Im Steinofen Brot backen, Apfelsaft pressen, pflanzen, säen, ernten oder einfach nur mal laut toben dürfen: Die seit 1921 bestehende Gartenarbeitsschule „Ilse Demme“ wird täglich von bis zu fünf Klassen besucht, um fächerübergreifend in der Natur zu lernen. Auch Kita-Kinder kommen mit ihren Erziehern. Zehntausende Besucher sind es jedes Jahr. Doch nun sorgen Umzugspläne der Bezirksverwaltung mit Folgen auch für die Traditionseinrichtung an der Dillenburger Straße 57 in Schmargendorf für Unruhe unter deren Mitarbeitern.

Vom Bezirksamt wurde entschieden, dass die Mitarbeiter des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes in einen Pavillon der Gartenarbeitsschule einziehen sollen. Bislang hatten sie ihre Büros im Dienstgebäude am Hohenzollerndamm. Doch die Verwaltung verlässt das Rathaus am Fehrbelliner Platz.

Erst kürzlich schlugen die Eltern der Schmargendorfer Carl-Orff-Grundschule Alarm. Sie sollen ein Hortgebäude für Mitarbeiter aus dem Rathaus Wilmersdorf aufgeben. Jetzt sind auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Gartenarbeitsschule „erschüttert und empört“. Sie sorgen sich um die Sicherheit der Kinder. „Noch können sie sich unter Aufsicht auf dem Gelände ziemlich frei bewegen. Wenn hier die Lebensmittelkontrolleure und Veterinäre einziehen, wird das nicht mehr gehen“, kritisiert Irmhild Chrzanowski. Nicht nur die Mitarbeiter würden dann das Gelände nutzen, sondern auch deren Besucher. Mit beißwütigen oder vielleicht sogar kranken Hunden müsse gerechnet werden. Bislang sei es so, dass sich jeder, der aufs Gelände komme, vorher anmelde.

Amtsmitarbeiter sind viel unterwegs

Gisela Wolfram, die sich schon mehr als zehn Jahre ehrenamtlich in der Gartenarbeitsschule engagiert, ärgert sich vor allem darüber, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. „Warum können nicht die Dienstkräfte des Amtes in den Fertigbaucontainer ziehen, der hier neu aufgestellt werden soll?“, fragt sie. Dabei könne gleich ein separater Zugang direkt von der Straße geschaffen werden, damit die Nutzung von der Gartenschule getrennt werde.

Stadträtin Dagmar König (CDU), im Bezirksamt für die Umzüge verantwortlich, betont, dass das Angebot der Gartenarbeitsschule aufrechterhalten bleibe. „Wir müssen alle ein Stück zusammenrücken. Das macht niemand gern. Dafür habe ich Verständnis. Aber man kann die Angebote auf dem Gelände ein wenig verlagern. Wir sind der Meinung, dass das geht“, so Dagmar König.

Die 16 Mitarbeiter des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes hätten wenig Besucher und seien viel unterwegs. Die Tieruntersuchungen könnten zu den Zeiten stattfinden, wenn dort keine Kinder seien.

Grüne Stadträtin stimmt „mit Bauchschmerzen“ zu

Außerdem habe die Fachabteilung Schule, vertreten durch Stadträtin Elfi Jantzen (Grüne), den Vorschlag geprüft und für vertretbar gehalten. „Immer mit Bauchschmerzen, gerade für mich als Grüne ist es schmerzhaft, einen ökologischen Lernort einschränken zu müssen“, sagte Elfi Jantzen. Da der Bezirk jedoch nicht mehr über viele eigene Immobilien verfüge, außer im Schulbereich, die überhaupt für eine Verdichtung der Verwaltung in Frage kämen, habe es nun ihren Bereich getroffen.

Der Vorschlag der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Gartenarbeitsschule, die Dienstkräfte des Veterinäramtes sollten in den neuen Container ziehen, sei jedoch teurer, sagte sie.