Wohnungsbau

Berliner Senat verspricht 5000 neue Studenten-Wohnheimplätze

Zimmer, dringend gesucht: In Berlin mangelt es an Wohnraum für Studenten. Jetzt will der Senat 5000 zusätzlichen Wohnheimplätze schaffen. Aber wie das Ziel erreicht werden soll, ist vollkommen offen.

Foto: Amin Akhtar

Im Hochhaus des Studentenwerks am Ostbahnhof ist ein Einzelzimmer frei. Für maximal 235 Euro, befristet auf fünf Monate. Im Wohnheim am Halbauer Weg in Lankwitz darf ein wohnungssuchender Student drei Monate bleiben, für 200 Euro warm und möbliert. Dauerhaft bietet die Gesobau Studentenappartments. Zum Beispiel an der Maxstraße in Wedding: ein Zimmer, 37 Quadratmeter, 416 Euro.

Vor allem Studierende aus dem Ausland oder anderen Bundesländern – in Berlin sind das 60 Prozent der Studenten – sind bei der Suche nach einer Bleibe oft auf Studentenwohnheime oder das Angebot der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften angewiesen. „Wir haben eine schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt, Studenten können oft nicht mithalten“, sagte Lars Oberg, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Die rot-schwarze Koalition will dem sich verschärfenden Notstand begegnen. „5000 zusätzliche Wohnheimplätze sind unser Ziel“, sagte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) jetzt bei einer Anhörung im Abgeordnetenhaus. Aber obwohl alle Fraktionen das Anliegen unterstützen, brachte die Anhörung vor allem zahlreiche Probleme an den Tag. Wann und wie die vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bereits 2013 verkündete Zielmarke erreicht werden soll, blieb offen. Bisher sind fünf Grundstücke ins Auge gefasst, darauf könnten nach Senatsangaben rund 600 Plätze entstehen.

Die rot-schwarze Koalition will dem sich verschärfenden Notstand begegnen. „5000 zusätzliche Wohnheimplätze sind unser Ziel“, sagte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) jetzt bei einer Anhörung im Abgeordnetenhaus. Aber obwohl alle Fraktionen das Anliegen unterstützen, brachte die Anhörung vor allem zahlreiche Probleme an den Tag. Wann und wie die vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bereits 2013 verkündete Zielmarke erreicht werden soll, blieb offen. Bisher sind fünf Grundstücke ins Auge gefasst, darauf könnten nach Senatsangaben rund 600 Plätze entstehen.

Berliner Studentenwerk warnt vor Verlust von Wohnheimplätzen

Die Chefin des Berliner Studentenwerks, Petra Mai-Hartung, warnte sogar vor einem Verlust von Plätzen. Das große Wohnheim am Kreuzberger Hafenplatz falle 2018 weg. Wenn bis dahin nichts geschehe, sinke der Grad der mit Wohnheimplätzen versorgten Berliner Studenten von 6,1 Prozent in 9400 Wohneinheiten auf nur noch 5,6 Prozent. In anderen Uni-Städten stünde für jeden zehnten Studenten ein Platz bereit. Die Warteliste drohe zum Wintersemester, wenn die meisten Studiengänge beginnen, von 1000 auf 2000 anzuwachsen.

Die Opposition warf dem Senat Fehlplanung vor. Das Thema stehe angesichts steigender Studentenzahlen seit mindestens vier Jahren auf der Agenda. „Wer mehr Studenten will, muss auch mehr soziale Infrastruktur schaffen“, sagte Wolfgang Albers (Linke).

Nach elf Monate langer Diskussion hat sich der Senat jetzt immerhin auf einen Weg geeinigt, auf dem er sein Ziel zu erreichen gedenkt. Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sollen ins „studentische Wohnen“ einsteigen. Sie errichten auf Grundstücken, die ihnen gratis vom Land überlassen werden, die Gebäude und übergeben den Betrieb dann dem darauf spezialisierten Studentenwerk. Dessen Chefin Mai-Hartung hätte gern selber gebaut. Aber die Senatsfinanzverwaltung ist strikt dagegen. Für das Werk als Anstalt öffentlichen Rechts gelte Gewährträgerhaftung des Landes, sagte Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhof.

Berlin befinde sich weiterhin in einer „dramatischen Haushaltsnotlage“, die durch die Beteiligungsbetriebe des Landes verursacht worden sei. „Das machen wir nicht mehr.“ Die Opposition wollte wissen, wie denn stattdessen die nach eigenen Senatsschätzungen 54.000 Euro pro Wohnheimplatz, in der Summe für 5000 Plätze also 270 Millionen Euro, aufgebracht werden sollen. Die Antwort gaben die Senatsvertreter mit dem Hinweis, die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sollten für die Wohnheim-Projekte Schulden aufnehmen.

Keine Zuschüsse aus der Landeskasse geplant

Die Wohnungsunternehmen sind jedoch zurückhaltend. Man habe die fünf vom Studentenwerk als tauglich befundenden landeseigenen Flächen geprüft, erachte aber keine für geeignet für ein eigenes Engagement, hieß es bei der eigentlich vergleichsweise neubaufreundlichen Degewo. Nach dem jüngsten Senatsbeschluss haben die Wohnungsbaugesellschaften jedoch keine Wahl mehr. „Sie müssen jetzt“, hieß es am Ende der Anhörung. Allzu intensiv scheinen die Verhandlungen zwischen den Gesellschaften und dem Studentenwerk bisher nicht gewesen zu sein. Mai-Hartung sagte, man habe noch „nicht konkret“ über eine Zusammenarbeit gesprochen: „Alles ist im Dunklen.“

Senatorin Scheeres will jetzt die Kooperation anschieben und alle Beteiligten an einen Tisch bringen. Als nächster Schritt soll ein Muster-Vertrag ausgehandelt werden, an dem sich künftige Projekte orientieren sollen. Als erstes konkretes Vorhaben ist das ehemalige Coubertin-Gymnasium in Prenzlauer Berg vorgesehen. Nachdem der Plattenbau zunächst auch als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen war, soll das Gebäude nun an eine Wohnungsbaugesellschaft gehen und für Studenten genutzt werden, sagte die Finanz-Staatssekretärin.

Zuschüsse aus der Landeskasse sind nicht geplant. Bau- und Unterhaltskosten müssten aus den Mieten finanziert werden, sagte die Studentenwerk-Geschäftsführerin. Dabei seien die Grenzen eng gesteckt. Die Schmerzgrenze für die Miete liege bei 350 Euro. Bisher liegen die Mieten beim Studentenwerk zwischen 140 und 285 Euro. Der Bafög-Satz sehe 224 Euro für Wohnen vor.

Einige private Wohnheimprojekte schaffen bezahlbaren Wohnraum

Studentenvertreter verwiesen auf die ökonomische Zwangslage vieler Studierender. In Berlin hätten zehn Prozent weniger als 600 Euro pro Monat zum Leben, 25 Prozent müssten mit weniger als 700 Euro auskommen, sagte Christine Hilgert, angehende Theologin aus dem Studierendenbeirat des Studentenwerks. Sie verstehe nicht, warum das Studentenwerk nicht selber bauen dürfe.

Philipp Bahrt vom Allgemeinen Studierendenausschuss der Freien Universität sagte, an der Frage von bezahlbaren Mieten entscheide sich „die Durchlässigkeit des Bildungssystems“. Teure Mieten schreckten junge Menschen aus ärmeren Familien vom Studium ab, sagte Bahrt. Er halte auch nichts davon, wenn jetzt private Wohnheimprojekte mit „20 Quadratmetern im Container für 400 Euro“ propagiert würden.

Mario Husten von der Holzmarkt-Genossenschaft, der früheren Macher der Bar 25, die am Friedrichshainer Spreeufer ein Kreativ-Zentrum entwickelt und dort Wohnplatz für 500 Studenten anstrebt, mahnte ein komplett neues Denken an. Es gehe auch darum, den jungen Menschen Platz für Kreativität zu geben und diesen flexibel zu verändern.

Solche Konzepte entwickele man gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, wobei diese bisher wenig Erfahrung habe mit solchen Vorhaben. Ökonomisch sei die Unterbringung von Studenten jedoch darstellbar. Die Bewohner bräuchten keine 25 Quadratmeter persönlichen Rückzugsraum. Wegen der Kleinteiligkeit der Räume ließen sich bei Baukosten von 2400 Euro auch Mieten von elf Euro pro Quadratmeter bezahlen. Den Politikern riet Husten, stärker auf solche privaten Initiativen zu setzen.