Viele Berliner Handwerksbetriebe haben es offenbar schwer, passende Lehrlinge zu finden. Gegenwärtig sind mehr als 500 Ausbildungsstellen frei. Das geht aus dem Frühjahresbericht der Berliner Handwerkskammer hervor. Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Berliner Handwerkskammer, dazu: „Das Handwerk boomt und braucht Auszubildende.“ Die Betriebe seien bereit, junge Menschen auszubilden, würden aber oft nicht die geeigneten Bewerber finden. „Längerfristig könnte dieses Problem zu einem Wachstumshemmnis im Handwerk werden“, warnte Wittke.

Laut Frühjahresbericht sind im vergangenen Jahr in der Hauptstadt 3884 neue Lehrlinge im Handwerk aufgenommen worden. Besonders gefragt bei den Jugendlichen sind nach wie vor Berufe wie Kraftfahrzeugmechatroniker, Friseur oder Tischler. Zu wenige Bewerber gibt es hingegen für Berufe wie Anlagenmechaniker, Gebäudereiniger oder Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk.

In Berlin haben 20 Prozent der Auszubildenden im Handwerk das Abitur. Laut Hauptgeschäftsführer Wittke ist das deutschlandweit die höchste Abiturquote im Handwerk. Inzwischen hätten aber auch Jugendliche, die nicht die besten Noten haben, deutlich mehr Chancen. „Es kommt stärker auf Geschicklichkeit und auf die Persönlichkeit der jungen Menschen an als noch vor einigen Jahren.“ Viele Betriebe würden zudem Nachhilfe anbieten, etwa in Mathematik, damit die Jugendlichen den immer komplexer werdenden Anforderungen der Berufe gerecht werden könnten.

200 Patenschaften zwischen Handwerksbetrieben und Sekundarschulen

Um mehr junge Menschen für einen handwerklichen Beruf zu interessieren, arbeiten viele Betriebe inzwischen eng mit Schulen zusammen. Laut Wittke gibt es derzeit mehr als 200 Patenschaften zwischen Handwerksbetrieben und Sekundarschulen oder Gymnasien. „Für die Betriebe ist das eine große Chance, frühzeitig mit den potenziellen Lehrlingen in Kontakt zu kommen“, so Wittke.

Die Berliner Handwerkskammer will auch mit den Universitäten und Fachhochschulen enger zusammenarbeiten. Gerade in technischen Studienfächern sei die Abbrecherquote nach wie vor groß. „Wir wollen deshalb vor allem jene Studierenden erreichen, die merken, dass sie es nicht schaffen werden, und deshalb erwägen, ihr Studium aufzugeben“, sagte Wittke. Wer etwa Elektrotechnik studiert habe und das Studium nicht beenden wolle, der sei für eine Ausbildung im Elektrohandwerk gut geeignet.

Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer bietet die Berliner Handwerkskammer jährlich Tage der Berufsausbildung an. Der Sprecher der Handwerkskammer, Wolfgang Rink, dazu: „Wir stellen dort möglichst viele Ausbildungsberufe vor und versuchen, Ausbilder und potenzielle Lehrlinge zusammenzubringen.“ In diesem Jahr werden die Tage der Berufsausbildung am 11. und 12. Juni stattfinden. Außerdem bietet auch die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Jugendlichen die Möglichkeit, Ausbildungsplatzangebote auf ihren Internetseiten und mit der mobilen App „Lehrstellenradar“ einzusehen sowie sich direkt zu bewerben oder Lehrstellengesuche aufzugeben.