Bilanz 2013

Berliner S-Bahn schreibt erstmals seit Krise schwarze Zahlen

Die Berliner S-Bahn hat nach eigenen Angaben 2013 ein Plus von 43 Millionen Euro erwirtschaftet. Insgesamt zählte das Verkehrsunternehmen 402 Millionen Kunden-Fahrten. Das sind so viele wie nie zuvor.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Das Jahr 2014 ist für die Berliner S-Bahn ein besonderes: Vor 90 Jahren rollte der erste elektrische Zug zwischen dem heutigen Nordbahnhof und Bernau. Und dieses Jubiläum soll gefeiert werden. Alle Bezirke und Gemeinden, die auf dem Fahrplan auftauchen, können sich als Taufpaten bewerben. So wird ab Mitte Mai das Wappen und der Name von Erkner auf beiden Seiten eines Zuges kleben.

Noch mehr freuen werden sich die Berliner aber wohl darüber, was die S-Bahn bei der Präsentation ihrer Jahresbilanz 2013 am Montag verkünden durfte.

Im April 2014 überschritt der Pünktlichkeitswert gemäß Verkehrsvertrag erstmals seit Beginn der Krise 2009 wieder den vorgeschrieben Wert von 96 Prozent. Die Berechnung ist strenger als die des Verkehrsbunds Berlin-Brandenburg (VBB), aber maßgeblich für anfallende Strafzahlungen aufgrund von Verspätungen und Ausfällen.

Sprich: Zum ersten Mal seit vier Jahren wurden diese für zumindest einen Monat nicht fällig. Für 2013 wurde dieses Ziel allerdings verfehlt – obwohl die Pünktlichkeit gemäß Verkehrsvertrag von knapp 89 auf immerhin 93,5 Prozent stieg.

Erstmals seit 2008 wieder schwarze Zahlen

Trotzdem ist die Stimmung im Unternehmen positiv. Die S-Bahn blicke auf ein „gutes, erfolgreiches Jahr“ zurück, sagte Chef Peter Buchner. Stand 2012 noch ein Verlust von sieben Millionen Euro zu Buche, schrieb die S-Bahn im Jahr 2013 mit einem Plus von 43,3 Millionen Euro erstmals seit 2008 wieder schwarze Zahlen.

Auf dem Höhepunkt der Krise 2010 hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 222 Millionen Euro eingefahren. Der aktuelle Wert ist allerdings mit Vorsicht zu genießen und lässt sich laut Buchner in diesem Jahr nicht unbedingt wiederholen.

Der Grund sind Einmaleffekte. So hatte die Bahn-Tochter im Streit mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) um den VBB-Einnahmeaufteilungsvertrag Rückstellungen gebildet, die nun aufgelöst wurden. Zudem verursacht die relativ alte Fahrzeugflotte keine Kapitalkosten mehr, erst kürzlich wurde das letzte Darlehen dafür getilgt. Darüber hinaus standen 2013 verhältnismäßig wenige Hauptuntersuchungen bei den Fahrzeugen an.

Immerhin muss der Mutterkonzern Deutsche Bahn nicht wie in den Jahren zuvor Geld zuschießen. Insgesamt steigerte die S-Bahn ihren Umsatz auf 638 Millionen Euro, ein Plus von 14 Prozent zum Vorkrisenjahr 2008 und zwölf Prozent zum Vorjahr. Mit 347,6 Millionen Euro machen die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf dabei den größeren Teil aus. Die Einnahmen aus dem von Berlin und Brandenburg gezahlten Bestellerentgelt stiegen zwar um neun Prozent, liegen aber immer noch knapp unter Vorkrisenniveau. Die Zahl der beförderten Personen stieg um 1,8 Prozent auf 402 Millionen – ein neuer Rekord.

Stammkunde Nummer 200.000

Das Fahrplanangebot liegt inzwischen bei immerhin 99,2 Prozent der bestellten Zugleistung. Eine geringere Zugstärke herrscht offenbar nur noch bei den Linien S45 und S85. Letztere wurde im vergangenen Jahr als Letzte der im Rahmen der Krise gestrichenen wieder in Betrieb genommen. „Seit die S85 wieder fährt, ist die Krise für mich vorbei“, sagte Buchner.

Als wichtige Messlatte sieht die S-Bahn die Zahl der Abonnenten, welche um drei Prozent stieg. Und das, obwohl man im letzten Jahr keine Entschuldigungsangebote auf den Markt geworfen habe. Vielmehr durfte kürzlich Stammkunde Nummer 200.000 begrüßt werden – er bekam einen Stadionbesuch bei Hertha BSC spendiert.

Nochmals bestätigt wurde das Interesse an der Ringbahn. Deren Betrieb ist vom VBB im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg ausgeschrieben, die Deutsche Bahn gilt als aussichtsreichster Kandidat. Da der Betrieb mit Neufahrzeugen ab 2017 wegen Verzögerungen nicht zu halten sein wird, bestätigte die S-Bahn nochmals, dass die Züge der Altbaureihen 480 und 485, deren Zulassung eigentlich in drei Jahren abläuft, definitiv für eine Nutzung bis 2023 technisch fit gemacht werden sollen.

Als Taufpaten können sich Bezirke und Gemeinden für diese Züge allerdings nicht bewerben. Schließlich soll das Bekenntnis zur S-Bahn länger als ein paar Jahre zu sehen sein.

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