Für arbeitslose Jugendliche kann die Suche nach einem Ausbildungsplatz zu einer Odyssee durch Behörden und Beratungsstellen werden. Berufsberatung, Jobcenter, Jugendhilfe – oft hat diese Beratung genauso schon einmal in der Schule stattgefunden. Das soll nun anders werden. Eine Jugendberufsagentur soll in Berlin junge Menschen bei der Suche nach dem geeigneten Ausbildungsplatz unterstützen.

Die Sonderkommission „Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftebedarf“ gab am Montag den Startschuss für das Vorhaben von Senat, Bezirken und der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Schirmherrschaft übernommen.

Im Kern soll es darum gehen, die vorhandenen Maßnahmen zur Berufsberatung besser zu koordinieren und regional zu bündeln – auch um eine parallele Beratung zu vermeiden und effektiver zu arbeiten. „Kein Jugendlicher soll uns verloren gehen“, sagte Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD), „jeder Jugendliche soll ein Angebot für den Weg in den Beruf erhalten.“ Auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), deren Haus die Federführung des Projekts übernommen hat, sagte: „Wenn ein junger Mensch aus dem Raster fällt, sollten die Institutionen das auch merken.“

Drei Bezirke starten 2015

Im Moment gehen noch so einige Jugendliche verloren. Im Schnitt, so erklärt Alexander Schirp von den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg, beginne ein Jugendlicher mit 21,2 Jahren eine Ausbildung. Das ist im bundesweiten Vergleich der höchste Wert. Geht man davon aus, dass der Jugendliche mit 17 Jahren die Schule verlässt, bleiben mehrere Jahre, in denen niemand weiß, wo die Jugendlichen geblieben sind. Vielleicht hat er auch das ein oder andere Beratungsangebot angenommen, doch davon erfahren die anderen Institutionen nichts. Geplant ist nun, dass alle Informationen in der jeweiligen bezirklichen Jugendberufsagentur zusammenlaufen. Schon im nächsten Jahr sollen in drei Bezirken Agenturen öffnen.

Das scheint bitter nötig, denn die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. So waren im März 2014 in Berlin 18.185 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos. Das sind zwar 1977 weniger als im Jahr zuvor, doch die Arbeitslosenquote von 11,4 Prozent liegt trotzdem deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Dilek Kolat hat sich vorgenommen, die Quote bis 2016 unter zehn Prozent zu bekommen. Die Jugendarbeitsagentur könnte ein wirkungsvolles Instrument sein.

In Marzahn-Hellersdorf hat ein ähnliches Projekt schon erste Erfolge verzeichnen können. Seit zwei Jahren arbeiten dort die Jugendhilfe und das Jobcenter eng zusammen, und es ist gelungen seit 2012 die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren von 2600 auf 1700 zu senken. Doch die Beteiligten der Sonderkommission betonten auch, dass die Berufsagentur nicht das Allheilmittel sein könne. Schon in der Schule müsse eine gute Beratung stattfinden. Zum Beispiel müsse klar sein, so Scheeres, welche Auszubildenden gerade besonders gesucht würden. Wieder geht es um Austausch von Informationen.

Mehr Ausbildungsplätze gefordert

Nach der Schule müsse es genug Ausbildungsplätze geben. Immer wieder entsteht die kuriose Situation, dass es viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz gibt, gleichzeitig Stellen unbesetzt bleiben. „Im letzten Ausbildungsjahr sind 1500 Jugendliche unausgebildet geblieben, gleichzeitig gab es aber auch 480 offene Ausbildungsplätze“, sagte Kolat.

Neben der Einrichtung der Berufsagentur kündigten Dilek Kolat und Sandra Scheeres deshalb eine vertiefte Analyse an, die der Frage nachgeht, warum die Unternehmen die passenden Jugendlichen oft nicht finden. Außerdem soll untersucht werden, warum sich die Ausbildungszahlen in Berlin nicht entsprechend der steigenden Beschäftigung entwickelten. „Die Entwicklung auf dem Berliner Arbeitsmarkt ist gut, doch nicht alle Jugendlichen profitieren davon“, sagte Dieter Wagon, Leiter der Regionaldirektion Berlin Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Aber jeder junge Mensch würde benötigt. Doch so gut die Idee sein mag – „die Gesamtzahl der Ausbildungsplätze reicht uns nicht“, sagte Senatssprecher Richard Meng. Er fordere ein stärkeres Engagement der Unternehmen.