Schiller-Theater

Umzug in die Ausweichspielstätte stachelt Staatsoper an

Von der großen Opernpremiere bis ins Kammermusikalische: Das Provisorium Schiller-Theater hat die Opernmacher angestachelt, alles andere als ein Opernmuseum zu sein - mitsamt neuem Hauskomponisten.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Mit leichter Hand blättern Stardirigent Daniel Barenboim und Intendant Jürgen Flimm die exquisitesten Namen für ihre Staatsoper im Schiller-Theater hin. Das ist schon verblüffend bei 309 Veranstaltungen. Es reicht von der großen Opernpremiere bis ins Kammermusikalische hinein. Zum Saisonauftakt am 31. August gibt es ein Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden. Es singt die derzeit wohl berühmteste Sängerin: Anna Netrebko. Traditionell eröffnet die Staatsoper ihre Saison am 3. Oktober. Daniel Barenboim widmet sich erstmals Puccini, „Tosca“ ist angekündigt. Regie führt Alvis Hermanis.

Überhaupt hat sich das Haus führende Regisseure für die neue Spielzeit gesichert. Der angesagte Regie-Russe Dmitri Tcherniakov macht mit Barenboim zusammen Wagners „Parsifal“ als große Festtage-Premiere. Claus Guth inszeniert die Kammeroper „The Turn of the Screw“, Michael Thalheimer nimmt sich Carl Maria von Webers „Freischütz“ an. Der frühere Berliner Skandalregisseur Hans Neuenfels macht Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“. Von Sasha Waltz & Guests wird die Produktion von Monteverdis „Orfeo“ übernommen.

Tangos mit Rolando Villazón

Das Exklusive setzt sich in der Sängerriege fort. Die große alte Primadonna Edita Gruberova wird in den beiden konzertanten Aufführungen von Bellinis „La straniera“ zu erleben sein. Plácido Domingo ist in der Saison dabei. Mit dem mexikanischen Tenor Rolando Villazon gestaltet der gebürtige Argentinier Barenboim die Konzerte zum Jahreswechsel: Es werden Tangos aus Argentinien sein. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Etwas Bemerkenswertes steckt im Detail. Der Umzug in die Ausweichspielstätte Schiller-Theater hat die Opernmacher offenbar angestachelt, alles andere als ein Opernmuseum zu sein. Von den 21 Opernproduktionen im Repertoire sind 14 bereits im Schiller-Theater entstanden. Zwölf davon sind Werke des 20./21. Jahrhunderts. Also mehr oder weniger frisch.

Und Daniel Barenboim hat sich so etwas wie einen neuen Hauskomponisten auserkoren. Mit Jörg Widmann habe er bereits vereinbart, erzählt Barenboim, dass er jedes Jahr ein Stück von ihm spielen werde. „Es ist eine regelmäßige Präsenz“, so der Stardirigent: „Ich hoffe auch bald auf eine Oper von ihm.“ Widmann, gebürtiger Münchner, tritt gewissermaßen bei Barenboim die Nachfolge von Pierre Boulez, dessen 90. Geburtstag bei den Festtagen im März ausgiebig gefeiert wird, sowie von Eliott Carter an, der im Alter von 103 Jahren verstorben war.

Üppige Barenboim-Spielzeit

Widmann ist gerade mal 40 Jahre alt. Barenboim nennt ihn einen seiner Lieblingskomponisten von heute. Möglicherweise wird Widmann es bald schaffen, in die Liste der weltweit 50 meistgespielten lebenden Komponisten zu kommen, eine Liste, in der bereits zwölf Deutsche zu finden sind.

Die nächste Saison ist auch wieder eine üppige Barenboim-Spielzeit. Er leitet die beiden Premieren sowie „Macbeth“, „Lulu“, „Tannhäuser“, „Tristan und Isolde“, „Wozzeck“ und macht über 20 Konzerte als Dirigent oder Pianist.