicht an ihr“, sagte Großer.





